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Die Zählung der Freizeit-Ornithologen bei der "Stunde der Gartenvögel" hat ergeben, dass der Blaumeisen-Bestand um 22 Prozent zurückgegangen ist. Foto: dpa

Tierschutz

Nabu-Zählaktion bestätigt Blaumeisensterben

Die Aktion "Stunde der Gartenvögel" dokumentiert den Rückgang vieler Vogelarten. Auch Stare, Ammern und Feldlerchen sind immer seltener in der Natur zu beobachten.

Trebur -Im Nistkasten an der Hauswand von Familie Wolf ist schwer was los. Aufgeregtes Gezwitscher ist zu hören. Mal mehr, mal weniger, je nachdem, ob die Vogelmutter gerade beim Füttern oder unterwegs auf der Suche nach Nachschub für die hungrigen Schnäbel ist.

Dass sich ausgerechnet eine Blaumeise in einem ihrer Nistkästen zur Eiablage niedergelassen hat, freut die Hausherrin besonders. "Wir haben viele Nistkästen, weil es unseren Jungs so viel Spaß gemacht hat, die zu bauen", berichtet Sandra Wolf lachend. Nun könnten sich Vögel auf der Suche nach einer geeigneten Bleibe unter den vielen Möglichkeiten ihren Lieblingsstandort aussuchen.

Über die Blaumeise gab es zuletzt nichts Gutes zu berichten. Vielerorts hat man tote Tiere gefunden. Die Zählaktion "Stunde der Gartenvögel" bestärkte den Verdacht einer den Bestand bedrohenden Krankheit. Denn überall, wo man tote Vögel gesichtet hatte, waren die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr stark gesunken. Deutschlandweit kamen die Freizeit-Ornithologen zu dem Ergebnis, dass der Bestand um 22 Prozent zurückgegangen ist.

Organisiert wird die Zählung unter dem Titel "Stunde der Gartenvögel" vom Bundesverband des Nabu; teilnehmen kann jeder. Wer keinen eigenen Garten hat, kann zum Beispiel in einem Park zählen. "Diese Aktion folgt dem Citizen-Science-Ansatz", erklärt Wolfs Nabu-Kollege Ingmar Stelzig. Bei der "Stunde der Gartenvögel" zählen Privatleute für eine Stunde alle Vögel in ihrem Umfeld und geben die Zahlen direkt an den Bundesverband weiter. Deshalb gebe es bei den Ortsverbänden auch keine weiteren Teilnahme-Angebote.

Der Auslöser des Blaumeisensterbens sei mittlerweile ausgemacht, sagt Stelzig. Das Bakterium Suttonella ornithocola, das ausschließlich bei Meisen eine Lungenentzündung verursache, konnte bei den toten Vögeln diagnostiziert werden. Mit 1,66 Blaumeisen pro Meldung sei es in diesem Jahr der niedrigste Wert seit Beginn der Zählungen im Jahr 2005. "Ob das Bakterium der einzige Grund dafür ist, kann man nicht sagen, aber ein Zusammenhang besteht auf jeden Fall", sagt Stelzig.

Rückgang auch bei anderen Arten

Gründe für einen Rückgang der Gartenvögel gebe es viele, das bestätige auch die rückläufige Zahl anderer Vogelarten. Dramatisch sei der Rückgang bei den Staren, den Ammern und Feldlerchen, zählt Stelzig auf. Um den Abwärtstrend umzukehren, könne noch viel getan werden, sind sich Wolf und Stelzig einig. Auch Maßnahmen im eigenen Garten seien nicht umsonst, denn "alle Hausgärten in Deutschland zusammen sind so groß wie alle Schutzgebiete zusammen". Familie Wolf gehe da mit gutem Beispiel voran, erklärt der Biologielehrer Stelzig. So biete die mächtige Feuerdornhecke auf der Grundstücksgrenze vielen Vögeln und Insekten Lebensraum und Futter.

Mittlerweile werde das ganzjährige Füttern der Vögel auch vom Bundesverband des Nabu propagiert. Gerade jetzt, wo die Jungvögel rund um die Uhr nach eiweißreicher Nahrung in Form von Insekten rufen, sei der Bedarf sehr groß. "Das Vogelfutter kommt den Eltern zugute, die grade eine sehr stressigen Job haben", sagt Wolf. Spitzenreiter bei der diesjährigen Zählung war übrigens der Haussperling, besser bekannt als Spatz. "Er hat die Amsel vom ersten Platz verdrängt", verkündet Stelzig. Von der Amsel gebe es dennoch Positives zu vermelden: Ihr Bestand habe sich nach dem Amselsterben vor einigen Jahren wieder stabilisiert. Maraike Stich

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