Tami Fischer wurde gestalkt. Doch die junge Autorin schreibt weiter Geschichten und hat gerade ihr neustes Buch veröffentlicht. FOTO: Verlag
+
Tami Fischer wurde gestalkt. Doch die junge Autorin schreibt weiter Geschichten und hat gerade ihr neustes Buch veröffentlicht.

Porträt

Stalking-Opfer: Das Schreiben hilft, um die traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten

  • VonDr. Daniela Hamann
    schließen

Was Tami Fischer passiert ist, hat ihr ganzes berufliches, aber auch privates Leben auf den Kopf gestellt. Mittlerweile geht es ihr langsam besser. Das Schreiben hilft ihr bei der Aufarbeitung.

Die vergangenen Wochen und Monate waren für Tami Fischer turbulent - leider jedoch nicht im positiven Sinne. Denn die in Trebur aufgewachsene Autorin, die aktuell im Osten der Republik wohnt, muss noch immer traumatische Erlebnisse verarbeiten, die ihr ganzes berufliches Leben auf den Kopf gestellt haben.

"Ich wurde gestalkt", gibt sie offen zu. Der Stalker habe Sie angeschrieben und ihr krude Fantasien mitgeteilt, die in ihr große Angst ausgelöst haben - so groß, dass sie ihren erfolgreichen Youtube-Kanal stillgelegt und auch auf ihrem Instagram-Account eine Pause eingelegt hat. "Ich traue mich nicht mehr, mein Gesicht im Netz zu zeigen", sagt die junge Autorin ernst.

Zur Polizei ist Tami Fischer auch gegangen. Die E-Mail und Social-Media-Nachrichten hatte sie im Gepäck. Zunächst sei der junge Polizeibeamte auch nett gewesen. Doch als sie ihm die E-Mails zeigte, meinte er nur: "Wenn er ihr Typ wäre, dann würden Sie ihn nicht als Stalker anzeigen wollen, oder?" Diese Aussage des Polizisten sei für sie ein Schlag ins Gesicht gewesen, sagt Fischer. "Danach habe ich mich nur noch mehr zurückgezogen."

Noch nicht bereit für eine Anzeige

Schließlich hat sie das Stalking, aber auch das Erlebnis mit der Polizei auf ihrem Instagram-Account öffentlich gemacht. "Eine Followerin, die selbst Polizistin ist, hat mich angeschrieben und mir angeboten, dass sie mir dabei hilft, Anzeige zu erstatten. Noch habe ich die Kraft dazu nicht gefunden." Durch das Abschalten des You-Tube-Kanals und der Pause auf Instagram hätten die Stalking-Angriffe auf sie zumindest seit Kurzem aufgehört, sagt Tami Fischer.

Die junge Autorin hat jedoch Angst, dass der augenscheinlich psychisch gestörte Mann, der ihr sogar Fotos von sich schickte und ihr erzählte, wo er arbeitete, mit seinem Stalking fortfährt, sobald sie sich wieder in der Öffentlichkeit zeigt. "Ich fühle mich permanent unsicher", so die junge Frau.

Dabei hat die Autorin gerade ihr nächstes Buch "Mountains and Storms", die Vorgeschichte zum vierten Roman der Fletcher-University-Reihe "Moving Mountains" veröffentlicht. Erst vor wenigen Wochen fand die Premierenlesung des Buches statt, mit großem Erfolg.

Zurück r in die alte Heimat

Tami Fischer berichtet, dass sie in dem Roman auch autobiografische Elemente verarbeitet hat. So geht es in einem Neben-Plot um Depressionen und Angstattacken, einer Problematik, die die junge Frau nur zu gut kennt. Aus diesem Grund traumatisierte und lähmte sie die Stalking-Attacke umso mehr. Überhaupt beinhalte jedes ihrer Bücher immer auch ein wenig von ihr selbst, so Fischer, die eine Lehre als Buchhändlerin absolviert hat und so auch die Leidenschaft des Autorendaseins für sich entdeckte.

Aktuell schreibe sie fleißig an neuen Buchprojekten, sagt die 25-Jährige dann. Und nach zwei Jahren in der Ferne könne sie sich auch sehr gut vorstellen, bald wieder in die alte Heimat nahe Trebur zurückzukehren. "Das zeichnet sich so langsam am Horizont ab, dass das vielleicht gar nicht mehr so lange dauern wird", meint Fischer verheißungsvoll. Doch erst heißt es nun wieder zu mentalen Kräften und Stärke kommen. Das Schreiben helfe ihr sehr dabei, sagt die Autorin und ein wenig Kämpfergeist schwingt in ihrer Stimme mit.

Mehr zu Tami Fischer und ihren Romanen gibt es unter www.droemer-knaur.de. Daniela Hamann

Hilfe für Betroffene

Sollten Sie auch Opfer von Stalking sein, schweigen Sie nicht. Lassen Sie sich beraten, zum Beispiel beim Weißen Ring: weisser-ring.de/ tipps-gegen-stalking.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare