Die Autos sind ordnungsgemäß geparkt. Dennoch wird es an dieser Stelle an der Hauptstraße für Rollstuhlfahrer eng.
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Die Autos sind ordnungsgemäß geparkt. Dennoch wird es an dieser Stelle an der Hauptstraße für Rollstuhlfahrer eng.

Verkehr

Für Rollstuhlfahrer wird es hier eng

Der VdK erkundet die Barrierefreiheit in den Straßen der Gemeinde

Der VdK Astheim-Trebur unter dem Vorsitz von Christiane Böhm erkundete am Samstag die Kerngemeinde mit Blick auf die Barrierefreiheit. Dabei zeigte sich schnell, dass nicht nur zu hohe Bordsteine oder zu tiefe Rinnen Menschen mit Rollatoren, Rollstühlen oder Chopper vor Herausforderungen stellt.

Wenn Hannelore Kroebsch die im Alten Rathaus der Kerngemeinde untergebrachte Bücherei besuchen möchte, fährt sie mit ihrem elektrisch angetriebenen Chopper vor, greift zu ihrem Gehstock und geht vorsichtig in das Gebäude. Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist, muss hoffen, dass das Personal der Bücherei behilflich ist. "Die Mitarbeiter sind dahingehend jedoch sensibilisiert", bekräftigte Bürgermeister Jochen Engel (Freie Wähler), der ebenfalls an dem Rundgang teilnahm.

Unangenehmes Kopfsteinpflaster

Worauf der Bürger, der beim Gehen auf keinerlei Hilfsmittel angewiesen ist, wohl ebenfalls kaum achtet: Das Kopfsteinpflaster des kleinen Platzes rund um das Alte Rathaus mag optisch zwar zu dem denkmalgeschützten Gebäude passen: Rollstuhl- und Chopperfahrer werden auch bei geringem Tempo durchgeschüttelt und durchgerüttelt. "Das spürt man in jedem Knochen", weiß Hannelore Kroebsch.

Im 1979 gebauten Rathaus in der Herrngasse sehe es in puncto Barrierefreiheit durchaus zufriedenstellend aus, erläuterte Bürgermeister Engel auf Nachfrage der VdK-Vorsitzenden Christiane Böhm. Es gebe einen barrierefreien Zugang und im Gebäude einen Aufzug. Und der bringe Besucher mit Handicap auch in den Keller. Dort sei nämlich eine Behinderten-Toilette zu finden.

Ebenfalls auf Nachfrage von Christiane Böhm bestätigte Engel, dass es an der Hauptstraße einen Behindertenparkplatz gibt. Einen weiteren Behindertenparkplatz auf der anderen Straßenseite auszuweisen, sei zu überprüfen. Allerdings habe ein Behindertenparkplatz eine Mindestgröße, was die Angelegenheit problematisch machen könnte, wies Engel hin.

Rollstuhlfahrer machen gerne auch auf die Notwendigkeit von abgesenkten Bordsteinen zumindest an Straßenecken aufmerksam. In Trebur wird eine solche Barrierefreiheit allerdings mitunter konterkariert: Denn genau an der Stelle - gegenüber einer Bäckerei - ist ein Parkplatz ausgewiesen. Steht hier ein Auto, ist auch der abgesenkte Bordstein blockiert.

"Würden wir den Parkplatz hier wegnehmen, müssten wir ihn an anderer Stelle neu ausweisen", stellte Bürgermeister Engel klar. Wegen der zeitweise hohen Kundenfrequenz der nahe gelegenen Bäckerei habe der Parkplatz außerdem seine Berechtigung.

Blumenkübel versperren den Weg

Dass auch ordnungsgemäß geparkte Autos mit dazu beitragen, dass Rollstuhl- und Chopperfahrer Probleme bekommen, zeigte sich während des Rundgangs an mehreren Stellen entlang der Hauptstraße. Wenn nämlich zwischen Auto und Hausfassade Blumenkübel oder eine Werbetafel für ein Geschäft stehen, wird es mitunter eng.

"Ich habe unterwegs solche Stellen fotografiert", kündigte Bürgermeister Engel an, sich um solche Problemstellen schnell zu kümmern. Kaum lösbar sei das Problem der ebenfalls vielerorts geparkten Transporter einschlägiger Paketdienste. Die großen Fahrzeuge nehmen nicht nur Platz, sondern auch die Sicht weg. Gespräche mit den Fahrern seien aber unter anderem an der Sprachbarriere gescheitert. Rüdiger Koslowski

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