Historische Apotheke

Museum verlost Giftscheine aus dem 19. Jahrhundert

Die private Apotheken-Sammlung von Gerd Weber enthält so manches Schätzchen. Jetzt ist sie im Heimatmuseum zu sehen. Wie der Treburer zu den historischen Objekten kam, verriet er den Besuchern der Ausstellungseröffnung.

„Wenn du auf den Flohmarkt gehst, bring mir bloß nichts mit“, habe seine Frau ihn einst ermahnt, erinnert sich Gerd Weber zur Erheiterung der Besucher. Die sind zahlreich zur Eröffnung der neuen Ausstellung unter dem Titel „Historische Apotheke“ im Heimatmuseum erschienen.

Die Ausstellung besteht hauptsächlich aus Teilen der privaten Sammlung Webers. Zusammengetragen hat er die Exponate in rund dreißig Jahren und das nicht, wie die Bemerkung seiner Frau vermuten lässt, auf Flohmärkten, sondern in Ausübung seines Berufes als Apothekeneinrichter.

Eines Tages habe ihn ein Apotheker in seinen Keller gebeten um Webers fachmännische Meinung zu einem älteren medizinischen Gerät zu erfahren. Bei der Gelegenheit seien ihm einige hübsche kleine Medizinfläschchen geschenkt worden. „So begann der ganze Teufelskreis – zum Leidwesen meiner Frau“, berichtet er schmunzelnd.

Heute enthält die Sammlung neben den braunen Glasfläschchen auch anatomische Modelle, pharmazeutische Werkzeuge und Geräte und als besondere Schmuckstücke zwei historische Apothekenschränke. „Dieser Apothekenschrank stammt aus der Löwenapotheke in Weilburg“ sagt Weber. Das Möbel, das etwa um 1800 gebaut worden sei, habe im Keller gestanden und sei grau übermalt gewesen.

„Mit dem Skalpell wurde die Schrift wieder frei gelegt“, erklärt der Sammler, dann seien die Signaturen nachgemalt und die Schrift ergänzt worden. Die Schlüsselbeschläge stammten aus dem Barock, weiß Weber. Eineinhalb Jahre habe die Restauration des Prachtstückes gedauert.

Etwas kleiner, dafür mit einer gewissen mystischen Aura, kommt der benachbarte Giftschrank daher. Drei Kreuze und ein Totenkopf als Intarsien in die Tür eingearbeitet, machten auch den des Lesens Unkundigen klar, dass hier die wirklich gefährlichen Substanzen aufbewahrt wurden. Und als ob das nicht genug wäre, findet sich auf dem Schrank auch noch ein Modell eines Totenkopfes, neben den sich für die Dauer der Ausstellung noch ein echter Schädel gesellt hat. Das einzige Stück dieser Ausstellung aus dem Fundus des Heimatvereins.

Mit diesem Schrank hat Weber große Pläne. „Ich gehe damit zu „Bares für Rares“, erzählt der gebürtige Treburer. Nach seiner Knieoperation im Januar wolle er das in Angriff nehmen. Überhaupt habe er vor, sich etwas zu verkleinern, weshalb auch einige der Stücke nach Ausstellungsende erworben werden könnten. Nicht gekauft aber gewonnen werden können die originalen Giftscheine aus der Einhorn Apotheke in Gelnhausen aus dem Jahr 1890. Früher habe bei jedem Verkauf von giftigen Stoffen ein solcher Schein ausgefüllt werden müssen, um bei Missbrauch zurückverfolgen zu können, wer der Käufer war. „Das werden sie sonst nirgendwo mehr finden“, wirbt Museumsleiter Wolfgang Kraft für die Verlosung zugunsten des Museums. Johanna Gabel, langjährige Mitarbeiterin der Treburer Rathaus Apotheke, ist zugegen, um die Besucher über die Geschichte der Treburer Apotheke zu informieren. Die Ausstellung gefalle ihr gut, sagt sie. „Er hat tolle alte Sachen gesammelt, bescheinigt die Fachfrau und lobt auch gleich noch die Ausstellungsmacher: „Es ist auch alles sehr gut dargestellt“.

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