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Das spätsommerliche Wetter lockt noch einmal die Fahrradfahrer auf die Straße.

Umfrage

Einwohner sind mit ihrem Radwegenetz zufrieden

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Obwohl der Herbst Einzug hält, schwingen sich die Treburer in die Fahrradsättel. In ihrem Ort sind sie gerne mit dem Rad unterwegs.

Es setzt keine umweltschädigenden Abgase frei, ist mit zehn bis 25 Kilometer pro Stunde flott unterwegs, trainiert den Körper und trägt zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Die Rede ist vom Fahrrad, auch bekannt als Rad, Velo, Drahtesel oder neudeutsch Bike.

Trotz der vielen Vorteile ist das Fahrrad eher das Stiefkind der Deutschen. Das Straßennetz ist in erster Linie für Autos gebaut, der Fahrradstreifen meist eine Randnotiz. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) macht sich für die Interessen der Radfahrer stark. Er will in diesem Jahr wieder wissen: Wie fahrradfreundlich sind die Kommunen?

Laut Fahrradklima-Test 2016 lautet die Antwort für Trebur „3,6“. In Schulnoten ist das gerade einmal befriedigend. An der Umfrage haben sich 57 von rund 13 000 Einwohnern beteiligt – gerade genug ausgefüllte Fragebögen, um in die Auswertung zu kommen. Bundesweit belegte Trebur Rang 141 von 264 Kommunen mit weniger als 50 000 Einwohnern. Im Kreis Groß-Gerau schaffte es die Gemeinde auf Rang 23 hinter Mörfelden-Walldorf, Riedstadt, Groß-Gerau und Ginsheim-Gustavsburg.

Die Stärken der Gemeinde zuerst: Die Ortsmitte ist gut mit dem Rad zu erreichen, der Fahrradfahrer kommt zügig voran und kann sich leicht an Wegweisern für Radfahrer orientieren. Wer seinen Drahtesel ein Stück des Weges mit dem Bus transportieren möchte, der kann das ohne Probleme und ohne Aufpreis tun. Und bleibt das Rad eine Weile während des Großeinkaufs vor dem Supermarkt stehen, kann sich der Treburer zumeist darauf verlassen, dass es später immer noch da ist, wo er es abgestellt hat.

Wo sehen die Treburer Verbesserungsbedarf? Laut Umfrage wird der Radverkehr in jüngster Zeit in der Gemeinde weder gefördert noch beworben. Falschparken auf Radwegen werde nicht kontrolliert und Leihfahrräder seien in der Großgemeinde nicht zu bekommen.

Trotz der Kritikpunkte sind sich die Befragten einig: In Trebur macht Radfahren Spaß. Hartmut Götz ist fast jeden Tag mit seinem Fahrrad unterwegs. Mit dem E-Bike ist der 75-Jährige mit seinem Freunden immer noch gerne in der Umgebung unterwegs. „Wir fahren nach Nauheim und Königstädten“, sagt er. Auf den Treburer Straßen fühle er sich sicher und sehe auch keinen Bedarf für mehr Radwege oder bessere Beschilderung. „Man hat mal überlegt auf der Hauptstraße einen Radweg zu markieren, aber die ist zu schmal dafür“, erinnert er sich. Außerdem könnten Fußgänger wie Radfahrer den breiten Gehweg nutzen, der zwischen Fischergasse und Wilhelm-Leuschner-Platz verläuft.

Den nutzt gerade Irene Gogesch. Sie kommt vom Einkaufen. Ihr Fahrradkorb ist voll bepackt. „Ich mache alles mit dem Fahrrad“, sagt sie. Bis auf den mit Schlaglöchern übersäten Riedweg könne sie überall gut fahren. „Nur auf der Rüsselsheimer Straße ist zu viel Verkehr“, schränkt sie ein. Deshalb fahre sie auf dem Weg zum Supermarkt lieber die Parallelstraßen durchs Wohngebiet. So macht das auch Katharina Zrener. Die Geinsheimerin (81) fährt regelmäßig mit dem Fahrrad im Nachbarort Trebur einkaufen.

Und wie erleben Auswärtige den Straßenverkehr in Trebur? Der 16-jährige Tobias aus Frankenthal ist auf der Durchreise – zu Fuß. Der

Hinterreifen ist platt

. Er will sein Fahrrad bis zum nächsten Bahnhof schieben; bis Nauheim sind es etwa sechs Kilometer. „Einen Fahrradweg gibt es hier nicht“, hat er beobachtet. Schlechter sei man deshalb aber nicht innerorts unterwegs. „Hier ist es so wie in anderen Orten auch.“ Seine pfälzische Heimatstadt hat mit der Note 3,3 etwas besser abgeschnitten als Trebur.

Bis 30. November können Radfahrende in Deutschland noch über das Radklima in ihrer Kommune abstimmen. Bis jetzt haben sich 54 Treburer an der Umfrage beteiligt.

Und so geht’s: Anhand von 32 Fragen ermittelt der ADFC auf die Fahrradfreundlichkeit von Kommunen. So erfährt der Club, wo es bei der Infrastruktur, beim Service und beim Verhalten von Verkehrsteilnehmern noch Schwachstellen gibt – aber auch, welche Maßnahmen schon jetzt gut ankommen. Die Ergebnisse werden den Kommunen und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

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