Marisol Gomez Gutierrez (rechts) impft Almira Haskic, Mitarbeiterin des Seniorenwohnheims.
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Marisol Gomez Gutierrez (rechts) impft Almira Haskic, Mitarbeiterin des Seniorenwohnheims.

Gesundheit

Corona-Impfungen im Seniorenheim: Alles musste sehr schnell gehen

  • vonDr. Daniela Hamann
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In einem Seniorenheim im Kreis Groß-Gerau haben Bewohner und Mitarbeiter nach einer kurzen Phase der Vorbereitung ihre erste Impfung gegen Corona erhalten.

Trebur - Geschäftiges Treiben erfüllt den Speisesaal des Treburer Seniorenwohnheims am Sonntagvormittag. Mehrere Tische sind an verschiedenen Stellen im Raum zusammengeschoben worden. Zentral ist der Tisch mit dem mobilen Impfteam des Kreises Groß-Gerau positioniert, das an dem Tag zu Besuch ist. Assistenzärztin Lisa Nauth, Medizinisch-Technische-Fachangestellte Marisol Gomez Gutierrez und Harald Zehnder, für die Administration des Impfvorgangs zuständig, bilden das Team.

Lisa Nauth ist eigentlich als Assistenzärztin in der Anästhesiologie des GPR-Klinikums beschäftigt. Für das Impfteam hat sie sich freiwillig gemeldet und opfert gerade "sehr gerne", wie sie sagt, ihren Urlaub dafür, dass die ersten Menschen gegen das Coronavirus immunisiert werden. Seit dem ersten Tag der Impfkampagne - dem 27. Dezember - ist Nauth im Einsatz. "Für mich ist das eine gute und wichtige Sache. Ich möchte, dass meine Kinder in Zukunft wieder unbeschwert spielen und dass sich die Menschen wieder sorgenfrei treffen und umarmen können", so Nauth.

Kreis Groß-Gerau: Freiwillige Helfer unterstützen bei Impfungen im Seniorenheim Trebur

Viele ihrer Kollegen hätten sich für die mobilen Impfteams gemeldet und unterstützten die Initiative in ihrem Urlaub. Hin und wieder würden bereits pensionierte Ärzte gefragt, ob sie bei den Impfungen helfen könnten, so die Medizinerin weiter. Während Lisa Nauth und Marisol Gomez Gutierrez im medizinischen Bereich hauptberuflich tätig sind, ist Harald Zehnder eigentlich Koch und, wie er lachend bemerkt, im Impfteam "das Mädchen für alles". "Als der Aufruf kam, sich für eine Tätigkeit im Impfzentrum zu melden, war für mich gleich klar, dass ich mich bewerbe", sagt Zehnder. Besonders hilfreich sei, dass er den Führerschein in allen Klassen habe.

Entspannt sitzt das Impfteam am Sonntag im Seniorenwohnheim an seinem Tisch. Zuvor haben sie den Impfstoff in einem Kühlgefäß in die Einrichtung transportiert. Die restlichen Impfdosen, die dem Kreis aktuell zur Verfügung stünden, seien sicher und gut bewacht im Impfzentrum verstaut. Lisa Nauth klärt nach und nach jeden Patienten über die Immunisierung auf, fragt aktuelle Erkrankungen ab und zählt die möglichen Nebenwirkungen auf.

Impfungen in Trebur im Kreis Groß-Gerau: Alles musste sehr schnell gehen

Alexandra Krug, Mitarbeiterin im Pflegedienst der Residenz, hat die Impfungen maßgeblich mitorganisiert. Dafür hätten die Mitarbeiter nur drei Tage Zeit gehabt, sagt sie. "Am Donnerstag haben wir erfahren, dass das Impfteam am Sonntag zu uns kommt. Ab da hieß es, dass wir von jedem Bewohner die Einverständniserklärung einholen mussten." Teilweise mussten dabei die gesetzlichen Vormunde oder nahen Verwandten für Bewohner entscheiden. Der Prozess sei zeitintensiv und aufwendig gewesen, gibt Krug zu. Nur ein Bewohner habe sein Einverständnis kurzfristig wieder zurückgezogen. Für alle anderen Bewohner - der älteste ist 97 Jahre - und alle Mitarbeiter stand es außer Frage, sich impfen zu lassen. Zwei Stunden haben die Organisatoren für die Impfungen der Bewohner angesetzt. Tatsächlich sind sie bereits wesentlich früher fertig. So werden als Nächstes alle Mitarbeiter und auch der Inhaber des Seniorenwohnheims, Michael Adrian, geimpft. Insgesamt sind dies 103 Menschen.

"Am 24. Januar - in genau drei Wochen - werden alle die zweite Dosis erhalten", informiert Lisa Nauth. Obwohl gerade öffentlich auch eine Verschiebung der Gabe der zweiten Impfdosis diskutiert werde, sei das aktuell noch so geplant. Auch Nauth werde sich in Kürze gegen das Coronavirus impfen lassen. "Die Impfung wird in der Klinik stattfinden, in der ich arbeite", sagt sie. Für die Ärztin sei dies eine Selbstverständlichkeit. (Daniela Hamann)

In einem anderen Altenheim in Frankfurt sollen Corona-Impfungen verlost werden. Das Vorgehen sorgt für harsche Kritik in sozialen Netzwerken.

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