+
Das Trebur Open Air Festival ist ein Besuchermagnet.

Trebur Open Air

„Nach dem Auftritt ging's ins Freibad"

  • schließen

Die Elektropopper von Mia stehen nach 16 Jahren wieder beim Open Air auf der Bühne. Schlagzeuger Gunnar Spies blickt im Interview zurück.

Trebur – Die Elektropopper von Mia stehen nach 16 Jahren wieder beim Open Air auf der Bühne. Als sie im Jahr 2003 das erste Mal beim Trebur Open Air war, stand die Berliner Band Mia noch am Anfang ihrer Karriere. In diesem Jahr kommt sie wieder. Mittlerweile ist sie in Sachen elektronischer Musik eine feste Größe in Deutschland geworden.

Schlagzeuger Gunnar Spies erzählt im Interview mit Redakteur Sven Westbrock von seinen Erinnerungen an Trebur, davon, wie sich das Leben auf Tour verändert hat, vom Umgang mit Rechtsextremen und von der Arbeit am neuen Album. 

Hallo Gunnar, vor unserem Gespräch hast du mir geschrieben, dass du im Zug sitzt. Wo erwische ich dich jetzt?

Ich bin gerade zu Hause in Berlin angekommen. Bleibe aber nur kurz. Der Festivalsommer hat uns schon eingeholt.

Was war da bislang das schönste Erlebnis?

Ein großartiges Erlebnis hatten wir kürzlich auf dem Zürich-Pride-Festival. Die haben dort Jubiläum gefeiert, direkt am Zürichsee. Trotz Wolkenbruch am Abend war das fantastisch.

Vergangenes Jahr habt ihr in Groß-Gerau bei "Volk im Schloss" gespielt. Welchen Eindruck hat der Auftritt bei euch hinterlassen?

Die Atmosphäre war sehr familiär. Ich habe einen langen Spaziergang ums Schloss herum unternommen. Super nette Leute waren am Start. Die haben sich tierisch Mühe gegeben.

Ende Juli kommt ihr wieder in die Gegend. Und zwar zum Open Air nach Trebur. 16 Jahre ist es her, da standet ihr dort schon einmal auf der Bühne. Kannst du dich noch erinnern?

Es war auf jeden Fall warm. Nach unserem Auftritt hatten wir noch Zeit, ins Freibad zu springen. Ich hatte den Eindruck, auf einem Festival zu sein, das mit Liebe gemacht wird, das authentisch in der Region gewachsen ist und wo keiner von außen mit ganz viel Geld kommt.

Ihr macht seit mehr als zwei Jahrzehnten gemeinsam Musik. Wie hat sich das Tourleben in dieser Zeit verändert?

Wir haben inzwischen Familien gegründet, die besucht werden wollen. Deren Mitglieder fahren auch manchmal mit. Allerdings ging es bei uns in der Band schon immer familiär zu. Jetzt ist es so, dass wir noch sorgfältiger aufeinander achten, wenn wir unterwegs sind. Besonders bei Bands, die es schon länger gibt, kommt es ja vor, dass die Musiker getrennt voneinander zum Konzert kommen. Das gibt es bei uns zwar auch, hat dann aber meistens organisatorische Gründe. Ich finde es toll, dass wir trotzdem nach wie vor eine Art "Gang" sind.

Ihr kommt aus einem eher links geprägten politischen und gesellschaftlichen Umfeld. 2003, als ihr zum ersten Mal in Trebur wart, musstet ihr euch Kritik wegen angeblicher nationalistischer Töne im Song "Was es ist" anhören. Spielt ihr das Stück heute noch?

Die Frage war für uns damals, ob es möglich und oder nötig ist, sich positiv auf einen Heimatkontext zu beziehen, den man als Deutschland zusammenfasst. Heute würden wir das Lied so wahrscheinlich nicht mehr schreiben. Wenigstens würden wir uns noch länger darüber streiten, ob wir ihn rausbringen. Live spielen wir mittlerweile einen Remix des Songs, der mit weniger Text auskommt.

Nationalistische Gedanken haben in Deutschland in den vergangenen Jahren mehr und mehr Zuspruch bekommen. Spielt das für eure Arbeit als Musiker eine Rolle?

Definitiv. Etwa, wenn wir jetzt bei Live-Shows mit Schwimmweste auf der Bühne stehen und darüber reden, was eigentlich gerade im Mittelmeer los ist. Wir schreiben unsere Songs, so wie es aus uns herauskommt. Ich nehme niemandem übel, wenn er keine politischen Songs macht. Das kann auch ein politisches Statement sein. Am Ende ist es immer noch Kunst. Wir haben den Auftrag, das zu machen, was uns bewegt. Aber manche persönliche oder globale Themen lassen sich vielleicht nicht in Worte fassen, obwohl sie einen wahnsinnig bewegen. Am Ende ist die Frage, was dabei rumkommt. Ich will keinen beschissenen Erklärbär-Text darüber, wie scheiße Nazis sind. Politik fängt für uns da an, wo zwei Menschen anfangen, miteinander umzugehen.

Muss man mit Rechtsextremen reden?

Ich fühle mich nicht gut dabei, Menschen Toleranz entgegenzubringen, deren eigenes Weltbild frei davon ist und in vielfältiger Hinsicht keine Andersartigkeit duldet. Das ist meine persönliche Meinung. Ich glaube aber innerhalb der Band gibt es da keine großen Abweichungen.

Kommen wir wieder zur Musik. Was würdest du sagen, wie sich euer Stil über die Jahre verändert hat?

Das ist schwierig zu sagen, weil wir von Anfang an eine Band mit einem ziemlich heterogenen OEuvre waren. Wir haben schon genug damit zu tun, Musik zu machen. Einsortieren sollen sie die Hörer.

Euer letztes Album ist 2015 erschienen. Wann erscheint ein Neues?

Im September, spätestens Anfang Oktober wird es neue Musik von uns geben. Das Album folgt dann in der ersten Jahreshälfte 2020.

Weshalb die dann fünf Jahre Pause zwischen den beiden Platten?

Wir haben uns für das neue Album Zeit genommen, vorher viele Dinge erledigen müssen und wollen. Haben viele Partnerschaften, die sich über Jahre bewährt hatten, infrage gestellt und verändert. Vor etwa zwei Jahren waren wir dann an einem Punkt, an dem wir uns frei entscheiden konnten, wie es weitergehen soll. Wir haben uns bewusst nicht unter Druck gesetzt, sondern uns so lange die Zeit genommen, bis die Sachen formbar und aussprechbar waren. Im vergangenen Herbst haben wir dann angefangen, konkret am Album zu arbeiten. Jetzt sind wir auf einem guten Weg.

Und wie wird es klingen?

Da möchte ich noch nichts zu sagen. Allerdings habe ich über die Jahre gelernt, dass man ein Album auch an der Arbeit daran messen sollte. Und da kann ich sagen: Sie macht auf jeden Fall viel Spaß.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare