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Einkaufen rund um die Uhr ist bei einem "Emmas Tag- und Nachtladen" kein Problem. Dabei handelt es sich um ein Geschäftsmodell, bei dem kein Personal benötigt wird. Foto: dpa

Konsum

Einkaufen rund um die Uhr möglich

In kleinen Kommunen gibt es häufig keine Supermärkte mehr. Ein "Emmas Tag- und Nachtmarkt" könnte die Versorgungslücke schließen.

Trebur -Kein Zweifel: Die Einkaufsgewohnheiten der Bürger haben sich in der Vergangenheit gravierend geändert. Die Folge: Besonders in kleineren Kommunen gibt es kaum noch oder gar keine Bäckereien, Metzgereien und kleine Lebensmittelgeschäfte mehr. Paradox ist, dass es kaum Bürger gibt, die das nicht bedauern. Doch eben diese Bürger haben irgendwann den großen Supermärkten den Vorzug gegeben und damit zum Aus der kleinen Läden beigetragen.

Dem wollen die Freien Wähler gegensteuern - besonders in Astheim, wo es bei der Nahversorgung der Bürger hapert. Eine Möglichkeit könnte ein "Emmas Tag- und Nachtmarkt" sein. Dabei handelt es sich im Prinzip um einen überdimensionalen, begehbaren Verkaufsautomat, der - da kein Personal präsent ist - rund um die Uhr geöffnet hat.

Regionale Produkte in der Auslage

Während einer Video-Fraktionssitzung informierten sich die Freien Wähler über einen solchen Tag- und Nachtmarkt, den sie sich für Astheim bestens vorstellen könnten. Zugeschaltet war Erwin Kuglmeier, Vertriebsleiter der in Altengottern (Thüringen) ansässigen Emmas Tag- und Nachtmarkt GmbH. Der Zugang zu einem solchen Markt erfolgt über eine kostenlosen Kundenkarte und einer vom Kunden festgelegten PIN. Über die Eingangselektronik lasse sich besonders in Coronazeiten problemlos die maximale Zahl der gleichzeitig anwesenden Kunden steuern, erläuterte Kuglmeier.

Bestückt wird ein "Emmas Tag- und Nachtmarkt" (der Name erinnert wohl mit Absicht an den Begriff "Tante Emma-Laden") vorzugsweise mit regionalen Produkten, beispielsweise Gemüse, Wurst, Fleisch, Honig und Backwaren, aber auch mit Non-Food-Artikel für den täglichen Bedarf. Auf den Verkauf von Alkohol werde zunächst verzichtet, versicherte Kuglmeier. Allerdings werde daran gearbeitet, im Markt einen separaten Bereich einzurichten, der ausschließlich Erwachsenen zugänglich ist.

Der Selbstbedienungsmarkt sei besonders geeignet für kleinere Gemeinden von bis zu 2500 Einwohner. Zielgruppe seien unter anderem ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Einwohner. Die Märkte sind nach Auskunft von Kuglmeier ausgestattet mit freiem Wlan, einer E-Ladestation, einer Packstation und einer digitalen Infotafel. Angedacht sei zudem, am Markt E-Bikes zu stationieren.

Schutz vor Diebstahl

Die Bezahlung erfolgt über Scanner-Kassen. Hochauflösende Kameras, verbunden mit der Nachvollziehbarkeit der Kunden sollen Diebstähle verhindern. Denn man muss sich als Kunde auf alle Fälle registrieren lassen. "Ohne Registrierung gibt es keinen Zutritt", stellte der Betriebsleiter klar. Und ohne Bezahlen - aktuell ausschließlich mit EC-Karte, wobei Prepaid-Karten geplant sind - sei ein Verlassen des Marktes nicht möglich. Für die Anbieter, die den Markt mit ihren Waren beschicken, gebe es Monatsverträge und keine langfristigen Bindungen. Der Metzger könne beispielsweise einen Kühlschrank mieten, der Bäcker oder auch der Landwirt ein Regal. Benötigt werden für einen Markt insgesamt 600 Quadratmeter, inklusive Parkplätze. Das Grundstück sei von der Kommune zur Verfügung zu stellen. "Innerhalb von drei Tagen steht ein solcher Markt, da wir mit vorgefertigten Bauteilen arbeiten", informierte Vertriebsleiter Kuglmeier.

"Ein Tag- und Nacht-Markt im Selbstbedienungsformat klingt spannend und könnte tatsächlich der passende Lösungsansatz für die Nahversorgung in Astheim sein", lautete die erste Einschätzung von Bürgermeister Jochen Engel (Freie Wähler), der ebenfalls zugeschaltet war. Er werde den weiteren Fortgang des Themas daher interessiert verfolgen. Rüdiger Lukas, Fraktionsvorsitzender und Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl am 14. März, versprach, dass die Freien Wähler an diesem Thema dranbleiben werden.

Lukas erinnerte daran, dass bereits 2018 die Gemeindevertretung einen Antrag der Freien Wähler für eine Re-Entwicklung des Ortskernes in Astheim verabschiedet habe. "Wir mussten aber feststellen, dass Großmärkte, auch die bereits in Trebur ansässig sind, kein wirtschaftliches Interesse daran haben, eine Dependance in Astheim einzurichten. Ein Emma-Markt könnte dagegen tatsächlich eine Alternative sein." Ralph Keim

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