Dreger-Geschäftsführer Jens Seifert. FOTO: PRivat
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Dreger-Geschäftsführer Jens Seifert.

Bauen

"Wohnen am See": Investor ist von der Politik enttäuscht

Deutliche Worte des Geschäftsführers der Dreger GmbH: Man sei auf die Politik zugekommen und davon ausgegangen, dass das Verfahren abgeschlossen werden kann. "Doch leider wurden wir eines Besseren belehrt."

Wie wird es mit dem geplanten Projekt "Wohnen am See" weitergehen? Sicher ist derzeit nur, dass das ursprüngliche Bauvolumen von fünf Häusern obsolet ist. Gut möglich, dass am Ende sogar nur zwei Häuser erlaubt sein werden dürfen. Gut möglich, dass dann aber der Investor, die Aschaffenburger Dreger Immobilien GmbH, abwinkt.

Deren Geschäftsführer Jens Seifert war oft bei den Ausschusssitzungen dabei und macht aus seiner Enttäuschung kein Hehl, zeigt sich über die politischen Entscheidungsträger verwundert: "Wir sind auf die Politik zugekommen, haben die Bebauung reduziert und sind davon ausgegangen, dass das Verfahren abgeschlossen werden kann. Doch leider wurden wir eines Besseren belehrt."

Im Frühjahr sei er sechs Tage vor Satzungsbeschluss von Bürgermeister Jochen Engel (Freie Wähler) informiert worden, dass das Thema von der Tagesordnung genommen worden sei.

"Keine verlässliche Politik betrieben"

"Ob es mit der damals bevorstehenden Kommunalwahl zusammenhing, bleibt offen. Aber es kam für uns absolut überraschend, weil es nicht nachvollziehbar ist. Die geplante Bebauung entsprach nämlich dem städtebaulichen Konzept", unterstreicht Seifert.

Der Geschäftsmann findet deutliche Worte: "Die Ablehnung der Politik wird künftige Investoren dazu bringen, an diesem Standort nicht zu investieren, da keine verlässliche Politik betrieben wird."

Das bekannte "Geben und Nehmen" sei bei "Wohnen am See" nicht der Fall gewesen. "Schlussendlich kann man sagen, dass eine Initiative in Hessenaue ohne sachliche Argumente ausreicht, um die Politik von ihrem Weg abzubringen."

Bürgermeister Engel kann die Enttäuschung zumindest nachvollziehen. "Wir hatten ihm nach dem Widerstand der Bürger aber auch deutlich erklärt, dass wir nach früheren Großprojekten wie dem Logistikzentrum in dieser Hinsicht inzwischen sehr sensibilisiert sind, die Ängste und Bedenken der Menschen sehr ernst nehmen und daher ein solches Projekt nicht gegen alle Widerstände durchwinken."

Es bleibe die freie Entscheidung von Dreger, ob man mit den geänderten Rahmenbedingungen leben könne oder sich zurückziehe. Jens Seifert spricht auch für den Grundstückseigentümer, der ebenfalls davon ausgegangen sei, dass die Politik eine Baugenehmigung erteilt.

"Wie er mit der Situation umgeht, können wir nicht sagen. Eines ist aber sicher: Eine Nachnutzung wird diese Liegenschaft bekommen. In welcher Form, das können wir heute aufgrund des aktuellen Standes nicht sagen."

Entscheidung steht noch aus

Seifert sieht ein, dass das Projekt "Wohnen am See" eine Veränderung für Hessenaue darstelle. "Und wenn Neues entsteht, ist der Mensch von Natur aus erstmal skeptisch. Aber wir bedauern es sehr, dass sachliche und nachweisliche Belege seitens der Politik nicht anerkannt werden." Ein einfaches "Wir wollen nicht, dass am See gebaut wird" reiche aus, um künftige Investoren von der Kommune Trebur abzuwenden. Und ob Dreger als Investor oder der Grundstückeigentümer grundsätzlich an "Wohnen am See" festhalten, sei zum heutigen Zeitpunkt nicht offen. Erst einmal wolle man abwarten, ob das Bauleitverfahren abgeschlossen wird oder ob es eine Initiative wieder zum Scheitern bringe.

"Laut Informationen des Grundstückeigentümers soll das Grundstück jedoch im Oktober baureif gemacht werden, die bestehende Bebauung samt der Büsche entfernt werden", so Seifert.

Bürgermeister Engel räumt ein, dass es sicherlich unglücklich gelaufen sei, da der deutliche Widerstand gegen das Projekt erst kurz vor Schluss aufgekommen sei. "Dennoch bin ich froh, dass die Hessenauer offen ihre Meinung gesagt haben, denn genau das fordern wir als Kommunalpolitiker ja immer wieder ein."

Und die Kommunalpolitik habe aus der Vergangenheit gelernt, bei den Anliegen ihrer Bürger genauer hinzuhören. "Und ich finde, das gilt es auch zu respektieren", so Engel.

Aber erst einmal stehe noch die Entscheidung der Gemeindevertretung aus, ob das Vorhaben tatsächlich von vier auf zwei Häuser verkleinert wird. "Inwieweit sich das Vorhaben des Investors unter den dann geltenden Rahmenbedingungen umsetzen lässt, kann letztlich nur er selbst entscheiden." Ralph Keim

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