Gärtnern macht sie glücklich: Sandra Wolf in ihrem üppigen Indianerbeet. Fotos: Maraike Stich
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Gärtnern macht sie glücklich: Sandra Wolf in ihrem üppigen Indianerbeet. Fotos: Maraike Stich

Naturschutz

Ein Garten mit Lebensraum für alle

Sandra Wolf liebt die Gartenarbeit. Dabei orientiert sie sich an den Prinzipien der Permakultur, einer naturnahen Anbaumethode.

Trebur -Hier grünt und blüht es auf jedem Quadratzentimeter. Der Garten der Familie Wolf erstreckt sich über drei Seiten um einen schlichten 70er-Jahre-Bungalow. Je länger man sich umschaut, desto mehr entdeckt man. Hier die Tomaten, die schon anfangen rot zu werden, dort eine Hummel, die auf der Blüte einer wilden Karde Nektar sammelt, dahinter ein üppiges Kräuterbeet.

"Meine Oma hatte noch einen richtigen Selbstversorger-Garten, da hatte ich mein eigenes Beet, das war toll", erzählt Sandra Wolf, die jetzt in Trebur ihre Ideen vom nachhaltigen Gärtnern verwirklicht. Dabei orientiert sie sich an den Prinzipien der Permakultur. "Die Kräuterspirale ist das Standardbeispiel für die Permakultur", erklärt Wolf. Die ansteigende Form des Beetes ermöglicht es, Pflanzen mit unterschiedlichem Wasserbedarf auf engem Raum nebeneinander zu pflanzen. Oben setzt man Rosmarin, Salbei und Thymian, die wenig Wasser brauchen, weiter unten Petersilie und Schnittlauch, denn dort trocknet der Boden nicht so schnell aus.

"Bei mir ist es keine Spirale, sondern ein Abhang", sagt Wolf. Und genau darum gehe es, die Gegebenheiten vor Ort zu berücksichtigen. Das schräge Beet um die Terrasse des Hauses sei nämlich schon da gewesen. Die Permakultur mache keine sklavischen Vorgaben. Es gehe darum, den Boden nachhaltig zu bewirtschaften und das Bodenleben zu fördern, so dass man ohne Chemie arbeiten kann, erklärt die studierte Mathematikerin. So verhindere man ein Auslaugen des Bodens.

Im hinteren Teil des Gartens findet sich ein sogenanntes Indianerbeet. Klassischerweise wachsen dort Mais, Kürbis und Bohnen, bei Wolf sind es Mais, Erbsen und Zucchini. Diese Pflanzen begünstigen sich gegenseitig, der Mais bietet Windschutz und Rankhilfe, die Erbsen reichern den Boden mit Stickstoff an, die Zucchini, mit ihren großen Blättern, schützt den Boden vor dem Austrocknen.

Dahinter haben die Wolfs einen Zaun aus Heidekraut angelegt. Der bietet Unterschlupf für viele Insekten. "Da sitzen dann die Vögel drauf und freuen sich", sagt die Gärtnerin lachend. Direkt daneben findet sich das Reich der Hühner der Familie. Hier leben Trude, Georgina und Scheui. Wolf pflückt ein paar Löwenzahnblätter, begeistert kommt Trude angerannt - "sie ist die Chefin hier". Auch der Hühnermist landet auf dem Kompost. Drei Komposthaufen gibt es auf dem Gelände. "Wir fahren nichts weg, alles wird kompostiert."

Der viele Grünschnitt, der im Herbst wegen der hohen Hecken zur Straße hin anfällt, wird gehäckselt und zuunterst in die Hochbeete gelegt. Die Wiese hinter dem Haus wird nur selten gemäht. Und wenn, dann trocknet Wolf das Mähgut in der Einfahrt, um es als Einstreu für die Hühner zu nutzen.

Auf der Wiese befindet sich der Spielbereich der Kinder mit Trampolin und Planschbecken. "Das traurigste Bild sind für mich Kinder in Schottergärten, da gibt es nichts zu erfahren, anzufassen, zu schmecken und zu riechen", findet die Mutter zweier Söhne. Florian (9) und Simon (5) seien begeistert von den vielen Insekten, Vögeln und Kröten, die hier ein Zuhause gefunden haben. Einen wichtigen Beitrag zu dem kleinen Paradies mitten im Wohngebiet leistet Vater Patrick Wolf. Er hat die Hochbeete und Rankhilfen für die Bohnen gebaut, die Tropfbewässerung für die Tomaten installiert und unterstützt seine Frau so gut er kann.

Teich für Kröten und Libellen

Sowie der Jüngere sein Seepferdchen hat, soll der Garten noch einen kleinen Teich bekommen. Wasser sei ein wichtiges Element im Garten, sagt Wolf. Der Teich und ein Sumpfbeet sollen noch bessere Lebensbedingungen für Libellen und Kröten bieten.

Totholzstapel, Wildsträucher und Steinhaufen werden hier genauso wichtig erachtet wie fruchtbringende Pflanzen. Ein Besucher allerdings ist im Wolf'sche Garten nicht gerngesehen - die Schnecke. "Dieses Jahr ist es ganz schlimm", sagt Sandra Wolf seufzend. Doch statt Gift zu streuen oder Fallen auszulegen, werden die Tiere von Hand eingesammelt. Bei anderen Störenfrieden rät die Gärtnerin zur Geduld. "Blattläuse muss man auch mal aushalten können, irgendwann kommen die Marienkäfer und fressen die", sei ihre Erfahrung. "Das pendelt sich alles ein, das ist nur eine Frage der Zeit."

Stress sei das Gärtnern für sie ganz und gar nicht. Es gebe auch Tage, an denen sie nichts im Garten macht. "Für mich ist das Hobby und Erholung", sagt sie mit einem Lächeln. Maraike Stich

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