Das Schausteller-Ehepaar Elvira und Eberhard Husar kann seit einem Jahr kaum Geld verdienen. Knapp zwei Monate können sie noch durchhalten, dann muss dringend etwas passieren.
+
Das Schausteller-Ehepaar Elvira und Eberhard Husar kann seit einem Jahr kaum Geld verdienen. Knapp zwei Monate können sie noch durchhalten, dann muss dringend etwas passieren.

Fehlende Volksfeste

Corona-Krise: Schausteller-Paar ist verzweifelt: "Irgendwie müssen wir Geld verdienen"

  • vonDr. Daniela Hamann
    schließen

Das Schausteller-Ehepaar Elvira und Bernhard Husar aus Trebur lebt seit einem Jahr nur noch von Rücklagen. Ohne Einnahmen werden sie vermutlich nicht mehr lange durchhalten können.

Trebur ‒ Elvira und Bernhard Husar sind ziemlich verzweifelt. Obwohl das Schausteller-Ehepaar einiges wegzustecken vermag, haben die andauernden Sorgen um den Schaustellerbetrieb, den Elvira Husars Vater 1958 ins Leben gerufen hat, Spuren hinterlassen. „Wir haben aktuell keinen Umsatz. Letzten Sommer haben wir mit unserem Pop-Up-Park zum letzten Mal Menschen unterhalten.“ Damals hatten die Husars in Geinsheim einen kleinen Vergnügungspark aufgebaut. „Bürgermeister Jochen Engel hat uns für unser Hygienekonzept gelobt. Wir waren so froh, dass er uns damals die Möglichkeit gegeben hat, mit dem Park ein paar Einnahmen zu generieren“, sagt Eberhard Husar dankbar.

Nach der Absage der Weihnachtsmärkte hat Elvira Husar im November vergangenen Jahres aus der Not heraus in Mainz ein leerstehendes Ladengeschäft gemietet. „Ich habe dort die Süßigkeiten verkauft, die wir sonst an unserem Stand anbieten. Die Kunden waren so dankbar, dass sie so ein wenig Kirmes- und Weihnachtsmarkt-Gefühl mit nach Hause nehmen konnten“, erinnert sich Elvira Husar. Zunächst habe sie nur einen Mietvertrag über einen Monat abgeschlossen. Gerade als sie den Vertrag verlängern wollte, kam der Corona-Lockdown vom 16. Dezember dazwischen und Elvira Husar verlor schon wieder eine Möglichkeit, Geld zu verdienen.

„Das geht inzwischen wirklich an die Psyche“, sagt Eberhard Husar. „Wir fragen überall, wo es passt, ob wir nicht wenigstens eine Bude auf den Parkplatz eines Supermarkts oder an eine exponierte Stelle in die Stadt stellen dürfen.“ Frankfurt, Darmstadt oder Wiesbaden ermöglichten dies den Schaustellern. In Mainz renne man dagegen eher gegen verschlossene Türen. In den anderen Städten nachzufragen, kommt für die Husars nicht infrage, denn: „Es gibt zwischen Schaustellern einen Ehrenkodex. Jeder hat ein Gebiet, dass er oder sie bedienen. Wir können und möchten unseren Kollegen dort nicht dazwischenfunken“, betont das Ehepaar.

Zumal sie mit vielen der Kollegen auch in engem Austausch und mit einigen sogar befreundet sind. Was sie in diesem Zusammenhang hören, sei erschreckend: „Vielen Schaustellern geht es richtig schlecht. Einige wissen nicht mehr, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen. Zumal die staatlichen Hilfen noch immer nicht eingetroffen sind. Selbst die Beantragung der Gelder ist sehr schwierig. Unser Steuerberater hat uns erzählt, er müsste dafür erst eine Schulung machen. Ich denke, dass es viele Schausteller nach der Pandemie nicht mehr geben wird“, meint Eberhard Husar.

Coronakrise: Schausteller aus Trebur können nur noch wenige Monate von Rücklagen leben

Da der Betrieb von Elvira und Eberhard Husar schon seit mehr als 60 Jahren existiert, konnten die beiden Schausteller zuletzt auf einige Rücklagen zurückgreifen, um laufende Leasingverträge und andere finanzielle Verpflichtungen zu bedienen. Doch lange würden die Rücklagen nicht mehr reichen: „So kann es nicht weitergehen“, ist Elvira Husar verzweifelt. „Wir können vielleicht noch zwei Monate durchhalten. Dann ist Schluss.“

Doch die Misere hält das Ehepaar nicht davon ab, zu planen. „Meine grauen Zellen arbeiten unermüdlich“, sagt die Schaustellerin mit einem kleinen Lächeln. Und ein Hoffnungsschimmer zeichnet sich wage am Horizont ab: „Wir hoffen sehr, dass das Burgfest in Gustavsburg an Pfingsten irgendwie stattfinden wird. Noch ist es nicht abgesagt worden.“ Ein wenig wünschen sich die Schausteller auch das Frühlingsfest, das in Mainz um die Osterzeit stattfindet, herbei. Doch dass es stattfindet, ist eher unwahrscheinlich.

Schausteller aus Trebur: Paar entwickelt schon einen Plan B

Einen Plan B haben Elvira und Eberhard Husar auch schon entwickelt: „Falls es mit dem Burgfest nicht klappt, möchten wir Bürgermeister Puttnins-von Trotha fragen, ob wir einen Pop-Up Park auf der Ochsenwiese in Gustavsburg aufbauen dürfen. Unser Konzept hat letzten Sommer ja auch Bürgermeister Engel in Trebur überzeugt. Irgendwie müssen wir doch Geld verdienen. Außerdem wäre es doch besonders für die Kinder sehr schade, wenn Volksfeste mit der Pandemie aussterben würden, weil es danach keine Schausteller mehr gibt.“ (Daniela Hamann) Auch Sabrina Randazzo aus dem Kreis Groß-Gerau hat die Corona-Krise schwer getroffen. Bereits zum zweiten Mal kämpft sie um das Überleben des privaten Vorkindergartens „Rasselbande“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare