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Gespanntes Warten und Beobachten: FW-Kandidat Jochen Engel und Lebensgefährtin Vanessa Becher.

Wahl

Erste Analysen am Tag nach der Bürgermeisterwahl mit Jochen Engel als klarer Gewinner

Ein strahlender Sieger, zwei zerknirschte Verlierer: Die Bürgermeisterwahl hat völlig unterschiedliche Gefühlswelten hinterlassen. Für den designierten Bürgermeister Jochen Engel (Freie Wähler) beginnt jetzt die Einarbeitung ins neue Amt.

52,6 Prozent im ersten Wahlgang bei zwei Mitbewerbern sprechen eine deutliche Sprache. Jochen Engel (Freie Wähler) hat eine breite Mehrheit der Bürger überzeugt. Entsprechend bestens gelaunt zeigte sich der designierte Bürgermeister am Tag nach der Wahl. Sein Glück kann er immer noch kaum fassen. „Das Wahlergebnis ist auch für mich eine Riesenüberraschung“, kommentiert Engel seinen Wahlerfolg. Er räumt ein, nicht im Traum daran gedacht zu haben, die Wahl bereits mit dem ersten Urnengang zu gewinnen. „Viele Bekannte und Unterstützer von mir hatten die Messlatte schon hoch gehängt. Ich konnte mich zuletzt ja nur auf mein Bauchgefühl verlassen“, beschreibt der kommende Bürgermeister die Endphase des Wahlkampfs.

Hoher Bekanntheitsgrad

Dass er die Wahl hauptsächlich über seinen Bekanntheitsgrad als früherer Leiter des Treburer Ordnungsamts und als Kerbeborsch gewonnen habe, will Engel so nicht stehen lassen. „In Geinsheim war ich kaum bis gar nicht bekannt und doch haben wir Geinsheim gewonnen.“ Er sei authentisch und glaubwürdig herübergekommen, sei den Wahlkampf eher unkonventionell angegangen – das habe geholfen, die Wahl zu gewinnen.

Derzeit ist Jochen Engel noch in einem Bensheimer Unternehmen für kommunale Beratung beschäftigt, wo er erst vor mehr als einem halben Jahr seinen Arbeitsplatz antrat. „Meine Chefs haben sich dennoch über meinen Wahlerfolg gefreut“, muss Engel jetzt schon an seinen Abschied denken. „Für die verbleibenden Monate bis zum Amtsantritt müssen wir eine Lösung finden.“ Er kenne zwar das Treburer Rathaus und die dortigen Arbeitsabläufe. „Aber schon jetzt muss ich mich auf einige wichtige Themen konzentrieren. Vor dem Amt des Bürgermeisters habe ich großen Respekt.“

Riesenenttäuschung dagegen bei CDU und SPD. „Ich glaube nicht, dass wir einen schlechten Wahlkampf geführt haben“, lautet die Einschätzung von SPD-Kandidat Oliver Görlich, der die Unterstützung von der GLT hatte, aber mit letztlich 26,6 Prozent eine deutliche Abfuhr erteilt bekam. „Es ist uns eben nicht gelungen, gegen den Bekanntheitsbonus von Jochen Engel anzukommen“, kommentiert Görlich seine Niederlage.

„Wir haben zumindest erwartet, in die Stichwahl zu kommen“, spricht SPD-Fraktionsvorsitzender Willi Rühl für den SPD-Kandidaten. Dass das Endergebnis so klar zugunsten von Jochen Engel ausgegangen ist, habe ihn überrascht und enttäuscht. „Das war bitter, das tat weh.“ Dennoch war es für Willi Rühl kein Fehler, mit Görlich einen Kandidaten aus Riedstadt nominiert zu haben.

Verärgerte Bürger

Gerade einmal 20,8 Prozent für CDU-Kandidat Constantin Mussel – entsprechend zeigt sich der Gemeindevertreter angesichts dieses Desasters auch am Tag nach der Wahl geknickt. „Es ist uns nicht gelungen, unsere eigenen Wähler zu erreichen“, lautet Mussels erste Analyse. Jetzt muss er erkennen, dass der eigentliche CDU-Wähler wegen unpopulärer Entscheidungen – beispielsweise die Entwicklung des Mitsubishi-Geländes sowie verschiedene Sparmaßnahmen – verärgert und unzufrieden ist und deswegen der Wahl fernblieb.

„Hinzu kommt eine Unzufriedenheit über den Amtsinhaber“, nimmt Constantin Mussel auch Bürgermeister Carsten Sittmann (CDU) mit in die Verantwortung. Mussel habe in einem klassischen Wahlkampf auf Ehrlichkeit gesetzt und sich nicht zu weit aus den Fenster gelehnt, was aber wohl nicht gereicht habe. „Dafür kann ich noch in den Spiegel schauen und Jochen Engel für seinen Wahlerfolg gratulieren“, hat der Christdemokrat mit der Wahl aber auch schon weitgehend abgeschlossen. „Ich freue mich für Jochen Engel, dass er die Wahl gewonnen hat.“ Amtsinhaber Sittmann ist überzeugt, dass er seinen Nachfolger nicht intensiv einarbeiten muss. „Er hat hier bei uns in der Gemeindeverwaltung ja seine Ausbildung absolviert und war hier bis vor wenigen Monaten beschäftigt“, erläutert Sittmann. Er wolle Jochen Engel zu den Besprechungen hinzuziehen, die Themen betreffen, die über den Wechsel hinausgehen, verspricht der Amtsinhaber.

Sittmanns offiziell letzter Arbeitstag wird der 2. Juni sein. Am 3. Juni wird Jochen Engel als neuer Bürgermeister von Trebur auf dem Chefsessel Platz nehmen. Seine Amtseinführung geschieht bei einer Sitzung der Gemeindevertretung.

von RALPH KEIM

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