Nitrat im Grundwasser

Landwirte wehren sich gegen Vorwürfe

  • schließen

Zu hohe Nitratwerte im Grundwasser werden oft den Landwirten zugeschrieben. Zwei Bauern wehren sich gegen diese Pauschalbeschuldigungen.

Die Landwirte Wolfgang Dörr aus Trebur und Karlheinz Luley aus Büttelborn beschäftigt ein Thema gerade besonders – die hohen Nitratwerte im Grundwasser. Von vielen Seiten werde der Berufsstand der Landwirte dafür verantwortlich gemacht, berichten sie. Denn hohe Nitratwerte würden vor allem mit der ackerbaulichen Nutzung in Zusammenhang gebracht werden.

Durch Fermentierung und Stickstoff-Düngergaben gelange das Nitrat über den Boden in das Grundwasser. Dörr sieht jedoch nicht die Landwirtschaft als alleinigen Verursacher und macht deutlich: „Solche pauschalen Verurteilungen sind schlimm und gehen uns unter die Haut.“

Regelmäßig testet das hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie das Grund- und Rohrwasser mit dem Ergebnis, dass an den getesteten Brunnen erhöhte Nitratwerte gemessen werden. Die Werte auf Treburer Gemarkung entlang des Rheins sowie in Büttelborn und im gesamten Ried seien jedoch bis auf wenige Ausnahmen in Ordnung, so Dörr. Für die erhöhten Messwerte des Landesamts – besonders in Ortslagen – könne es viele Gründe geben. Die Landwirtschaft sei nicht alleiniger Verursacher, betont Dörr.

Zwar könne es bei intensiver Viehhaltung und unsachgemäßer Düngung zu einer erhöhten Nitratbelastung im Grundwasser kommen, das sei in dieser Region jedoch kaum zu finden.

Die Höfe von Dörr und Luley selbst haben eine lange Geschichte. Beide sind Familienbetriebe, angepflanzt werden hauptsächlich Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln und Zwiebeln. Dörr vermarktet seine Produkte direkt auf Wochenmärkten, Luley über eine Genossenschaft. Auch sie müssen sich bei der Bewirtschaftung ihrer Höfe an die gesetzlichen Auflagen halten. Sie sind demnach auch verpflichtet, sich beim Düngen ihrer Felder an bestimmte Vorschriften zu halten, damit das Grundwasser nicht durch Nitrat verunreinigt wird. Bei Nichteinhaltung drohen ihnen Strafen oder die Streichung von Fördermitteln.

„Wir düngen nur das, was die Pflanzen selbst aufnehmen können“, sagt Dörr. Mit Tabellen, wissenschaftlichen Techniken und mit Hilfe von Dauerversuchsflächen, von denen regelmäßig Bodenproben gezogen werden, werde der Nährstoffbedarf der jeweiligen Pflanzenkultur möglichst genau ermittelt. Am Ende des Jahres müsse der Betrieb in einer Düngebilanzierung die landwirtschaftliche Nutzfläche erfassen, auf der stickstoffhaltige Düngemittel ausgebracht wurden, um Kontrollen standzuhalten. Dörr selbst könne ganze 35 Jahre Bodenanalysen von seinem Hof nachweisen.

Beide Landwirte lassen zudem regelmäßig von ausgewiesenen Instituten Proben aus den Brunnen ihres Hofs untersuchen. „Diese Brunnen versorgen den ganzen Betrieb, und es ist zertifiziert, dass die Messwerte alle unter dem Grenzwert liegen“, betont Dörr. Er legt ein entsprechendes Dokument vor, welches zeigt, dass die Proben aus dem eigenen Hauswasserbrunnen einen Nitratgehalt von lediglich 1,9 mg/l aufweisen – weit unter dem Höchstwert von 50 mg/l.

Um den Betrieb zu organisieren, verbringen die beiden Landwirte mehr Zeit am Schreibtisch im Büro, als auf den Sitzen ihrer Traktoren, um über ihre Felder zu fahren. „Die

Dokumentationspflicht

ist immens, nicht nur beim Thema Düngen“, weiß Dörr.

Diese Arbeit solle anerkannt und nicht durch Pauschalverurteilungen zunichte gemacht werden, setzen sich die beiden Landwirte für den Ruf ihrer Kollegen ein. Sie wollen helfen, die Ursache der hohen Nitratbelastung im Umkreis festzustellen. Dazu haben sich Dörr und Luley die Brunnen in den Bereichen Trebur und Büttelborn angeschaut. Eine der Messstellen liege nahe eines Entwässerungsgrabens hinter dem Treburer Klärwerk. Dörr vermutet an dieser Stelle Verunreinigungen aus anderer Quelle als der Landwirtschaft, etwa aus einem undichten Kanal. „Deshalb fordern wir eine Ursachenforschung“, betont Dörr.

Dass dieses Thema nicht nur die zwei Bauern beschäftigt, sondern auch bei anderen Landwirten heftig diskutiert wird, weiß Dörr aufgrund seiner Tätigkeit als Sprecher des Regionalbauernverbands des Kreises Groß-Gerau.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare