So kennt man den Ortsteil Hessenaue und so soll es nach dem breiten Willen der Bevölkerung auch bleiben. Neubauvorhaben müssen daher besonders sensibel gehandhabt werden.
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So kennt man den Ortsteil Hessenaue und so soll es nach dem breiten Willen der Bevölkerung auch bleiben. Neubauvorhaben müssen daher besonders sensibel gehandhabt werden.

Bauprojekt

Trebur will das ländliche Flair bewahren

"Wohnen am See" in der Hessenaue in Trebur ist jetzt nur noch mit zwei statt vier Häusern vorgesehen.

Der Treburer Ortsteil Hessenaue steht seit einiger Zeit im Brennpunkt des Interesses. Ein Investor will in der Feldstraße das Grundstück am See bebauen. Das Vorhaben "Wohnen am See" hat bereits einige Hürden in der Gemeindevertretung genommen, doch gleichzeitig hat die Kritik besonders bei den Bürgern der Hessenaue mehr und mehr zugenommen. Dementsprechend hat die Verwaltung jetzt gehandelt und will die Bewohner wieder stärker einbinden. Für "Wohnen am See" könnte das Folgen haben.

Wie Bürgermeister Jochen Engel (Freie Wähler) bei der ersten regulären Ausschusssitzung nach der Kommunalwahl den Fraktionen und den zahlreichen Zuschauern berichtete, seien die beiden derzeit laufenden Bebauungsplanverfahren ausgesetzt. Dabei handelt es sich zum einen um ein privates Bauvorhaben an der Niersteiner Straße, das nicht in der Kritik steht. Höchst umstritten bei den Bewohnern der Hessenaue ist dagegen das Vorhaben "Wohnen am See", zu dem es bereits eine Unterschriftenaktion gegeben hat. Die Kritik der Bewohner: Diese Bebauung greife massiv in das Ortsbild ein, verändere nachteilig den Charakter von Hessenaue.

Hessenaue Trebur: Das Konzept überarbeiten

"Wir wollen das städtebauliche Konzept überarbeiten", bekräftigte der Bürgermeister im Ausschuss. Die Stimmung bei der Bevölkerung gegenüber "Wohnen am See" sei ziemlich emotional, wie ein kürzlicher Ortstermin gezeigt habe. Bürgermeister Engel ging auch auf den Bolzplatz ein, auf dessen Areal noch zwei Häuser vorgesehen sind. "Aber tatsächlich lässt sich das wohl nicht realisieren."

Ideal wäre laut Bürgermeister Engel, von dem aktuellen städtebaulichen Konzept hin zu einem einheitlichen Bebauungsplan für den gesamten Ortsteil Hessenaue zu kommen, wo immerhin 13 weitere Baumaßnahmen auf der Agenda stehen. 13 einzelne Bebauungsplanverfahren wären nicht zielführend und außerdem zu teuer, was die übergeordnete Bauaufsicht bereits moniert habe. Die Verwaltung habe bei den 13 potenziellen Bauherren eine Abfrage gestartet, neun hätten bislang eine Rückmeldung gegeben.

Wolfgang Schulz von der Planungsgruppe Darmstadt, der sich seit zehn Jahren mit dem Thema beschäftigt, erinnerte im Ausschuss an die Ursprünge des städtebaulichen Konzepts im Jahr 2012. Damals sprach sich die Mehrheit der Bürger für mehr als einen Neubau pro Hof aus.

Hessenaue Trebur: Infoveranstaltung ist vorgesehen

Nach einigen Jahren der politischen Diskussionen, in den die Bürger eingebunden waren, wurde im November 2016 ein städtebauliches Konzept auf den Weg gebracht, das zwei Neubauten pro Hof vorsieht, vier Neubauten bei einem Eckgrundstück. Zu "Wohnen am See" waren, obwohl kein Eckgrundstück, allerdings bislang vier Häuser vorgesehen. Dies soll auf zwei Häuser angepasst werden. Zulässig wären demnach zwei bis drei Wohneinheiten pro Neubau, der wiederum maximal zwei Vollgeschosse haben darf. Der Abstand zur Straße muss mindestens fünf Meter betragen, in der Feldstraße zehn Meter. Eine Neubebauung in zweiter Reihe ist nicht zulässig. Übergeordnetes Ziel war und ist, das charakteristische Gesicht der Hessenaue bewahren. In den vergangenen fünf Jahren wurde an dem Grundkonzept im Großen und Ganzen nichts geändert.

Die Verwaltung plant, zu diesem Thema eine Informationsveranstaltung für die Bürger anzubieten. Schließlich soll die so aktualisierte Thematik in die politischen Gremien gebracht werden. Das städtebauliche Konzept soll dann als Leitfaden für den neuen Bebauungsplan dienen.

Und was sagt der Investor von "Wohnen am See", die Aschaffenburger Dreger Immobiliengruppe, zu dem Thema? Geschäftsführer Jens Seifert wollte im Ausschuss wissen, wie verbindlich ein Bebauungsplan ihm Sicherheit biete. Bürgermeister Engel versicherte, dass man ein Konzept finden wolle, das möglichst breite Akzeptanz biete, verbunden mit einer breiten Mehrheit in der Gemeindevertretung. Auf Nachfrage dieser Zeitung gab Seifert dem Vorhaben "Wohnen am See" mit nur zwei Häusern kaum eine Chance.

Von Ralph Keim

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