egg_IMG_9016_081020
+
Die frisch gebackene pharmazeutisch-technische Assistentin Sandy Ataya bedankt sich beim Vorstand und Stiftungsrat der Lucy-Weinert-Stiftung für die finanzielle Unterstützung. Dank der Hilfe ist für sie ein jahrelang gehegter Berufswunsch in Erfüllung gegangen. Fotos: Dorothea ittmann

Soziales

Trebur: Geflüchtete aus Syrien lernt in Deutschland – Ein Traum geht in Erfüllung

  • Dorothea Ittmann
    vonDorothea Ittmann
    schließen

Vor fünf Jahren kam Sandy Ataya als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland. Die Lucy-Weinert-Stiftung finanziert ihr eine Ausbildung zur Pharmazeutischen Assistentin.

Trebur – Sandy Ataya hat einen Teller mit selbst gebackenen syrischen Süßigkeiten mitgebracht. Die 23-Jährige ist zu Tränen gerührt, als sie das Geschenk am Dienstagabend im Sitzungssaal des Treburer Rathauses dem Vorstandvorsitzenden der Lucy-Weinert-Stiftung, Jürgen Kraft, überreicht. "Ich bin sehr dankbar. Ich habe viel gelernt, um mir meinen Traum verwirklichen zu können", sagt sie. Ihre Dankbarkeit gilt dem gesamten Vorstand und Stiftungsrat, aber in besonderer Weise Stiftungsmitglied Kristine Nadler, die Sandy Ataya und ihre Familie seit ihre Ankunft aus Syrien 2015 als ehrenamtliche Flüchtlingshelferin begleitet hat.

Zwei Jahre lang hat die Treburer Stiftung der jungen Frau die Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin (PTA) an der Ludwig-Fresenius-Schule in Frankfurt finanziert. Das Zeugnis bescheinigt ihr eine gute Leistung. Zurzeit absolviert Ataya ein sechsmonatiges Praktikum in der Rathaus-Apotheken in Trebur und der Easy-Apotheke in Raunheim. Danach folgt eine abschließende mündliche Prüfung.

Schon als Kind habe Ataya den Wunsch gehabt, später einmal einen medizinischen Beruf auszuüben. Ihr Vorbild ist ihr Vater, der in der syrischen Heimat bei einem Pharmaunternehmen arbeitete. "Verwandte und Freunde haben ihn immer angerufen, wenn sie krank waren und Rat brauchten", erinnert sich Ataya. In der neunten Klasse machte sie ein Praktikum in einer Apotheke, das ihr sehr gut gefiel. Der Berufswunsch festigte sich. Im Dezember 2015 dann die Flucht nach Deutschland, wo die Familie einen Neuanfang wagte. "Sandy hat ganz schnell deutsch gelernt", weiß Kristine Nadler, die der Familie beim Ankommen und Eingewöhnen zur Seite stand. Als Ataya ihren Berufswunsch nannte, informierten sich beide Frauen über die Ausbildung, ein mögliches Studium und Fördermöglichkeiten.

Ein Studium sei ohne deutschen Pass nicht möglich gewesen, sagt Ataya. An jeder Universität gebe es nur eine Handvoll Studienplätze für geflüchtete Menschen. Deshalb entschied sie sich für die Ausbildung an der Fresenius-Schule. Die Finanzierung blieb aber ein Problem. Doch am Geld sollte es nicht scheitern. Kristine Nadler machte Ataya auf die Lucy-Weinert-Stiftung aufmerksam. Die Stiftung fördert Treburer Bürger bei akutem Hilfebedarf und soziale Projekte. Zu den förderungsfähigen Zwecken gehört laut Vergaberichtlinien die "Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe". Die Stiftung gewährte Sandy Ataya eine jährliche Förderung in Höhe von 500 Euro, so dass die Treburerin 2018 mit der Ausbildung beginnen konnte. "Ohne die Stiftung hätte ich das nicht machen können", betont Ataya.

Nach dem Ende der insgesamt zweieinhalbjährigen Ausbildung Mitte nächsten Jahres geht ihr lange gehegter Traum endlich in Erfüllung. Dann kann sie "Menschen helfen und ihre Schmerzen lindern", wie sie sagt. "Es ist schön, wenn man den Erfolg sieht", sagt Jürgen Kraft beim Anblick der freudestrahlenden jungen Frau. Nach der Ausbildung ist ihr Berufsweg aber noch nicht abgeschlossen. "Wenn ich einen deutschen Pass habe, dann will ich Pharmazie studieren", ist die 23-Jährige entschlossen. (Dorothea Ittmann)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare