So weit das Auge reicht: Bei der Ernte ist Landwirt Hirsch aus Trebur auch in diesem Jahr auf ausländische Helfer angewiesen. FOto: Hirsch
+
So weit das Auge reicht: Bei der Ernte ist Landwirt Hirsch aus Trebur auch in diesem Jahr auf ausländische Helfer angewiesen.

Landwirtschaft

Früher Start in die Spargelsaison

  • Anna Grösch
    vonAnna Grösch
    schließen

Der Treburer Landwirt Hirsch ist auf das begehrte Stangengemüse spezialisiert. Der Anbau erfordert viel Zeit und Geduld. Jetzt darf endlich geerntet werden. Aber wie geht das in Corona-Zeiten?

Mehrmals in der Woche kommt bei Jörg Hirsch und seiner Familie Spargel auf den Tisch, wenn die Saison dafür ist. Verwunderlich ist das nicht, ist die Familie Hirsch doch einer der großen Spargelproduzenten in der Region. Besonders auf das Stangengemüse und Erdbeeren hat sich der Hof spezialisiert. Und trotzdem, nach all den Jahren kommt Landwirt Hirsch aus dem Schwärmen gar nicht heraus. "Von frischem Spargel kann ich nicht genug bekommen", sagt er.

Die Deutschen lieben ihren Spargel: So wie Jörg Hirsch geht es Vielen. Besonders im Frühling und Frühsommer ist das Gemüse bei den Deutschen beliebt. Doch im Gegensatz zu manch anderem Konsument weiß Hirsch auch, wie viel Arbeit es macht, bis das Kult-Gemüse auf dem Teller liegt. "Wir sind einer der wenigen Betriebe, die Spargelpflanzen heranziehen." Fünf Jahre dauere es, vom ersten Saatkorn, bis zur vollen Ernte. Eine Pflanze bringe ungefähr ein halbes Kilo Spargelstangen hervor.

Ernte endet immer im Juni

In ihrer Wachstumsphase müssen die Pflanzen gehegt und gepflegt werden. Ihre Energie lagert die Pflanze in Form von Kohlenhydraten in der Speicherwurzel ein.

Auch müsse man sich keine Sorgen wegen des wechselhaften Aprilwetters machen, bei dem es im Kreis an manchen Tagen sogar geschneit oder gehagelt hat, wie Spargelexperte Hirsch sagt. "Gerade ist der Spargel noch komplett im Boden unter Erdwällen. Da kann es Bauklötze hageln, das macht den Pflanzen nichts." Zu Ende sei die Ernte immer spätestens am 24. Juni, das Bestreben sei, Anfang April zu beginnen. Empfehlenswert für den Endverbraucher sei, ab Anfang April Spargel einzukaufen.

Dann beginne die heimische Ernte und die Käufer könnten auf regionale Produkte zurückgreifen. "Ich finde es gut, dass die meisten sich auf eine Saison beschränken und habe das Gefühl, der Kunde achtet auch mehr darauf, was und wann er es kauft." Diese Einstellung wünsche er sich auch bei anderen Lebensmitteln, zum Beispiel bei Beeren, die außerhalb der Saison aus dem Ausland importiert werden müssen.

Der erste Spargel wurde auf dem Hof von Hirsch in diesem Jahr am 25. März gestochen, bislang läuft die Ernte gut. "Wir hatten schon schön warme Tage und die Erntemenge hat sich schnell nach oben entwickelt. Wir waren so früh noch gar nicht mit genug Personal besetzt und hatten die ersten Tage sogar Mühe, hinterher zu kommen."

Sein Personal komme größtenteils aus Polen und Rumänien. Nachdem im vergangenen Jahr wegen der Pandemie nicht klar war, ob Arbeiter aus dem Ausland einreisen können, ist Hirsch froh, dass er wieder auf seine Stammkräfte zurückgreifen kann. "Im letzten Jahr hatten wir wirklich eine Ausnahmesituation, manche hatten auch Angst." Die Pandemie-Situation war noch neu und unklar, einer seiner Arbeiter sagte am Telefon, wenn er sterben müsse, dann lieber Zuhause in Rumänien.

"Wir sind auf die osteuropäischen Helfer angewiesen", sagt Hirsch. "Das hat gerade die Erfahrung im vergangenen Jahr gezeigt."

Gute Erntehelfer sind gesucht

Viele Leute hätten damals der Landwirtschaft helfen wollen, aber "was dahintersteckt, wollte so gut wie niemand machen." Die Erntearbeit sei sehr fordernd, man müssen viel Durchhaltevermögen zeigen. "Man holt sich ja auch nicht einfach irgendjemand. Ein gewisses Know-how brauchen die Leute." In diesem Jahr sei es wieder einfacher, an gute Leute zu kommen. "Viele sind in diesem Jahr wieder gekommen."

Die Arbeiter müssen bei Einreise einen negativen Coronatest vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Zudem müssen sie sich vor Grenzübertritt anmelden. Jeder Arbeiter werde außerdem beim Gesundheitsamt gemeldet. Im Betrieb angekommen, startet eine zehntägige Arbeitsquarantäne. Während dieser Zeit dürfen die Erntehelfer bereits mit ihrer Arbeit beginnen, müssen aber isoliert von den anderen bleiben. Auf dem Spargel- und Erdbeerhof Hirsch gibt es immerhin genug Räumlichkeiten, auf die die Arbeiter sich verteilen können. Jörg Hirsch sagt, er hat Wohncontainer gemietet, damit die Menschen Abstand zueinander einhalten können.

Der Markt ist hart umkämpft

Das Gemüse vom Spargelhof Hirsch kann man dann in der Saison erntefrisch kaufen. Entweder im eigenen Hofladen oder auf dem Wochenmarkt, im regionalen Handel oder über Genossenschaften. "Die Leute wissen gar nicht, wie komplex es ist, Lebensmittel herzustellen." Lebensmittelproduktion sei das demokratischste der Welt. "Die Leute stimmen an der Kasse darüber ab, was erzeugt wird."

Ware, die bereits vor dem hiesigen Erntebeginn in den Geschäften liege, komme oft aus dem Ausland. Aber auch hierzulande ist der Spargelmarkt hart umkämpft. Hirsch erzählt die Anekdote eines Landwirts aus Bayern, der mit ungewöhnlichen Mitteln kämpft. "Die haben eine Art Fußbodenheizung im Feld unter dem Spargel. Eine warme Leitung wurde untergelegt, damit es wärmer ist und der Spargel schneller wächst." Bei wem nach dem Spargel-Essen etwas übrig bleibt, für den hat der Landwirt auch noch einen Tipp: "Das restliche Gemüse kann man zu einem Salat verarbeiten." Anna Grösch

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare