Luftaufnahme: Der Bildausschnitt zeigt, wo sich einst die Treburer Pfalz befunden haben dürfte. Screenshot: anna grösch
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Luftaufnahme: Der Bildausschnitt zeigt, wo sich einst die Treburer Pfalz befunden haben dürfte. Screenshot: anna grösch

Lokalgeschichte

Der Königspfalz auf der Spur

  • Anna Grösch
    VonAnna Grösch
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Neue Ausstellung zeigt Film über Treburs bewegte Historie

Heute sieht man nicht mehr viel davon, aber vor einigen Hundert Jahren war die Treburer Pfalz einer der wichtigsten Orte in der gesamten Region. Doch wer eingeweiht ist und genau darauf achtet, der findet auch heute noch Spuren aus längst vergangenen Tagen.

Dafür muss man aber erst einmal davon wissen. Um möglichst vielen Menschen die Geschichte der Treburer Königspfalz näher zu bringen, konzipiert die örtliche Gesellschaft für Heimat und Geschichte gerade eine neue Ausstellung mit diesem Themenschwerpunkt.

"Über die Treburer Pfalz wird viel geredet. Aber die Bedeutung des Ortes ist etwas in den Hintergrund gerückt", erzählt Wolfgang Kraft, der Vorsitzende der Gesellschaft für Heimat und Geschichte. "Im Vergleich werden wir auch die Bedeutung der Pfalzen in Ingelheim und Frankfurt zeigen." Im Laufe der Geschichte habe Frankfurt sich bekanntermaßen zur Großstadt entwickelt, die kleineren Orte wie Trebur hätten an Bedeutung verloren. Doch das war nicht immer so.

Projekt kann sich sehen lassen

Doch was ist so eine Pfalz überhaupt? Kraft erklärt sie als Vorläufer fester Residenzen, auf denen die Könige sich aufhielten, wenn sie vorbeizogen. "In so einem großen Reich mussten die Herrscher präsent sein. In der Treburer Pfalz gab es unter anderem einen Versammlungsraum, eine Kapelle und ein Palas." Ein Palas war das repräsentative Hauptgebäude einer Burg oder einer Pfalz.

Daneben habe es an einer Pfalz auch einen großen Bauernhof gegeben. "Der hat alles angebaut und hergestellt, was man brauchte, wenn der König da war." Heute ist es schwer, sich das alles vorzustellen. Bis ins 13. Jahrhundert standen Pfalz und Wirtschaftshof. An diesem Ort befindet sich nun die Sankt Laurentiuskirche, viele Spuren sind nicht mehr übrig.

Doch für die Ausstellung hat sich die Gesellschaft für Heimat und Geschichte eine ganz neue Weise überlegt, um den Besuchern das Leben auf der Pfalz näher zu bringen. Einen aufwendig gestalteten Film, den die Organisatoren konzipiert und mit Videograf Dennis Möbus - ebenfalls ein Treburer - umgesetzt haben.

"Daran haben wir lange gearbeitet", sagt Kraft zu dem Projekt. "Wir haben viel recherchiert und viele Sitzungsrunden gehabt. Das war ein Stück Arbeit." Doch das Projekt kann sich sehen lassen. In schönen Bildern und eindrucksvollen Grafiken schildert die rund 15-minütige Dokumentation das Leben in und um die Pfalz in Trebur.

Dabei können auch eingefleischte Trebur-Experten noch etwas Neues lernen. "Eine besondere Herausforderung war, dass man kaum noch Zeugnisse aus dieser Zeit sehen kann", erzählt Filmemacher Dennis Möbus. Doch das Problem hat er mit Drohnen-Aufnahmen und Animationen gelöst. "Mit dem Verein haben wir uns ein bisschen auf Spurensuche begeben".

Teile der Mauern der heutigen Laurentiuskirche weisen noch auf die lange Geschichte hin, auch Teile der ehemaligen Pfalzkapelle lassen sich noch finden. Für Möbus, der neben seiner Arbeit als Fotograf in Riedstadt auch ein Start-up mit seinem Bruder betreibt, war die Arbeit an dem Projekt spannend.

Renovierung im Heimatmuseum

"Es war ein Herzensprojekt. Da erfährt man selbst noch etwas über seinen Heimatort", sagt der "Treburer Junge", den Wolfgang Kraft schon aus Kindheitstagen kennt. "Seine Filme haben uns gut gefallen", erklärt er auf die Frage, wie er auf Möbus kam.

Die Zusammenarbeit mit einem anderen Filmemacher sei nicht so gelaufen, wie man sich das vorgestellt hatte. Aber mit Möbus habe es "prima geklappt", obwohl die vielen Absprachen und Recherchen für ihn sicher nicht immer einfach gewesen seien, so Kraft. "Für so einen kleinen Film war das viel Arbeit." Wann das Projekt in Trebur gezeigt werden kann, ist wegen Corona noch unklar.

Zuerst soll auch noch das Heimatmuseum renoviert werden. "Ein Innenarchitekt aus Mainz wird ein paar Veränderungen vornehmen", erzählt Kraft. Auch die Neugestaltung finde im Rahmen der Ausstellung statt.

Kraft hofft, dass die Arbeiten bis zum Spätsommer abgeschlossen sein werden. Zurzeit fänden noch Gespräche über die Finanzierung des Projekts statt. "Wir finden es wichtig, dass auch die Lokalgeschichte mitgeteilt wird", sagt Kraft. Sobald die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind, sollen die Vorbereitungen für die Ausstellung über die Pfalz in die letzten Züge gehen. Anna Grösch

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