Edwin Becker (stehend) von der Bürgerinitiative gegen Kiesabbau zeigt, über welches Areal sich der von Dyckerhoff geplante Kiesabbau erstreckt.
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Edwin Becker (stehend) von der Bürgerinitiative gegen Kiesabbau zeigt, über welches Areal sich der von Dyckerhoff geplante Kiesabbau erstreckt.

Umwelt und Natur

Im schlimmsten Fall droht Hochwasser

Landratskandidat Thies Puttnins-von Trotha informiert sich in Trebur über die geplante Auskiesung von Dyckerhoff.

Hessenau -Es ist ein düsteres Bild, das Edwin Becker von der Bürgerinitiative gegen Kiesabbau (BIK) zeichnet. "Wenn Dyckerhoff mit der Auskiesung beginnt, geb' ich dem Badesee Vogel höchstens noch fünf Jahre", lautet seine ernüchternde Prognose. Denn in direkter Nachbarschaft will das Unternehmen ein neues Areal zur Auskiesung erschließen. Und das hat Folgen - nicht nur für den Badesee.

Um darüber zu informieren, welche Dimensionen das geplante Vorhaben einnimmt, hat die CDU Trebur gemeinsam mit dem CDU-Landratskandidaten Thies Puttnins-von Trotha und der BIK zu einem Ortstermin eingeladen. Dabei wurde die für die Auskiesung geplante Fläche mit einem Traktor und einem Anhänger, auf dem rund 20 Teilnehmer Platz fanden, umfahren.

"So hohe Wälle können die gar nicht bauen", kommt Becker auf die Folgen für den Badesee zurück. Flugsand, Lärm und deutlich mehr Verkehr seien in Zukunft zu erwarten. Und all dies mache nicht plötzlich vor den Toren Treburs halt, sondern betreffe die komplette Großgemeinde.

Sorge bereite der BIK vor allem die Nähe zum Damm. Nur wenige Meter davon entfernt würde in Zukunft das Ufer des Baggersees verlaufen. Bei Hochwasser könnte dann durch den erhöhten Druck und die Grundwasserströmung der Damm unterspült werden und schließlich brechen. Entsprechende Gutachten lägen zwar vor, seien aber veraltet und würden dementsprechend nicht berücksichtigt. "Aber wer haftet für die Hochwasserschäden?", wollte eine Teilnehmerin wissen. "Niemand, da Geinsheim im Vorranggebiet Hochwasserschutz liegt", lautete die Antwort von Jürgen Roos, CDU-Mitglied und in der BIK aktiv. Denn wenn der Deich geöffnet würde, stünde Geinsheim ohnehin unter Wasser.

Landwirte verlieren Lebensgrundlage

Früher war das für die Auskiesung vorgesehene Areal ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet, informiert Roos weiter. Doch das wurde aufgehoben, wohl um den Baggersee leichter genehmigen zu können, vermutet er. Doch immerhin: Durch die Auskiesung fielen fünf Millionen Ökopunkte an Guthaben an, da Wasserfläche wertvoller als Landfläche sei. Für die in ihrem Bestand gefährdete Knoblauchkröte, den Kiebitz, die Grauammer und das Rebhuhn, die dort ihren Lebensraum verlieren, allerdings nur ein schwacher Trost.

Landwirt Roland Kraft, der den Traktor an diesem Sonntagvormittag lenkte, macht unterdessen auf ein weiteres Problem aufmerksam. "Die Weltbevölkerung kann jetzt schon nicht mehr ernährt werden. Wir brauchen daher jede Fläche, die wir zur Bewirtschaftung bekommen können." Natürlich verspreche Dyckerhoff den Landwirten, die durch die Auskiesung ihre Äcker verlieren, Ausgleichsflächen, laut Kraft sogar die doppelte oder dreifache Menge. Doch alle in Trebur verfügbaren Flächen seien bereits vergeben und würden von anderen Landwirten bestellt. "Die Leute werden verarscht", findet Reinhard Exner, der für die CDU Trebur im Gemeindevorstand sitzt, deutliche Worte. "Anderen die Fläche wegnehmen, das ist für mich kein Ausgleich."

BIK will Schaden begrenzen

Mit dem aktuell von Dyckerhoff geplanten Vorhaben sei das Ende des Kiesabbaus in der Großgemeinde aber noch längst nicht erreicht, so Becker. Die Kiesbaggerei Seemann habe ebenfalls angekündigt, weitere Flächen auskiesen zu wollen. Und dass sich Dyckerhoff an die vereinbarte Fördermenge von 450 000 Tonnen pro Jahr bei einer Laufzeit von 53 Jahren halte, hält Becker ebenfalls für fraglich. Davon sollen 250 000 Tonnen mit dem Lkw und 200 000 Tonnen mit dem Schiff abtransportiert werden.

Der BIK sei bewusst, dass sie den geplanten Kiesabbau nicht verhindern könne. Vielmehr gehe es ihr um Schadensbegrenzung. Das beinhalte unter anderem die Umsetzung der geplanten Umgehungsstraße, um den anfallenden Schwerlastverkehr aus den Orten zu halten. Zugleich fordert die Initiative keinen Kiesabbau ohne Wiederverfüllung. So könnten die verfüllten Flächen zukünftig wieder genutzt werden, zum Beispiel, um dort Photovoltaikanlagen aufzustellen.

Puttnins-von Trotha versprach abschließend, dass er, sollte er zum Landrat gewählt werden, die drängendsten Fragen zum Hochwasserschutz, Naturschutz, Lärmschutz und Verkehrsaufkommen im Dialog mit den Anwohnern und Betreibern besprechen werde.

Johanna Thaben

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