Vor Anker in Trebur: Doro Götz, Christian Scherer und seine Frau Andrea Diegeler. FOto: Möbus
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Vor Anker in Trebur: Doro Götz, Christian Scherer und seine Frau Andrea Diegeler.

Handel und Gewerbe

Muschelweck und Ried-Friesen-Hotdog

"Fisch Diegeler" bietet seine Produkte hinter der TV-Turnhalle an

Normalerweise verdienen Christian Scherer und seine Frau ihr Geld auf Stadtfesten oder Großveranstaltungen. Mit einem Wagen voll Fischspezialitäten ziehen sie durch die Region und Deutschland. Doch das war einmal. Die mobile Fischgastronomie hat den Anker geworfen und parkt seit mehr als einem Jahr hinter der Turnhalle des TV Trebur.

Schuld ist die Corona-Krise, wegen der für Christian Scherer und seine Frau Andrea im vergangenen Jahr plötzlich sämtliche Aufträge wegbrachen. Eine Horror-Vorstellung für jeden Selbstständigen. Und trotzdem sagt Christian Scherer heute: "Wir können uns eigentlich nicht beschweren."

Das liegt unter anderem daran, dass die Treburer das Angebot von Scherers teils ungewöhnlichen Fischkreationen zu schätzen wissen. Für ihn selbst und seine Frau hat sich das Leben verändert. "Wir haben seitdem einen geregelten Tagsablauf." Und das Geschäft läuft gut. Kunden aus Trebur und der Umgebung stehen Schlange, um sich donnerstags bis samstags ihr Fischbrötchen an ihrem Stand abzuholen, berichtet Scherer.

Eigenkreationen beim "FdW"

Seine Frau, Andrea Diegeler, nach der das Geschäft benannt ist, ist gelernte Bäckereifachverkäuferin, Scherer selbst Fischwirt: die perfekte Mischung. Scherer hat viele Ideen und Rezepte für Eigenkreationen, die er Woche für Woche mit dem "Fischbrötchen der Woche", kurz "FdW" auslebt.

Der Fantasie scheinen dabei keine Grenzen gesetzt zu sein: Glühweinmatjes mit Bratapfelscheiben und Preiselbeer-Sahne, der "Muschelweck", Matjesbrötchen Birnen-Bohnen-Speck, oder auch der "Ried-Friesen-Hotdog".

Dahinter verbirgt sich ein Hotdog-Brötchen mit einem großen Fischsstäbchen und den dazugehörigen Toppings, ein "Friesen-Hotdog" also. Aber weil Scherer aus Trebur stammt, eben ein "Ried-Frisen-Hotdog". Seine speziellen Kreationen kommen bei den Kunden gut an, wie er sagt. Immer wieder sind sie vor Ladenschluss ausverkauft.

Daneben wäre Christian Scherer sicherlich auch mit einer Marketing-Agentur erfolgreich. Das aktuelle "FdW" gibt er über Facebook bekannt, wo seine "Fisch-Diegeler"-Seite mittlerweile fast 970 "Gefällt-Mir"-Angaben bekommen hat. "Das spricht für sich", sagt Scherer stolz. Auf der Seite gibt es außerdem die wöchentlichen "Fisch-News", in denen Fischbrötchen-Liebhaber alles wissenswerte um den Fischstand und das Brötchen der Woche erfahren. "Insofern war Corona eine Chance für uns", sagt Scherer. "Ich habe nun Zeit, mir solche Sachen auszudenken."

Zum einjährigen Standortjubiläums der Fischbrötchenbude hat er sich beispielsweise eine Art Schnitzeljagd überlegt. Scherer versteckte in mehreren Flaschen im Ortsgebiet eine "Flaschenpost", mit Gutscheinen für seinen Laden. Auf Facebook gab es Hinweise, wo diese aufzufinden sind. Die Pläne für dieses Jahr seien anders gewesen. Eigentlich wäre Scherer um diese Zeit in Paris gewesen, wo er und seine Frau einen Auftrag hatten. Auch Brezel-Backöfen gehören den Scherers, sie werden für Feiern und Feste verliehen.

Plötzlich geregelte Arbeitszeiten

Doch nun bleiben sie eben in Trebur und Scherer kann sich sogar vorstellen, dass es auch nach Corona für ihn hier weitergehen könnte. "Hier haben wir geregelte Arbeitszeiten, auf den Festen arbeiten wir oft bis spät in die Nacht." Feste Aussagen zu treffen, sei allerdings schwierig. Wie es weitergeht, werde die Zukunft dann zeigen. Auf dem Parkplatz hinter der Turnhalle müsse der Wagen zwar länger stehen, um den gleichen Betrag zu erwirtschaften, wie in ein paar Tagen auf einem Stadtfest. Aber dafür habe man mehr Privatleben. Scherer ist dankbar, dass es so gut läuft, neben seinen Kunden, auch dem TV Trebur. Der Verein hatte ihm angeboten, seinen Stand vor der Turnhalle aufzustellen.

"Wir haben den Strohhalm gegriffen, den der TV uns hingehalten hat." Zwei, drei Monate ohne Veranstaltungen hätten Scherer und seine Frau vielleicht ausgehalten, sagt er. Aber danach wäre es eng geworden. Anna Grösch

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