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Stacheliges Vergnügen

Mitarbeiterin Anne Koszela päppelt Rathaus-Igel Maggie auf

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Igelmädchen Maggie hatte Glück im Unglück. Ein Rathausmitarbeiter fand das verletzte und unterernährte Tier. Mittlerweile ist die Igelin ganz schön auf Zack.

Maggie ist eine flinke Igelin. Kaum hat Anne Koszela sie unter einem Stück Baumrinde im Nagerkäfig hervorgeholt und auf ihren Schreibtisch gesetzt, flitzt das stachelige Energiebündel zwischen Tastatur und Computerbildschirm hindurch. Damit Maggie nicht von der Schreibtischkante stürzt, packt Koszela beherzt zu und hält die Igelin auf ihrem Schoß fest. Die Augen blitzen, die Nasenspitze zuckt, die Beinchen rudern einen kurzen Moment in der Luft – das sechs Wochen alte Igelmädchen macht einen quicklebendigen Eindruck.

Noch vor drei Wochen ging es Maggie gar nicht gut. Ein Rathaus-Mitarbeiter fand das Tier, wie es an der Treppe zum Fahrradkeller lag – regungslos und verletzt. „Sie war so erschöpft, dass sie sich nicht einmal mehr eingerollt hat“, erinnert sich die Rathausmitarbeiterin. Wahrscheinlich hat eine Katze den Igel verletzt, vermutet sie. Ein Tierarzt kümmerte sich um die Verletzungen, mittlerweile sind die blutigen Kratzer gut verheilt. Doch Koszla darf Maggie noch nicht aussetzen. „Sie wog gerade einmal 80 Gramm“, das ist zu wenig, um den Winter zu überleben.

Bei der 27-jährigen Treburerin hat Maggie inzwischen fast 300 Gramm zugenommen. Katzenfutter, Eier, Mehlwürmer, Haferflocken und Weizenkleie stehen auf dem Speiseplan des „Rathaus-Igels“, wie ihn die Kollegen getauft haben. Entwickelt sich der Igel weiterhin so gut, könnte er schon Ende November wieder mit seinen Artgenossen die Umgebung unsicher machen. „Rund um das Café Wunderbar gibt es Hecken und Wiesen, wo sich die Igel sehr wohlfühlen“, sagt Koszela. In der Morgen- und Abenddämmerung könnten die Rathausmitarbeiter des öfteren die Igel bei der Nahrungssuche beobachten.

Nicht jeder Igel, der am Straßenrand sitzt, ist hilfsbedürftig, warnt Koszela. Bevor jemand einen Igel aufnimmt, sollte er das Tier von einem Tierarzt untersuchen lassen. Ist der Igel weder verletzt noch untergewichtig, sollte der Igel wieder in seiner gewohnten Umgebung ausgesetzt werden. „Ein gesunder Jungigel wiegt etwa 500 bis 700 Gramm, ein ausgewachsener Igel bis zu einem Kilogramm“, weiß Koszela.

Gesunde Igel sind an die Witterungsverhältnisse in Deutschland gut angepasst. Eine größere Gefahr stellt der Straßenverkehr dar; schnell geraten die nachtaktiven Tiere unter die Räder. Ein anderes Problem: „Mangelnde Unterschlupfmöglichkeiten in aufgeräumten Gärten machen den Winterschläfern das Leben schwer“, sagt die Treburerin. Sie rät: Wer etwas für die Igel tun möchte, der baut ihm eine Igelburg. Die besteht nicht etwa wie das menschliche Pendant aus Steinen und steht auf einer Anhöhe. Bester Ort für eine Igelburg ist vielmehr eine ruhige Ecke im Garten. Dort türmt man Laub und Sträucherschnitt zu einem kleinen Hügel auf. „Idealerwiese ordnet man ein paar Steine oder standsichere Holzstücke so an, dass ein Hohlraum zum Einquartieren entsteht, darüber werden dann die Äste und das Herbstlaub aufgehäuft“, erklärt Koszela. Wer mag, kann anstatt eines Hohlraumes auch ein Igelhäuschen aus Holz verwenden. Diese Häuschen kann man entweder selbst bauen oder im Fachhandel kaufen.

Von kurzen Unterbrechungen abgesehen verschlafen Igel die kalte Jahreszeit von Oktober/November je nach Witterung bis in den März oder April. Was den Gärtner besonders freuen dürfte: Wenn der Igel im Frühling aus seinem Winterschlaf erwacht, wird er die Schnecken im Gemüsegarten verspeisen.

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