Die Rheinfähre Landskrone verbindet das hessische Trebur mit dem rheinland-pfälzischen Nierstein.
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Die Rheinfähre Landskrone verbindet das hessische Trebur mit dem rheinland-pfälzischen Nierstein.

Schifffahrt

Fähre: Die Hälfte der Kunden ist weggebrochen

Die Corona-Pandemie hat die Rheinfähre Landskrone in schwieriges Fahrwasser gebracht. Trotzdem hält Betriebsleiter Richard Dries am bisherigen Fahrplan fest.

Trebur -Im Zehnminutentakt legt die Rheinfähre Landskrone am Kornsand ab und setzt nach Nierstein über. Zu Stoßzeiten verkehrt sie auch alle fünf Minuten zwischen den beiden Ufern auf der hessischen und rheinland-pfälzischen Seite des Flusses. Etwa drei Minuten dauert die Fahrt.

Wer die Rheinfähre benutzt, muss eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen - auch wenn Radfahrer und Fußgänger auf Deck an der frischen Luft sind. Hinweisschilder machen an den Anlegestellen auf die Maskenpflicht und den Sicherheitsabstand aufmerksam. Die Autofahrer bleiben ohnehin während der Fahrt in ihrem Wagen sitzen. Doch immer weniger Pendler nutzen in Zeiten von Homeoffice und Kurzarbeit die Rheinfähre.

Der Andrang sei seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr so stark wie früher, bestätigt Richard Dries, Betriebsleiter der Rheinfähre Landskrone GmbH mit Sitz in Nierstein. Die Fähre verkehrt zwar trotz Covid-19 nach Fahrplan, aber rund die Hälfte der Kundschaft falle weg, weil ein Großteil der Arbeitnehmer nach Empfehlungen der Bundes- und Landesregierung am heimischen Computer arbeite oder in Kurzarbeit ist. Im Vergleich: Normalerweise würden zwischen 180 und 190 Wochenkarten gekauft, mittlerweile seien es nur noch etwa 80. Viele langjährige Kunden wählten statt der Wochenkarte ein Tagesticket.

Kurzarbeit sei für das Fährunternehmen keine Alternative, schon gar nicht für die Fahrer und Kassierer, die zurzeit in drei Schichten von 6 Uhr morgens bis 21 Uhr abends arbeiteten, damit die Landskrone den Verkehrsfluss zwischen den beiden Rheinufern aufrechterhalten kann.

Das Fährunternehmen sei zwar berechtigt, sowohl in Hessen als auch in Rheinland-Pfalz Betriebskostenzuschüsse während der Zeit des Lockdowns zu beantragen, gezahlt hätten aber bisher nur die Rheinland-Pfälzer. Die Pauschale in Höhe von 25 Euro pro Betriebsstunde sei lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. "Das deckt unsere Verluste bei weitem nicht, aber ohne die Zuschüsse könnten wir nicht existieren", sagt Geschäftsführerin Cornelia Dries.

Transport bei Notfällen

Der Schiffsverkehr gehört zu den systemrelevanten Bereichen und muss als solcher auch in der Krise erhalten bleiben. Dabei transportiert die Landskrone nicht nur Pendler. Bei Notfällen bestellten der Rettungsdienst oder die Polizei die Fähre, um überzusetzen. "Die Rettungskräfte können nicht bis zur Weisenauer Brücke fahren, der Umweg ist zu groß", sagt Richard Dries mit Blick auf die am Rheinufer gelegene Siedlung Kornsand. Das wäre ein Umweg von fast 30 Kilometern. Für die direkte Überfahrt lösen auch Erholungssuchende aus der Region in den Sommermonaten ein Ticket. Viele von ihnen besuchen die Weinfeste auf der anderen Rheinseite, zum Beispiel das Niersteiner Winzerfest im Juli und August, das Oppenheimer Weinfest oder das Kellerwegfest in Guntersblum im August. An solchen Tagen pendelt die Landskrone an den Wochenenden bis Mitternacht zwischen den Ufern. Diese publikumsintensiven Veranstaltungen wurden vergangenes Jahr jedoch abgesagt.

Ausgefallen ist ebenfalls das Freundschaftsfest zwischen Nierstein und Trebur, das im Mai 2020 zum dritten Mal tausende Menschen an den Rhein gelockt hätte. Finanzielle Auswirkungen hätten die ausgefallenen Weinfeste nicht, sagt Geschäftsführerin Dries. Die verlängerten Fahrzeiten seien ein Entgegenkommen seitens des Unternehmens. Die Einnahmen deckten lediglich Ausgaben. "Wir machen dabei Werbung in eigener Sache", sagt Cornelia Dries. Manch einer habe sich bei einem der Rhein-Feste von der Fähre als Verkehrsmittel überzeugen lassen.

Wenn auch Corona den Binnenschiffern einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, so meint es der Wettergott jedenfalls gut mit ihnen. "Wassertechnisch geht es uns sehr gut", sagt Richard Dries. Der stetige Niederschlag hat den Rheinpegel in den vergangenen Tagen ansteigen lassen. Bei Hochwasser müssten die Fährleute jedoch vermehrt auf Treibgut wie Stämme und größere Äste achten, die die Schiffsschrauben beschädigen könnten.

Fahrrinne freigeschaufelt

Größere Sorgen bereitet den Binnenschiffern eher das Niedrigwasser auf dem Rhein, das besonders im Sommer 2018 den Fährbetrieb am Kornsand beinahe lahmgelegt hätte, wie sich Cornelia Dries erinnert. Während die Rheinfähre Ingelheim ihren Betrieb zeitweise einstellen musste, rollte in Nierstein und am Kornsand der Bagger an und grub die Fahrrinne frei, damit die Landskrone wieder genug Wasser unter dem Kiel hatte, erinnert sich Dries.

Damit der Fährbetrieb auch für Niedrigwasser in den zu erwartenden Hitzesommern gerüstet ist, möchte die Geschäftsführerin die keilförmigen Rampen an den Anlegestellen auf beiden Uferseiten um circa acht Meter verlängern lassen. Das Bauvorhaben sei genehmigt, die Planung gestalte sich hingegen schwierig. Denn während im Sommer die Rampen verlängert werden, müssen die Fahrgäste etwa vier Wochen lang an anderer Stelle übersetzen. Alternative Anlegestellen gebe es zwar, doch Naturschützer machten gegen das Vorhaben mobil. Sie geben zu bedenken, dass die Uferbereiche in den Sommermonaten wichtige Brutgebiete für Wasservögel sind. Geschäftsführerin Cornelia Dries hofft auf einen Kompromiss.

Dorothea Ittmann

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