Landwirt Jörg Hirsch ist mit der Erdbeerernte in diesem Jahr nicht wirklich zufrieden. Foto: Fnp
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Landwirt Jörg Hirsch ist mit der Erdbeerernte in diesem Jahr nicht wirklich zufrieden.

Landwirtschaft

Eine Erntesaison der Extreme

  • Anna Grösch
    VonAnna Grösch
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Schnelle Wetterumschwünge, die Früchte reifen erst spät: Die Bedingungen für Spargel und Erdbeeren waren alles andere als ideal.

Vom Wettergott hätte sich Jörg Hirsch in den vergangenen Monaten etwas mehr gewünscht. Nachdem die Spargelsaison schon relativ früh im April gestartet war, waren die folgenden Wochen vor allem von Wetterextremen geprägt. "Erst hatten wir den kältesten April seit Jahren und dann auch noch den kältesten Mai", sagt Hirsch, der den Spargel- und Erdbeerhof Hirsch in Trebur bewirtschaftet. Zwei Monate lang war es permanent kalt, keine guten Bedingungen für Spargel, wie Hirsch weiter berichtet. "Die Folge war, dass es wenig Ware gab. Besonders vor den Feiertagen war der Spargel gefragt."

Teilweise habe er die Arbeit auf den Feldern herunterfahren müssen, weil das Wetter zu schlecht gewesen sei. "Das war schon ein bisschen stressig", berichtet Hirsch. "Den ein oder anderen im Hofladen mussten wir enttäuschen, weil wir die Produkte nicht in der gewünschten Menge hatten." Manch einer habe sich darüber beschwert. Doch Hirsch gibt zu Bedenken, dass die Landwirtschaft eben vom Wetter abhängig sei. "Die Nummer von Petrus habe ich eben leider nicht, sonst hätte ich mich da schon einmal gemeldet."

Früchte reifen erst spät

Die Nachfrage sei da gewesen. Mit dem Direktverkauf des Spargels zeigt sich Hirsch "sehr zufrieden". Anders sieht es bei den Erdbeeren aus, als sich das Wetter im Juni zur Hitze hin gewendet hat. Unter den niedrigen Temperaturen mit dem folgenden schnellen Umschwung gingen Qualitätseinbußen an den Früchten einher. "Man sieht auch, dass die Bäume erst spät Blätter bekommen haben. Und so ist das mit den Erdbeeren auch", erklärt der Landwirt. Die Ernte, die für den Mai geplant war, kam erst im Juni und plötzlich seien viele Früchte sehr schnell gereift. "Für Weichobst sind Extreme nicht gut." Hirsch berichtet, dass es sich nicht mehr gelohnt habe, manche Früchte abzuernten. "Das ist dann Schadensminimierung. Da ist die Natur manchmal grausam." Die Erdbeersaison sei bislang "andauernd schwierig" gewesen. Zufrieden sei er gerade nicht. Aber die Saison neigt sich sowieso dem Ende zu, Hirschs Hofladen schließt beispielsweise nach Sonntag seine Pforten. Er will nun eine Selbstbedienungsstation einrichten und sehen, ob sie von den Kunden angenommen wird. Dort gibt es weiterhin Erdbeeren und auch Himbeeren und Johannisbeeren. Später sollen noch Brombeeren dazukommen.

Helfer testen sich regelmäßig

Das vergangene Jahr sei von zu wenigen Erntehelfern geprägt gewesen, weil es wegen der Corona-Pandemie zu Schwierigkeiten bei der Einreise kam oder manche Erntehelfer auch einfach Angst hatten, sich anzustecken. Auch davor hatte Hirsch große Angst. "Ich muss auf Holz klopfen. Aber wir haben Maßnahmen getroffen und bislang hat sich, Gott sei Dank, noch niemand bei uns angesteckt." Davon hänge die Existenz eines Betriebes ab. Mit einem befreundeten Landwirt habe er sogar ein ganzes Haus in Wiesbaden gemietet, berichtet Hirsch. Wäre der Fall der Fälle eingetreten, hätte man dort eine Quarantänestation gehabt.

Seine Frau habe schon im Winter Tests bestellt und beim Roten Kreuz eine Schulung gemacht, wie man diese richtig anwendet und das Wissen an die Mitarbeiter weitergegeben. Jeden Tag werde im Betrieb getestet. Vorsichtsmaßnahmen, die sich ausgezahlt haben. Hart ins Gericht geht der Landwirt mit der Berichterstattung der Medien über landwirtschaftliche Betriebe, bei denen Mitarbeiter und Erntehelfer sich infiziert haben. "Das ist natürlich auf den Arbeitgeber zurückgefallen. Danach hatten wir Angst, auch so dazustehen, falls sich jemand ansteckt."

Man könne Vorsichtsmaßnahmen ergreifen und testen. Auf dem Hof sei in diesem Jahr nur die Hälfte der Kapazitäten genutzt worden, um mehr Abstand halten zu können. Aber was die Menschen in ihrer Freizeit machen, wisse man eben nicht.

Anna Grösch

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