"Noch nie war die Gefahr, in Südhessen Opfer einer Straftat zu werden, so gering", ist die Polizei in Südhessen mit der Kriminalstatistik 2020 sehr zufrieden. Aber nicht überall werden weniger Delikte verübt. Im Kreis Groß-Gerau wurden im vergangenen Jahr 65 Fälle mehr gezählt als 2019. Foto: Volker Hammermeister/Fotolia
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"Noch nie war die Gefahr, in Südhessen Opfer einer Straftat zu werden, so gering", ist die Polizei in Südhessen mit der Kriminalstatistik 2020 sehr zufrieden. Aber nicht überall werden weniger Delikte verübt. Im Kreis Groß-Gerau wurden im vergangenen Jahr 65 Fälle mehr gezählt als 2019.

Statistik

Jugendkriminalität steigt

  • Dorothea Ittmann
    vonDorothea Ittmann
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Die Polizei-Bilanz zeigt: Trotz Corona-Pandemie gibt es auch mehr Wohnungseinbrüche.

Weniger Straftaten, eine höhere Aufklärungsquote: Das ist das positive Ergebnis der Auswertung der Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Südhessen 2020. "Besonders freut es mich, dass wir die Anzahl der Wohnungseinbrüche seit 2016 halbieren konnten", sagte Polizeipräsident Bernhard Lammel jüngst bei der Präsentation der Ergebnisse. Ein Teil des deutlichen Rückgangs der Fallzahlen sei der Corona-Pandemie zuzuschreiben. Denn Wohnungen und Häuser waren aufgrund von Lockdown, Homeoffice und Urlaub zu Hause nahezu immer bewohnt und durch Grenzkontrollen oder auch zeitweise Schließungen blieben ausländische reisende Tätergruppierungen aus.

Auf den Kreis Groß-Gerau lässt sich das südhessische Ergebnis nicht eins zu eins übertragen. Zwar sind auch hier die Fallzahlen in den vergangenen fünf Jahren stetig gesunken, und die Aufklärung der Straftaten ist um 0,6 Prozentpunkte auf 66,6 Prozent gestiegen. Doch erlebt der Kreis im Vergleich zu 2019 erneut einen leichten Anstieg der Delikte um 65 (+0,6 %) auf insgesamt 10 843 Fälle.

Greift man die Gemeinde Trebur heraus, zeigt sich eine Zunahme um 16 Straftaten auf 275 im Jahr 2020. Die Aufklärungsquote ist in der Großgemeinde minimal um 0,3 Prozentpunkte auf 60,7 Prozent gesunken. Dass Trebur kein typisches Fallbeispiel ist, sieht man zudem an der steigenden Anzahl von Wohnungseinbrüchen (+3). Aufgeklärt wurde keiner der 15 gemeldeten Einbrüche. Dafür sind die Fälle von einfachem und schwerem Diebstahl weiter gesunken (-9). Dennoch dürften die Einbrüche in vier Gartenhütten auf einem Kleingartengelände bei Geinsheim im Dezember 2020 in Erinnerung geblieben sein. Kurze Zeit später verschafften sich Täter Zugang zu mehreren Wohnwagen auf einem Campingplatz am Badesee.

36 Delikte mit Rauschgift gezählt

Delikte wie Raub und räuberische Erpressung gab es im vergangenen Jahr keine. In 23 Fällen verzeichnet die Polizei dagegen Straftaten, die mit Körperverletzung einhergehen - zwei mehr als 2019. Zugenommen haben wie andernorts auch die Rauschgiftdelikte von 20 auf 36 Fälle. Ähnlich verhält es sich mit der Entwicklung der Jugendkriminalität, die alle Straftaten von Tatverdächtigen im Alter von 14 bis einschließlich 20 Jahren umfasst. Hierbei sind die Delikte von 35 auf 51 gestiegen. Genaue Angaben zu der Art der Straftaten macht die Polizeidirektion Groß-Gerau keine.

In Sachen Straßenkriminalität sind die Delikte von 53 auf 41 gesunken. Der Begriff umfasst eine Vielzahl an Straftaten, von Diebstahl über sexuelle Belästigung bis hin zu Sachbeschädigung auf Straßen, Wegen oder Plätzen. Beispielhaft für Trebur sind mehrere Fälle, in denen Unbekannte im März und April wiederholt Nagelschellen unter die Reifen von Autos gelegt hatten. Im November meldete die Polizei zwei brennende Autos, die auf Parkplätzen in der Jahnstraße abgestellte worden waren. Sie wurden wahrscheinlich mit selbst gebastelten Brandtöpfen angesteckt. Die Aufklärungsquote ist sowohl bei Straßenkriminalität als auch Diebstahlsdelikten niedrig. In Trebur liegt ersteres bei einer Quote von 9,8 Prozent, Diebstahl bei 16,9 Prozent.

Verlagerung der Straftaten

"Die Corona-Pandemie hat nicht zwangsläufig zu einem Rückgang der Straftaten geführt, sondern vielmehr zu einer Deliktsverlagerung", relativiert Polizeipräsident Lammel die anfängliche Interpretation der Erhebung. Besorgt zeigt er sich über die Zunahme der Rohheitsdelikte. Darunter sind Raubstraftaten, Körperverletzungsdelikte sowie Straftaten gegen die persönliche Freiheit zu verstehen. Im Kreis Groß-Gerau sind diese von 14,8 Prozent im Jahr 2019 auf 17 Prozent im Jahr 2020 gestiegen. Durch die Corona-Pandemie seien zudem mehr Fälle von häuslicher Gewalt angezeigt worden. Leicht zugenommen haben ebenfalls Delikte in Verbindung mit Sachbeschädigung um 1,2 Prozentpunkte.

Trickbetrüger machen der Polizei weiterhin zu schaffen. Im Verhältnis zu der Vielzahl der von Betrügern getätigten Anrufen, seien die Fallzahlen, bei denen tatsächlich Geld oder Wertgegenstände übergeben wurden, überschaubar. Die meisten Angerufenen durchschauten die Masche rechtzeitig, berichtet die Polizei Südhessen. dit

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