Freizeit-Liga

Roter Underdog gegen Hobby-Bayern

Dienstagabend trafen die Treburer Schmucker Kicker auf Dynamo Darmstadt. Es war das Finale der Hobby-Liga Groß Gerau.

Die wahren Dramen spielen nicht im Rampenlicht. Während einer Weltmeisterschaft ist es leicht, so zu tun, als interessiere man sich für Fußball. Dann verfolgen einen die Sponsor-Deals von Fifa und Nationalmannschaft bis ins Supermarktregal. Doch die echten Fußballhelden kicken abseits von Leistungszentren und Übertragungsrechten.

Es sind die hunderttausenden Freizeit-Fußballer, die sich nach getaner Arbeit und ohne Millionengehalt noch zum Sportplatz schleppen, um ein paar Tore zu schießen. Sie sind es, die die Sportkultur in jedem Dorf am Leben halten, aus der dann auch regelmäßig der ein oder andere Bundesliga-Star aufsteigt. Am Dienstagabend gab es in Haßloch den großen Showdown der zwei aktuell besten Hobby-Mannschaften im Kreis. Hobby-Spieler sind all jene, die nicht aktiv in der ersten oder zweiten Mannschaft eines Vereines agieren.

Die Schmucker Kicker Trebur trafen zum Finale der Hobby-Liga Groß Gerau auf Dynamo Darmstadt. Die beiden Vereine stießen in letzter Zeit regelmäßig aufeinander, gewinnen konnten die Treburer am Ende gar nicht mehr. „Dynamo Darmstadt sind die FC Bayern der Liga“, stellte Schmuckers-Kapitän Andreas Drott anerkennend fest. Nach dieser Logik sind die Treburer an diesem Tag der Underdog.

Zweimal hatten die Darmstädter in den vergangenen Jahren den Pokal gewinnen können. Siegt eine Mannschaft dreimal hintereinander, darf sie den Wanderpokal dauerhaft behalten, und die Liga kauft einen neuen. Es ging also um einiges.

Beide Teams begegneten sich absolut auf Augenhöhe. Am Anfang schienen die Treburer den Takt zu bestimmen. Sie präsentierten eine starke Dynamik. Die angriffslustige Abwehr klaute den Darmstädtern regelmäßig den Ball, und alle Feldspieler verstanden es, in wenigen Sekunden von der Defensive in die Offensive zu wechseln.

Luchsten die Darmstädter andersrum den Treburern den Ball ab, musste Kapitän Drott nur einmal beherzt „Rückwärtsgang“ rufen, und sein gesamtes Team schaltete wie ein Mann in die Defensive. „Wir hatten zuletzt einiges Verletzungspech“, berichtete der Darmstädter Kapitän Robert Körber. Entsprechend defensiv starteten sie in die Partie und tasteten sich vorsichtig an den bekannten Gegner heran. Torgefährlich waren beide. Die Spannung blieb hoch, es fiel die ersten 75 Minuten kein einziges Tor.

Keine der Mannschaften hatte es geschafft, an einem Dienstagabend besonders viele Fans nach Haßloch zu ziehen. Die verletzten Spieler beider Mannschaften bildeten die kleinen Fanblöcke der Teams. Die Ultras, die am Rand anfeuerten und brüllten, waren gleichzeitig die Auswechselspieler – und gewechselt wurde viel. An diesem Abend ging jeder Spieler an die äußersten Reserven. Teilweise gab es im Minutentakt Wechselpausen wie man es sonst nur vom Basketball kennt. Beide Mannschaften waren top motiviert und gaben alles. Von diesem Kampfgeist könnten sich Jogis Jungs nach dem mauen Mexiko-Spiel durchaus was abschauen.

Am Ende entschied ein Glückstreffer. Glücklich nicht, weil er unverdient wäre. Der Darmstädter Jan Baganz passte im richtigen Moment auf und haute das Runde ins Treburer Netz. Glücklich war der Treffer, weil er in der letzten Minute der Nachspielzeit fiel. Danach wagten die Treburer noch eine motivierte, aber hoffnungslose Offensiv-Aktion und Schiedsrichter Heinz Osterod pfiff ab. Darmstadt hatte gewonnen. Den Pokal dürfen sie nun behalten. Er komme in eine Vitrine zum Trikot-Sponsor Boros Automobile, heißt es.

Aber auch die Treburer konnten stolz sein auf ihre Leistung. „Wir haben gut gespielt und scheiße verloren. Das wichtigste ist, dass wir Freunde sind. Morgen beim Training geht’s weiter“, motivierte Sven Lutz sein Team. Auch für die Rivalen hatte Kapitän Drott lobende Worte: „Die haben stark und fair gespielt, das war ein gutes Finale.“

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