Ein Auf und Ab erlebt Sabrina Randazzo seit vergangenen März im Vorkindergarten "Rasselbande". Foto: Maraike Stich
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Ein Auf und Ab erlebt Sabrina Randazzo seit vergangenen März im Vorkindergarten "Rasselbande".

Kinderbetreuung

Kindergarten „Rasselbande“ vor dem Ende – „Ich habe gar keine Perspektive“

Fehlen die Kunden, bleibt das Geld aus: Sabrina Randazzo kämpft zum zweiten Mal um das Überleben des privaten Vorkindergartens "Rasselbande".

Trebur – Extrem verändert habe sich die Lage für ihren kleinen Vorkindergarten, berichtet Sabrina Randazzo im Gespräch mit dieser Zeitung. Vor dem ersten Lockdown sei man komplett ausgelastet gewesen. 23 Kinder hätten über die Woche verteilt die Einrichtung in der Geinsheimer Kirchstraße besucht. In den Räumen des ehemaligen Kindergartens ist reichlich Platz für den Nachwuchs. Dann sei die erste Welle der Pandemie gekommen und mit ihr jede Menge Kündigungen, da komplett geschlossen werden musste.

"Viele Eltern haben sich eine Tagesmutter gesucht, die durften nämlich weiter arbeiten", sagt Randazzo. Das habe ihrer kleinen Einrichtung das Genick gebrochen. Im Juni habe man dann - mit nur noch fünf angemeldeten Kindern - wieder öffnen dürfen. "Wir haben uns so langsam wieder aufgerappelt", sagt die Geisheimerin, auch dank der Hilfe großzügiger Spender. Bis zum zweiten Lockdown sei man wieder bei zwölf Kindern angekommen.

Trebur: Kindergarten mit nur einer Angestellten

Die Geinsheimer "Rasselbande" ist ein Verein, entstanden aus einer privaten Initiative. Randazzo ist die erste Vorsitzende des Vereins und auf Minijob-Basis auch dessen einzige Angestellte. Da Randazzo keine gelernte Erzieherin ist, darf die "Rasselbande" nur vier Tage die Woche für jeweils drei Stunden öffnen. Zudem darf Randazzo die Betreuung nicht alleine durchführen. In normalen Zeiten kein Problem, denn ein Elternteil unterstützt sie immer dabei. Diese Auflage sorgt jedoch dafür, dass die "Rasselbande", anders als die Kindergärten, auch keine Notbetreuung anbieten kann. Denn Eltern dürfen die Räume derzeit grundsätzlich nicht betreten.

Randazzo ist verzweifelt: "Es ist schlimm das mit anzusehen, ich habe gar keine Perspektive", sagt sie. Die Miete für die Räumlichkeiten müsse weiterhin gezahlt werden, obwohl es auch bei der letzten Schließung wieder Abmeldungen gegeben habe.

Nur noch fünf zahlende Mitglieder unterstützen den Kindergarten

Der Verein finanziere sich über die Mitgliedsbeiträge und die zweimal jährlich stattfindenden Kinderkleiderbasare. Während der im vergangenen März noch stattfinden konnte, gab es im September nur noch eine abgespeckte Version und der Basar im März werde gar nicht stattfinden können. Sie selbst verzichte auf den Großteil ihres Gehalts, sagt Randazzo. Ihre Kinder hätten einst selbst die Betreuung besucht, auch deshalb hänge ihr Herz an der Einrichtung. In der Zeit des Lockdowns habe sie die Kinder mit Bastelpaketen und Aktivitätsbeuteln beliefert. Sie habe zudem mit ihren Schützlingen Videotelefonate geführt.

Momentan sei man wieder bei nur noch fünf zahlenden Mitgliedern gelandet. "Und denen bin ich mega dankbar", beteuert Randazzo. Sie habe erneut einen Spendenaufruf gestartet, Flyer verteilt und in den Geschäften ausgehängt. Viel dabei rumgekommen sei nicht. Je länger die Krise anhalte, desto mehr nehme die Spendenbereitschaft ab. Aber schließlich hätten viele Menschen mittlerweile auch genug eigene Sorgen und finanzielle Nöte. Derzeit hofft Randazzo, dass der 14. Februar mit den angekündigten neuen Vorgaben von der Bundesregierung ihrer "Rasselbande" wieder eine Perspektive aufzeigen wird. (Maraike Stich)

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