Nicht mehr lange, dann werden die Alpakas geschoren.
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Nicht mehr lange, dann werden die Alpakas geschoren.

Picknick auf der Alpakaweide

"Ein Blick und Du bis schockverliebt": Die Tiere von Christine und Manfred Fritz sorgen auf wundersame Weise dafür, dass sich Menschen entspannen.

Besucht man die Alpakaherde von Christine und Manfred Fritz, ist das wie eine Auszeit vom Alltag. Friedlich grasen die Tiere vor sich hin und schauen ab und zu neugierig auf, wenn Gäste kommen. Vor anderthalb Jahren schafften sich Christine und Manfred Fritz eine kleine Herde an - ihre "Buben", wie sie die sechs Wallache liebevoll nennen. Die leben zusammen mit einigen bretonischen Zwergschafen, zwei Deutschen Doggen, Katzen und Hühnern bei den Fritzens auf der Hessenaue.

Nach einem persönlichen Schicksalsschlag hat Christine Fritz ihr Leben umgekrempelt und ihre Leidenschaft für die Neuweltkameliden aus den südamerikanischen Anden entdeckt. Damit ist sie nicht alleine. Seit den 1980er-Jahren gibt es im europäischen Raum immer mehr Alpakas, weiß sie. "Und die Zahl nimmt zu." Dabei darf man Alpakas gar nicht so ohne Weiteres halten - zumindest nicht für gewerbliche Zwecke. "Vorher mussten wir ein Grundlagenseminar besuchen und diverse Schulungen absolvieren", erläutert Christine Fritz das Prozedere, nach dem sie und ihr Mann die Erlaubnis erhalten haben.

Beide waren vor Jahren über eine Fernsehsendung auf die Tiere aufmerksam geworden und machten dann Urlaub auf einem Alpakahof. "Ein Blick in ihre Augen und du bist schockverliebt", beschreibt Christine Fritz ihre Begeisterung. So nahmen sie Kontakt zu einem Züchter auf und wurden im Schwarzwald fündig. "Uns war es wichtig, dass die Tiere gut aufgezogen wurden", unterstreicht Christine Fritz. Ihre Alpakas sind zwischen drei und vier Jahre alt und stammen aus zwei verschiedenen Herden. "Auch das war uns bei der Auswahl wichtig, damit es kein Gerangel gibt."

Im Unterhalt genügsam

In der Pflege sind die Alpakas sehr genügsam, brauchen dafür aber viel Platz. Für zwei Tiere sind 1000 Quadratmeter vorgeschrieben, danach je weiteres Tier zusätzliche 100 Quadratmeter. Für Christine und Manfred Fritz ist es kein Problem, diese Vorgabe einzuhalten. Ihren Tieren stehen sogar 4500 Quadratmeter zur Verfügung. Da die Hessenaue stark von der Landwirtschaft geprägt ist, habe sich die angrenzende Grünfläche an ihrem Hof geradezu für die Haltung von Weidetieren angeboten, blickt Fritz zurück.

Im Oktober 2019 bezogen die sechs Alpakas dann schließlich ihr neues Zuhause. Den Prozess der Eingewöhnung begleiteten Christine und Manfred Fritz, indem sie sich mit einer Tasse Kaffee zu den Tieren auf die Koppel setzten. "Dabei haben wir gemerkt, wie schön und entspannend das ist, dass man dabei selbst runterkommt", schildert Christine Fritz ihre Erfahrung. Diese schönen Momente wollten sie mit anderen Menschen teilen, so dass die Idee zum "Picknick mit Alpaka" entstand. Dabei stellen sie Besuchern neben einer Biertischgarnitur auf der Weide Geschirr, Getränke und Kekse zur Verfügung. "Und man kann sich auch eigenes Essen mitbringen", so Fritz.

Bevor das Projekt richtig Fahrt aufnehmen konnte, bremste jedoch Corona das Vorhaben aus. "Das war ein riesiger Dämpfer für uns", bedauert Fritz. Einen kleinen Lichtblick gibt es aber auch für sie. Denn sofern die Besucher nur aus einem Haushalt kommen, darf sie ihr Picknick wieder anbieten. Gleiches gilt für die "Schnupperzeit mit Alpakas". Dabei geht sie für 45 Minuten mit Familien auf die Weide und gibt ihnen Gelegenheit, auf Tuchfühlung mit den Alpakas zu gehen. Sehr aktive Kinder würden dann von alleine ruhiger werden und runterkommen, hat sie erlebt. Denn erst dann kämen die Alpakas, die als Fluchttier von Natur aus sehr schreckhaft, zugleich aber auch sehr neugierig sind, zu ihnen. Als Dreingabe berichtet Christine Fritz bei solchen Besuchen allerhand Wissenswertes über Alpakas, wobei meist hauptsächlich Fotos gemacht werden.

25 Kilogramm Wolle

Dass die sechs Models eigentlich sehr schlank sind, sieht man ihnen im Moment noch gar nicht an. Denn bis zu den Eisheiligen tragen die Alpakas ihr dickes Winterfell. Die Wolle kommt dann im Mai runter und weckt bei Christine Fritz das Bedürfnis, ihren Lieblingen eine Extraportion Futter zukommen zu lassen, weil sie plötzlich so dünn aussehen. Das Ansinnen kann man ihr kaum verdenken, kamen doch bei der jüngsten Schur insgesamt 25 Kilogramm Vlies zusammen. Der wird jedoch nicht zu feinem Garn gesponnen, sondern unter anderem zu Einlegesohlen weiterverarbeitet.

Vielleicht wird Christine Fritz das Vlies in Zukunft auch zum Filzen verwenden, denn sie hat noch einige Pläne für die Zukunft. So könne sie sich beispielsweise vorstellen, die Alpakaweide für Kindergeburtstage anzubieten. Doch vorerst genießen sie und ihr Mann die Ruhe auf der Koppel, denn tatsächlich geben die Alpakas so gut wie keinen Laut von sich und bewegen sich nahezu geräuschlos über die Wiese. Da ist Corona vergessen und Entspannung programmiert. Johanna Thaben

Alpakas sind ausgesprochen neugierig. Alles, was auf der Weide vor sich geht, wird natürlich untersucht.
Christine Fritz weiß, wie es geht: Mit Futter lassen sich die scheuen Tiere anlocken.

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