Acht Ziegen haben ihr vorübergehendes neues Zuhause auf der Wiese bei Geinsheim bezogen. Foto: Anna Grösch
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Acht Ziegen haben ihr vorübergehendes neues Zuhause auf der Wiese bei Geinsheim bezogen.

Natur

Die meckernden Landschaftsgärtner

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Die Gemeinde Trebur findet umweltfreundliche Lösung für Rodungsarbeiten. Acht Ziegen haben ihr vorübergehendes neues Zuhause auf der Wiese bei Geinsheim bezogen. Fotos: Anna Grösch

Glöckchen, Bärbel, Nora oder Lui - so heißen einige der neuesten Mitarbeiter der Landschaftspflege der Gemeinde Trebur. Ungewöhnliche Namen für Landschaftsgärtner, noch ungewöhnlicher ist allerdings, dass die acht neuen Mitarbeiter nicht einmal Lohnsteuer oder Krankenversicherung zahlen müssen.

Das können sie auch gar nicht, denn ihre Qualifikationen für den Job haben sie nicht durch Aus- und Weiterbildung erlangt. Die neuen Landschaftspfleger sind Ziegen, echte Naturtalente. Ihre Aufgabe ist es, die verwachsenen Brombeersträucher auf dem Gelände zurückzufressen.

Seit Samstag stehen die vier Ziegen Bärbel, Nora, Lui und Glöckchen auf einer Wiese im Naturschutzgebiet "An der Großen Lache" von Geinsheim. Mit ihnen umgezogen sind auch vier im Februar geborene Jungtiere, die munter auf der Wiese und ihrem Unterstand herumtollen.

Naturschutzgebiet für Vogelarten

Für erst einmal sechs Wochen ist die Wiese bei Geinsheim das neue Zuhause der Tiere. Dann wird Bilanz gezogen. Das Grundstück gehört der Gemeinde, für die Anne Koszela in Umweltfragen zuständig ist. Früher waren auf dem Gelände Kleingärten, die vor einiger Zeit abgerissen wurden. Besonders die Brombeerbüsche haben sich bislang auf der Wiese ausgebreitet, meterhoch und fast undurchdringlich struppig. Warum müssen jetzt aber ausgerechnet Ziegen hier ran?

Dazu muss Koszela weiter ausholen. "Das Gebiet ist auch ein Vogelschutzgebiet", erklärt sie. Ausgewiesen sei es insbesondere für die Vogelarten, die offenes Land und Wiesen bevorzugen, wie Grauammer, Kiebitz oder Feldlerche. Deshalb wollte die Gemeinde das Gebiet zurückentwickeln. In den Büschen finden auch andere Tiere Schutz, und auch Vogelarten können dort brüten und leben. Denen geht es allerdings noch besser als den sogenannten Offenlandarten, die Wiesen und Felder brauchen.

Aus Rücksicht auf die Brutzeit der Vögel verengt sich der Zeitraum, in dem die Hecken geschnitten werden können, auf den Herbst, sagt Koszela. In dieser Zeit nutzen Tiere die Büsche allerdings auch zum Leben und Überwintern. Schweres Gerät und Sägen machen dann wiederum diesen Tieren das Leben schwer.

So machte man sich in Trebur auf die Suche nach einer umweltverträglicheren Alternative, die Büsche zu stutzen. Mit den Ziegen wurde man fündig. Die Tiere futtern Blätter, Rinde und Gehölze und sind so wesentlich landschaftsverträglicher als Rodungsmaschinen.

Das macht sich die Gemeinde Trebur zunutze. Die Ziegen sind "gemietet", gehören Familie Rothermel aus Biebesheim, die dort einen landwirtschaftlichen Betrieb führt. Für den Ausflug nach Geinsheim wurden sie in einem Hänger transportiert, auf der Wiese haben sie ein kleines Häuschen, in dem sie sich schützen können.

"Ziegen mögen keinen Regen", erklärt Anne Koszela. "Sie können sich leicht erkälten." Auch, dass einige Sträucher und Bäume auf der Wiese stehen, komme den Tieren zugute. Wenn die Temperaturen wieder ansteigen, können sie sich auch mal in den Schatten verziehen. Gut versorgt sind die Ziegen also, weshalb Anne Koszela eine Bitte an Spaziergänger und etwaige Besucher am Ziegengehege hat: "Bitte nicht füttern." Einmal am Tag kämen die Besitzer vorbei und schauten nach dem Rechten. Auch die Nachbarn seien sehr aufmerksam und versorgten die Tiere mit Wasser.

Gemeinde hat Pläne für das Areal

Überaus kreativ könnten die Tiere bei Ausbruchsversuchen werden, sagt Koszela weiter. "Deshalb ist es wichtig, dass die Fläche gut eingezäunt ist und Strom auf den Drähten ist."

Es ist das erste Mal, dass die Gemeinde auf die ungewöhnlichen Mitarbeiter setzt, die sechs Wochen Zeit haben, um sich an den Bäumen und Sträuchern gütlich zu tun. Dann wird geschaut, wie die Arbeit vorangeschritten ist.

Wenn sie ihre Arbeit verrichtet haben, wird die Gemeinde im Herbst noch ein paar Gehölze wegschneiden und die Wiese einsäen. So helfen die tierischen Landschaftsgärtner mit, ein wohnliches Biotop für die heimischen gefährdeten Vogelarten zu schaffen. Anna Grösch

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