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Klappe und Action! Die Zuschauer sollen einen Eindruck bekommen, mit welchen Gerätschaften die Schüler und Lehrer im Chemieunterricht an der Mittelpunktschule in Trebur umgehen. Foto: Dorothea Ittmann

Schule

Experimentelle Chemie in Szene gesetzt

  • Dorothea Ittmann
    vonDorothea Ittmann
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Die Lehrer der Mittelpunktschule informieren über ihre Fächer in Videoclips. Das Echo war bei den Dreharbeiten dabei.

Trebur -Wenn es bei Johannes Mentges im Fachraum Chemie knallt und raucht, dann läuft dabei schon einmal die Kamera mit. Er und Axel Müller sind ein eingespieltes Team, wenn es darum geht, Lernvideos zu drehen. Die beiden Chemielehrer an der Mittelpunktschule (MPS) Trebur wissen, wie sie Kaliumpermanganat und Ethanol richtig in Szene setzen.

Doch bevor es ans Eingemachte geht, müssen die notwendigen Apparaturen aufgebaut werden. Mentges hat sich für den Videodreh in Schale, genauer gesagt in Kittel mit Schutzbrille geworfen. Ein ums andere mal verlässt er den Raum, um Erlenmeyerkolben und Reagenzgläser zu holen. Der Kolben ist mit einer violetten Flüssigkeit gefüllt - Kaliumpermanganat, erklärt der Chemielehrer. Das leicht oxidierende Kaliumsalz kann in verschiedenen Experimenten eingesetzt werden, steht an dem Tag aber nur zur Zierde auf dem Labortisch.

Daneben eine Destillationsapparatur mit zwei über einen Liebig-Kühler verbundenen Rundkolben. Johannes Mentges schiebt den Heizpilz unter den rechten Glaskolben. "Hiermit kann man zum Beispiel Ethanol destillieren", sagt Axel Müller und erklärt den Prozess, während er auf die verschiedenen Bestandteile der Apparatur zeigt.

Eine verschlossene Glasflasche steht am anderen Tischende. Drei verschiedenfarbige Flüssigkeiten schwappen darin hin und her, als Johannes Mentges die Flasche vor sein Gesicht hält. "Das ist Methanol, Wasser und Xylol. Kaliumcarbonat verhindert, dass sich die Substanzen mischen. Damit man die Flüssigkeiten voneinander unterscheiden kann, haben wir sie blau, gelb und rot eingefärbt", erläutert Mentges das didaktische Hilfsmittel.

Videoreihe auf dem Youtube-Kanal

Schnell noch ein paar chemische Formeln an die Tafel geschrieben und fertig ist die Kulisse für Folge drei der Videoreihe "Tage der offenen Tür", die nach und nach auf dem Youtube-Kanal der Mittelpunktschule veröffentlicht werden. Die Idee zu den Videos hatte Axel Müller, der als IT-Beauftragter der Schule gerne mit neuen Formaten experimentiert. Die Schulleitung unterstütze sein Engagement und das seiner Kollegen, stelle sogar das Equipment zur Verfügung. Der Lehrer nimmt einen Camcorder mit Stativ und eine Kompaktkamera zur Hand.

Als nach Ausbruch der Pandemie der Tag der offenen Tür auf der Kippe stand, schlug Axel Müller dem Schulleiter vor, die einzelnen Fächer per Video vorzustellen. Jens Lang gab sein Okay, und los ging es mit den Vorbereitungen. "Wir haben kein Drehbuch. Wir überlegen uns grob, was wir zeigen wollen, und schneiden die Szenen später zusammen", erklärt Müller die einfachen Abläufe.

Sein Kollege Johannes Mentges wird vor laufender Kamera kein Plädoyer für das Fach Chemie abgeben, auch wenn er das mit Sicherheit könnte: "Wir sind für die Naturwissenschaften hervorragend aufgestellt", bemerkt er am Rande der Dreharbeiten. Das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck sponsere den Fachbereich Chemie der Treburer Haupt- und Realschule mit Lehrmitteln. "Chemikalien sind enorm teuer", weiß der Lehrer.

"Wir haben Freude daran"

Müller filmt währenddessen die Ausstattung des Labors, die Apparaturen, die Tafel mit Periodensystem und die Plakate mit Sicherheitshinweisen. Die Dreharbeiten dauerten meist mehrere Stunden, sagt Müller. Dafür investieren die Lehrer einen Teil ihrer Freizeit. "Wir haben aber Freude daran", versichert er.

Den beiden ist es wichtig zu betonen, dass die Lehrerschaft in der Corona-Krise sehr engagiert ist. "Die Schulen sind stark in die Kritik geraten, weil sie technisch nicht gut ausgestattet sind. Doch das liegt nicht an den Kollegen, wir machen einen guten Job", sagt Mentges.

Die Startbedingungen seien denkbar schlecht gewesen. Auch wenn Corona die Digitalisierung vorantreibe, sei es noch ein langer Weg. Zurzeit wird die Mittelpunktschule ans Glasfasernetz angeschlossen. Schulleiter Jens Lang hofft damit auf eine stabilere Wlan-Verbindung im Schulhaus.

Wenn es die Inzidenz vor März 2021 zulässt, werde der Tag der offenen Tür nachgeholt, teilt Lang mit. Und sollte es anders kommen, ist die Mittelpunktschule vorbereitet. Dann können sich die Eltern und baldigen Fünftklässler online davon überzeugen, was die MPS zu bieten hat. Und wer weiß, vielleicht ist ein zukünftige Chemie-Nobelpreisträger darunter. Dorothea Ittmann

Johannes Mentges ist der Mann vor der Kamera. Foto: Dorothea Ittmann
Axel Müller kennt sich mit der Technik aus. Foto: Dorothea Ittmann

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