Nach den Auszählungen am Sonntagabend haben in Trebur die meisten Wähler ihr Kreuz bei der Liste für die Freien Wähler gemacht. Foto: ralph Keim
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Nach den Auszählungen am Sonntagabend haben in Trebur die meisten Wähler ihr Kreuz bei der Liste für die Freien Wähler gemacht.

Kommunalwahl

Freien Wähler sind die großen Gewinner

Gruppierung könnte die 40-Prozent-Marke deutlich überschreiten

Eine Sensation zeichnet sich ab: Die Kommunalwahl 2021 dürfte für die Freien Wähler mit einem Erdrutschsieg enden. Nach einem ersten Trend, der sich mit der Auszählung der einfachen Partei-Stimmen abzeichnet, sollten die Freien Wähler die 40-Prozent-Marke deutlich knacken. Am Sonntagabend sind es bereits 45,3 Prozent, was eine satte Mehrheit von 14 Sitzen (zuletzt acht Sitze) bedeuten würde. Vor fünf Jahren, als die Freien Wähler erstmals in Trebur antraten, waren es 25,6 Prozent.

Zweitstärkste Fraktion wird wahrscheinlich die CDU. Doch die 19,58 Prozent beziehungsweise sechs Sitze (zuletzt neun Sitze) können die Union, die 2016 noch 28,2 Prozent verzeichnete, auf keinen Fall zufriedenstellen. Das gleiche gilt für die SPD, die mit 14,76 Prozent (23,1 Prozent vor fünf Jahren) ebenfalls einem regelrechten Absturz entgegenblickt und vielleicht mit fünf Sitzen (zuletzt sieben Sitze) vorlieb nehmen muss.

Zusätzlicher Sitz für die GLT

Unzufriedenheit auch bei der FDP: Die derzeit im Raum stehenden 4,64 Prozent würden gegenüber dem Ergebnis von 2016 mit 8,9 Prozent de facto eine Halbierung darstellen. Bei den Sitzen (zuletzt drei) würden die Liberalen - da wahrscheinlich nur ein Mandat - sogar den Fraktionsstatus verlieren.

Durchaus zufrieden kann die GLT sein: Die derzeit 15,72 Prozent gegenüber den 14,2 Prozent von vor fünf Jahren würden in der neuen Gemeindevertretung sogar einen Sitz mehr (zuletzt vier) nach sich ziehen.

Dementsprechend fallen die ersten Stellungnahmen der amtierenden Fraktionsvorsitzenden beziehungsweise der Spitzenkandidaten aus, die zunächst alle den Freien Wählern zu ihrem phänomenalen Wahlsieg gratulieren. "Das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt", zeigte sich Rüdiger Lukas (Freie Wähler) beinahe sprachlos, aber begeistert.

Da habe der Bürgermeister-Bonus über Amtsinhaber Jochen Engel (Freie Wähler) einen wesentlichen Anteil gehabt, weiß Lukas jetzt schon. "Wenngleich wir den Bürgermeister bewusst aus dem Wahlkampf herausgehalten haben." Auf jeden Fall ziehe das Ergebnis eine Riesenverantwortung nach sich. "Aber die haben wir ja gewollt."

Sonja Mars (GLT) wertet das vorläufige Ergebnis schon einmal eindeutig als einen Erfolg. Sie rechnet fest damit, dass sich das Trend-Ergebnis mit der am heutigen Montag anstehenden Auszählung der personalisierten Stimmzettel dank Kumulieren und Panaschieren für die GLT noch weiter verbessern werde. Dann könnte die GLT durchaus ihr Ziel mit zwei Sitzen mehr erreichen.

CDU unzufrieden mit dem Ergebnis

"Es gibt nichts zu beschönigen: Wir können nicht zufrieden sein", kommentierte Ralf Nordmann (CDU) das Ergebnis für seine Partei. "Es ist uns nicht gelungen, die Wähler zu erreichen", so Nordmanns erste Analyse, wenngleich auch er auf eine Ergebnisverbesserung über Kumulieren und Panaschieren hofft.

"Das ist wahrlich kein Wunschergebnis", so die erste Stellungnahme von Willi Rühl (SPD), der aber nicht von einem Debakel sprechen wollte. "Wir haben deutlich verloren, so aber auch die CDU und die FDP. "Wir müssen das schlechte Wahlergebnis annehmen, zumal es wohl so aussieht, dass wir für den Kreistag wesentlich mehr Stimmen geholt haben." Über persönliche Konsequenzen wollte Rühl am Wahlabend noch nichts sagen. "Wir sind auf keinen Fall zufrieden", lautete die erste Stellungnahme von Stephan Dehler (FDP). "Politisch haben wir viel mehr erreicht, was sich leider nicht im Ergebnis spiegelt." Von Ralph Keim

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