Drei Generationen, eine Bäckerei: Harald, Colin und Gerd Abels mit frischen Plätzchen. FOTO: Als
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Drei Generationen, eine Bäckerei: Harald, Colin und Gerd Abels mit frischen Plätzchen.

Verbraucher

Wird das Brötchen zum Luxus?

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Preise für Getreide enorm gestiegen - Brot wird teurer

Das Frühstücksbrötchen könnte in Kürze für viele Bürger im Kreis nicht mehr ganz so selbstverständlich werden. Denn die Preise für Brotgetreide sind schon im September um gut ein Drittel gestiegen. Generell waren die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte im September 2021 um 13,3 Prozent höher als im September 2020. Gegenüber August 2021 sind die Preise allerdings um 1,3 Prozent gefallen. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresmonat vor allem die Preise für pflanzliche Erzeugnisse. Sie lagen im September 2021 um 21,9 Prozent höher als im September 2020.

Davon kann auch Bäckermeister Gerd Abels aus Trebur ein Lied singen. "Seit 25 Jahren bin ich selbstständig, sowas habe ich noch nicht erlebt", sagt er über die Preissteigerungen für Getreide.

Nicht alles gleich stark betroffen

Diese lagen im September 2021 um 33,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im August 2021 hatte die Veränderung plus 34,4 Prozent betragen. Nicht alle Produkte sind von den Steigerungen jedoch gleich stark betroffen, wie Bäcker Abels weiß. "Es hängt davon ab, welches Getreide genutzt wird. Weizen ist etwa derzeit noch eher günstig, Vollkornmehl ist deutlich teurer." Von anderen Zutaten, wie etwa Milchprodukten, die etwa für Schokocroissants oder Weihnachtsgebäck genutzt werden, mal ganz abgesehen. Denn auch diese steigen derzeit kräftig im Preis.

Ausschlaggebend für die Preissteigerungen bei Getreide ist die hohe Nachfrage sowohl bei deutschen Mühlen als auch aus dem Ausland. Aber auch der Trend weg vom Fleisch hin zu mehr Anteilen von pflanzlichen Produkten an der Ernährung spielt dabei eine Rolle.

"Ich beziehe normalerweise mein Getreide vom Bauern von der Hessenaue, aber auch dort muss ich bald mehr zahlen, denn andere bieten einfach mehr", sagt Gerd Abels. Er macht jedoch klar: "Die Rohstoffkosten sind nur ein kleiner Teil vom Preis eines Brötchens."

Sohn Colin Abels, selbst frischgebackener Bäckermeister, rechnet vor: "Wenn ein Spitzweck 38 Cent kostet, dann sind vielleicht vier Cent davon tatsächlich die Rohstoffe." Der Rest sind Personalkosten und andere Faktoren, wie etwa Energiekosten. Doch auch dort steigen derzeit die Preise enorm. Selbst die Logistik wird teurer. "Wo früher eine Lieferung 80 Euro gekostet hat, kostet sie mittlerweile 100 Euro. Irgendwann muss sich das auf den Preis auswirken."

Angestellte gut bezahlen

Gerd Abels ist daher sicher: "Um eine Preissteigerung werden wir gar nicht drum rum kommen." Wie hoch diese ausfallen werde, dies müsse man dann sehen. "Bei einem Brötchen wird es vielleicht drei, vier Cent nach oben gehen. Bei anderen Produkten könnte es deutlich mehr sein." Für Abels, der mit Leib und Seele gerne in seiner Backstube steht, ist es eine Enttäuschung. "Ich will ja, dass die Leute zu uns kommen und unsere Produkte kaufen." Doch die Preissteigerungen seien unvermeidlich, schließlich wolle er seine Angestellten auch gut bezahlen. Und das bedeutet für ihn: mehr als der Mindestlohn. "Kleine Bäckereien wie wir werden am Stärksten getroffen", sagt er. Denn Großbäckereien, etwa für Discounter, produzieren eine solche Masse an Backwaren, dass sie Marktmacht genießen und damit auch Preise diktieren können. "Wenn ein Brötchen dort unter 20 Cent kostet, dann liegt das daran, dass jegliche Gewinnmarge ausgenutzt wird. Dazu zählen niedrige Löhne, Verlagerung der Produktion ins Ausland und so weiter." Für ihn komme das alles jedoch keinesfalls in Frage.

Er mache sich Sorgen, dass gerade Personen mit einem niedrigeren Einkommen in Zukunft seltener in die Bäckerei kommen werden. "Denn die Löhne steigen ja bei weitem nicht so viel wie die Rohstoffkosten aktuell. Er stellt jedoch klar: "Ich mache jenen, die es sich nicht leisten können keinen Vorwurf, aber durchaus jenen, die kaufen könnten, aber trotzdem beim Discounter kaufen", sagt er. Brot beim Bäcker um die Ecke dürfe kein Luxusprodukt werden. "Aber am Ende läuft es darauf hinaus, dass einige nur noch am Wochenende Brot und Brötchen beim Bäcker kaufen werden."

Dabei habe die Corona-Pandemie bei vielen Personen ein neues Bewusstsein für Brot geweckt. "Viele haben ja selbst angefangen Brot zu Backen und erlebt, wie toll das ist, selbst Hand an zu legen und etwas zu produzieren. Ich glaube viele Leute hatten davor kein Verständnis davon, wie viel Arbeit in einem Brotlaib steckt", sagt Gerd Abels. Nun hoffe er, dass die Preiserhöhungen diese Erkenntnis nicht zerstört. als/sc

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