Und so sieht die Benutzeroberfläche des Schulportals für Hessen aus.	Screenshot: Jens Lang
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Und so sieht die Benutzeroberfläche des Schulportals für Hessen aus.

Ergänzung zum Präsenzunterricht

Digitale Schule für zu Hause – Gegen eine erneute Corona-Lernpause

  • Dorothea Ittmann
    vonDorothea Ittmann
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Die Mittelpunktschule in Trebur führt das "Schulportal Hessen" ein. Doch die Digitalisierung des Unterrichts schreitet nur langsam voran.

Trebur – Mit Kreide mathematische Formeln an die Schiefertafel schreiben, Diagramme mit dem Lichtbildprojektor an die Wand werfen. Das war vorgestern. Mit dem digitalen Stift oder dem Finger Stichpunkte auf die interaktive Tafel – auch als Smartboard bekannt - schreiben. Das war gestern. In den eigenen vier Wänden einem Video-Vortrag des Lehrers folgen und dabei die digitalen Lernblätter studieren. Das sollte heute sein. Ist es aber vielerorts nicht – noch nicht.

Die Corona-Pandemie hat Millionen Schüler in Deutschland vor den Sommerferien in eine wochenlange Lernpause geschickt. Damit das nicht wieder passiert, arbeiten Softwareentwickler und Schulen fieberhaft an digitalen Lösungen, die die Kinder und Jugendlichen nicht nur im Unterricht, sondern auch daheim nutzen können.

Es gibt nicht das eine landes- oder gar bundesweite Bildungsprogramm. Jede Schule hat sich für das ihrer Meinung nach beste Programm entschieden. Während die Anne-Frank-Schule in Raunheim "Microsoft Teams" benutzt, hat die Mittelpunktschule (MPS) in Trebur das "Schulportal Hessen" eingeführt, das laut Schulleiter Jens Lang datenschutzrechtlich unbedenklich und auf die Bedürfnisse der fünften bis zehnten Klassen abgestimmt sei.

"Mit dem Modul ,Mein Unterricht' können die Inhalte der Schulstunden – von den Themen bis hin zu den Hausaufgaben – auch von den Eltern eingesehen werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Schüler anhand eines digitalen Stundenplans den Ablauf des Tages strukturieren können", erläutert Lang das System. Das Modul ,Lerngruppen' gebe wiederum eine Übersicht über Termine für Klassenarbeiten.

Ergänzung zum Präsenzunterricht

Das Schulportal ergänze in erster Linie den Präsenzunterricht, könne aber auch für Homeschooling, das heißt den Unterricht von zu Hause aus, eingesetzt werden, falls einzelne Klassen, Jahrgänge oder die ganze Schule wegen Covid-19-Fällen geschlossen werden muss. Zum Glück habe es an der MPS noch keinen solchen Fall gegeben, ist Jens Lang erleichtert. Das sei aber nur eine Frage der Zeit. Deshalb arbeite das Kollegium an Alternativen für den Präsenzunterricht. Lang nennt es das "Lockdown-Prinzip" - immer auf das Schlimmste vorbereitet sein.

Nun müssen nicht nur die Schüler, sondern auch die Eltern lernen, wie das Schulportal funktioniert. Vor den Herbstferien werden die Lehrer ihre Klassen schulen. Die MPS habe zusätzlich Erklär-Videos auf den eigenen Youtube-Kanal hochgeladen, erläutert Lang. Der Schulleiter verwendet das Schulportal im eigenen Unterricht. "Die Arbeit mit dem Modul ist sehr angenehm", lautet sein Fazit. "Durch das Schulportal werden viele neue Möglichkeiten eröffnet, besonders die Kommunikation und der Austausch werden erleichtert und erweitert."

Mit Tablets gut ausgerüstet

Ist die MPS auf dem Weg zum digitalen Klassenzimmer schon einen großen Schritt weitergekommen? Jens Lang zögert. Grundsätzlich ja, aber der Weg sei eben noch sehr lang. Positiv sei, dass die MPS mittlerweile 14 I-Pads besitzt, die sie an Schüler verleihen kann, die von zu Hause aus arbeiten müssen – manche sogar mit Mobilfunkvertrag, falls kein Wlan vorhanden ist. Hinzu kämen noch einmal so viele Android-Tablets. Damit sei die Schule laut Lang schon gut aufgestellt.

Wer jedoch das Internet auf dem Schulgelände nutzen möchte, könne das nur an zwei Orten tun, an denen ein sogenannter Hotspot eingerichtet ist. Weitere Hotspots sollen nach den Herbstferien installierte werden; sie werden über den Digitalpakt Schule von Bund und Ländern finanziert, genauso wie die Tablet-Computer.

"Für echte Digitalisierung ist noch Luft nach oben", findet Jens Lang. Beispiele für erfolgreichen digitalen Unterricht gebe es in vielen Ländern der Welt, zum Beispiel in Japan. Lizenzen für digitale Schulbücher, die die Schüler auf elektronischen Endgeräten lesen können, seien ein weiterer Schritt ins Klassenzimmer von morgen. Dorothea Ittmann. (Von Dorothea Ittmann)

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