Zur Eröffnung des virtuellen Festivals stellen sich die Veranstalter kurz vor, darunter auch ein Vertreter des Teams des Trebur Open Air. Danach geht die Post ab - vom heimischen Sofa aus, versteht sich. Screenshot: Daniela Hamann
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Zur Eröffnung des virtuellen Festivals stellen sich die Veranstalter kurz vor, darunter auch ein Vertreter des Teams des Trebur Open Air. Danach geht die Post ab - vom heimischen Sofa aus, versteht sich. Screenshot: Daniela Hamann

Online-Festival

Partystimmung auf dem Sofa

  • vonDr. Daniela Hamann
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Tausende Besucher schlenderten am Wochenende übers virtuelle Festivalgelände von "Couch n' Sofa". Auch die Veranstalter des Trebur Open Air waren dabei.

Trebur -Festivalstimmung auf dem heimischen Sofa? Dass das durchaus möglich ist, hat die virtuelle Veranstaltung "Couch n' Sofa" am vergangenen Wochenende bewiesen. Weil Großveranstaltungen - und damit auch Musikfestivals - bis Ende August verboten sind, haben sich die Kulturschaffenden und Organisatoren etwas einfallen lassen.

Das Team des Trebur Open Airs (TOA) bot eine Corona-konforme und damit kontaktlose Alternative im Internet an. Unter der Überschrift "Couch n' Sofa" konnten die Besucher des virtuellen Festivalspaßes auf der gleichnamigen Webseite zwischen verschiedenen spannenden und unterhaltsamen Angeboten wählen. Und das kostenlos oder gegen eine freiwillige Spende.

An beiden Tagen wurden den Zuschauern am Laptop, Computer, Tablet oder Mobiltelefon auf zwei "Bühnen" die Songs lokaler und nationaler Bands und Discjockeys geboten. Die Besucher konnten sich eine virtuelle Kunstausstellung ansehen, Lesungen und Workshops beiwohnen sowie lustige Gespräche und Interviews anhören. Das Programm begann am Freitag und Samstag jeweils um 16 Uhr und endete erst weit nach Mitternacht.

Einstimmen mit "Bier-Yoga"

Der Programmpunkt "Bier-Yoga" wurde dabei schnell zur Tradition an beiden Tagen. Denn wie bei einem Festival üblich, durfte der Alkohol natürlich nicht fehlen, auch wenn die Zuschauer dabei zu den eigenen Kühlschränken laufen mussten, anstatt das kühle Getränk an einem Stand zu bestellen. Die Bands traten zum Teil live vor ihrer Webcam auf oder spielten Videos früherer Konzerte ein. Die Musikauswahl war breitgefächert und bot etwas für jeden Geschmack.

Merlin Jost vom TOA-Team war an der Organisation von "Couch n' Sofa" beteiligt. Er erzählt, wie es zu dem virtuellen Festival kam: "Die Idee hatte der Verein Juka aus Bad Nauheim. Die Initiatoren kamen dann relativ schnell auf uns zu und haben gefragt, ob wir mitmachen möchten. Für uns war die Antwort sofort klar: natürlich!" Neben den Machern des Trebur Open Airs waren die Stadt Bad Nauheim, der Jugendbeirat Bad Nauheim, die Organisatoren des Karben Open Air, des Music Forge Festivals und von Splitbox dabei. Zuvor hatten die Organisatoren eigens eine bunt gestaltete Webseite für "Couch n' Sofa" eingerichtet. Ziel des virtuellen Festivals sei jedoch nicht nur, den Menschen zu Hause trotz Corona eine gute Zeit zu bereiten, stellt Merlin Jost klar. Bands, die gerade unter dem Verbot von Veranstaltungen leiden, solle auf diese Weise eine Stimme gegeben und eine Plattform geboten werden.

800 Menschen vor einer Bühne

Parallel zum Stream über die Webseite wurden die einzelnen Programmpunkte auf den verschiedenen Social-Media-Plattformen ausgestrahlt - mit überraschend gutem Ergebnis, wie Merlin Jost sagt: "Die Live-Streams wurden mehr als 21 000-mal aufgerufen, und bis zu 800 Menschen haben an einer der Bühnen zum gleichen Zeitpunkt zugesehen."

Die Zuschauer konnten außerdem sogenannte "Soli-Tickets" oder T-Shirts und andere Werbeartikel kaufen. Rund 3400 Euro spülte das Onlinefestival in die Kassen, verkündet Merlin Jost. "Dieses Geld wird zwischen den Bands aufgeteilt, sofern sie dies wünschen", bemerkt er. Einige Bands hätten bereits gesagt, dass sie auf eine Gage zugunsten der Veranstalter verzichten.

Merlin Jost berichtet weiter, dass im Hintergrund bereits Planungen für ein weiteres "Couch n' Sofa" laufen. "Wir wollen auf jeden Fall bald eine weitere Veranstaltung anbieten", denn es sei eher unwahrscheinlich, dass die Musikfans noch in diesem Jahre Festivals besuchen können. Das betreffe auch das TOA. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir das Festival absagen müssen. Trotzdem warten wir noch damit, weil wir nicht wissen, wie die Landesregierung die Regularien definiert." Würde das TOA-Team das Open Air schon vorher absagen, fehle die Rechtssicherheit, und die Organisatoren würden möglicherweise auf hohen Kosten sitzen bleiben, erklärt Jost.

Stattdessen konzentriere man sich auf virtuelle Alternativen wie das "Couch n' Sofa", bis Konzerte und Festivals - ob in der Halle oder im Freien - wieder erlaubt sind.

Von Daniela Hamann

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