Niklas Glotzbach weist auf das Badeverbot am Hegbachsee hin. Unter erschwerten Bedingungen hat sich die Ortsgruppe auf die Saison vorbereitet.
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Niklas Glotzbach weist auf das Badeverbot am Hegbachsee hin. Unter erschwerten Bedingungen hat sich die Ortsgruppe auf die Saison vorbereitet.

Schwimmen

DLRG Trebur/Nauheim stellt sich auf schwierige Saison ein

Die DLRG in Trebur und Nauheim sagt, die Schwimmausbildung hat in den zurückliegenden Monaten stark gelitten. Sie fürchten Schlimmes.

Trebur/Nauheim -Bei Dauerregen und Temperaturen von nur knapp über zehn Grad lädt das Wetter derzeit nicht gerade zum Baden ein. Ganz zu schweigen von den Freibädern, die ohnehin noch geschlossen sind. Niklas Glotzbach blickt der bevorstehenden Badesaison mit leicht mulmigem Gefühl entgegen. Der 29-Jährige ist Vorsitzender der DLRG Nauheim/Trebur und koordiniert im Ernstfall die Einsätze der Ortsgruppe.

In der zurückliegenden Saison musste die Gruppe 17 Mal ausrücken, davon führten sie 15 Alarmierungen an den Rhein. "Im Sommer waren wir fast jedes Wochenende am Rhein im Einsatz", erinnert sich Glotzbach. Rund 95 Prozent der Notfälle spielten sich dort ab. Im Vergleich zu den Vorjahren sei das ein erheblicher Anstieg gewesen. Ähnliche Zahlen erwartet der DLRG-Vorsitzende für diesen Sommer.

Der erste Einsatz des Jahres liegt bereits hinter den Rettungsschwimmern. Kaum hatte sich das Thermometer der 30-Grad-Marke genähert, wurden sie zu einem verunglückten Jetskifahrer an den Rhein gerufen. Neben heißen Sommertagen sieht Glotzbach in der Corona-bedingten Schließung der Freibäder und der Besucherbeschränkung an öffentlichen Badestellen einen Grund dafür, warum es im vergangenen Jahr vermehrt zu Badeunfällen an Rhein und Main gekommen war.

In diesem Jahr verschärfe sich die Lage noch einmal, befürchtet Glotzbach, da zuletzt viele Schwimmkurse ausgefallen waren. "Uns fehlt ein ganzer Jahrgang", berichtet der Rettungsschwimmer. Rund 200 Kinder stünden auf der Warteliste. "Jedes Kind, das nicht schwimmen kann, ist eines zu viel", findet er deutliche Worte. Die Zahl der Nichtschwimmer bei gleichzeitigen Zugangbeschränkungen zu bewachten Badestellen ergebe daher in diesem Jahr eine besonders gefährliche Kombination.

Trebur/Nauheim: Einsatzstärke ist nicht gefährdet

Bei den Rettungsschwimmern und Wachgängern sei das Training in der Vergangenheit ebenfalls zu kurz gekommen. "Seit drei Wochen dürfen wir wieder in Kleingruppen Übungen machen, um die Einsatzfähigkeit aufrecht zu erhalten", berichtet Glotzbach. Die Taucher trainieren zudem in einem See auf der Hessenaue, am Samstag steht die erste Übung mit dem Rettungsboot an. "Unsere Einsatzstärke ist nicht gefährdet", sagt Glotzbach. Die Ortsgruppe rücke im Ernstfall außerdem im Verbund mit den Rettungsschwimmern aus Groß-Gerau, Leeheim, Gernsheim und Stockstadt als kompletter Wasserrettungszug mit rund 30 Personen aus.

Dabei findet nicht jeder Einsatz einen positiven Ausgang. Glotzbach erinnert sich an den tragischen Vorfall am Kornsand Ende Juni vergangenen Jahres. Damals war ein fünfjähriger Junge im Rhein ertrunken. Auch die 30 Jahre alte Mutter kam bei dem Versuch, ihr Kind zu retten, ums Leben. Als Einsatzleiter war Glotzbach an jenem Tag an Ort und Stelle. Die Bilder des Unglücks hatte er selbst einige Tage später noch vor seinem inneren Auge. "Es wäre fast schon unmenschlich, wenn einen das nicht mitnimmt", sagt er.

Trebur/Nauheim: Psychologische Betreuung

In solchen Fällen sei eine Nachbesprechung des Einsatzes enorm wichtig, um nicht Fragen wie "Hätten wir nicht schneller sein können?" aufkommen zu lassen. Auch das Gespräch mit Freunden oder Familie helfe, das Erlebte zu verarbeiten. Gleichzeitig können die Rettungsschwimmer auf die psychologische Betreuung des Vereins "Seelsorge in Notfällen" zurückgreifen.

Damit sich derartige Ereignisse nicht wiederholen, hat die DLRG in den zurückliegenden Monaten viel Aufklärungsarbeit betrieben. "Viele unterschätzen noch immer die Gefahr, die von der Strömung eines Flusses ausgeht", schildert Glotzbach. Ein weiterer wesentlicher Faktor sei die Schifffahrt. Das zurückfließende Wasser am Ufer, was folgt, nachdem ein Schiff vorbeigefahren ist, könne ein kleines Kind ohne Weiteres von den Füßen reißen und in die Mitte des Flusses ziehen. Ebenso gefährlich seien die Buhnen, also Dämme, die in den Fluss hineinreichen. Dort bildeten sich gefährliche Strudel, deren Sog einen auf der Stelle in Richtung Grund zieht.

Um für mehr Sicherheit an Gewässern zu sorgen, hat der Kreis Groß-Gerau im vergangenen Jahr Warnschilder aufgestellt, die auf die Gefahren hinweisen. "Man kann nur auf die Vernunft der Menschen hoffen, doch die sind leider sehr beratungsresistent", bedauert Glotzbach. So habe er erlebt, dass die Kreuze, die die Gemeinde Trebur als Mahnmal an der Unglücksstelle am Kornsand aufgestellt hat, als Handtuchhalter benutzt wurden. Doch verliert man bei all den Rückschlägen nicht die Motivation? "Nein", ist die klare Antwort von Niklas Glotzbach. Menschen zu helfen und zu retten, das ist seit Kindesbeinen an seine große Leidenschaft. Und so rät er allen Menschen, die sich im Sommer nach einer Abkühlung im kühlen Nass sehnen: "Nur an bewachten Badestellen ins Wasser gehen und zur Not tut's auch ein Rasensprenger." Johanna Thaben

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