Kleinere Einkäufe erledigt Hans-Dieter Zentgraf bei gutem Wetter gerne mit seinem alten Opel-Rad.
+
Kleinere Einkäufe erledigt Hans-Dieter Zentgraf bei gutem Wetter gerne mit seinem alten Opel-Rad.

Porträt

Zwei Drahtesel mit Geschichte

  • VonMareike Stich
    schließen

Hans-Dieter Zentgraf beweist, dass ein Opel nicht immer vier Räder haben muss

Gegen eine Flasche Schnaps habe er das Opel-Damenrad vor rund zwei Jahren eingetauscht, berichtet Hans-Dieter Zentgraf lachend. Nun benutze er es für kleinere Erledigungen im Ort, wenn das Wetter es zulasse. Vorgänger war sein Opel-Herrenrad. Altersbedingt sei er auf die Variante ohne das sogenannte Oberrohr, wie es bei den Herrenrädern üblich ist, umgestiegen.

Die beiden Drahtesel liegen dem Treburer am Herzen, schließlich hat die Firma Opel einen großen Stellenwert in seiner Biografie. Er selbst hat sein ganzes Berufsleben dort verbracht, von der Ausbildung, die er mit 14 Jahren begann, bis zum Eintritt in den Ruhestand 2005 mit 58 Jahren.

Zentgraf lernte Modelltischler und hat danach im Bereich Fahrzeugsicherheit gearbeitet. "Wir haben Crashtests gemacht und auch mit den Feuerwehren zum Thema Rettung aus verunfallten Fahrzeugen zusammengearbeitet. Das war eine sehr schöne Zeit, ich bereue keine Minute", schwärmt der Ruheständler. Seine Arbeit habe ihm immer unheimlich viel Spaß gemacht.

Geboren ist Zentgraf in Rüsselsheim. "Wenn da jemand Nachwuchs bekam, wurde der auf den Arm genommen und ihm wurde der alte Opel-Schornstein gezeigt", berichtet er. "Da verdienst du später mal dein Geld", habe man dann gesagt. 1980 zog Zentgraf mit seiner Frau nach Trebur, wo sie das Haus bauten, in dem sie noch heute leben.

Von der Pfalz nach Rüsselsheim

Zentgrafs Großvater kam einst wegen Opel aus der Pfalz zum Rüsselsheimer Autobauer. "Er hatte eigentlich eine Ausbildung zum Schreiner gemacht, aber bei Opel war er dann Obermeister in der Produktion", berichtet Zentgraf. Sein Vater habe sein ganzes Leben bei Opel gearbeitet, so wie er selbst. Und auch seine beiden Söhne haben ihre Ausbildung bei Opel absolviert. Die seien dann aber weggegangen, da sie als Ingenieure in der Firma nicht das gewünschte Betätigungsfeld gefunden hätten. Selbst seine Frau habe, bis die Kinder kamen, im Einkauf der Firma gearbeitet.

Leider habe sich der Autobauer in den Jahren seit seinem Weggang sehr verändert. "Wenn ich sehe, was da passiert, das kann ich gar nicht verstehen." Die vielen Leute, die entlassen worden seien und die vielen Bereiche, die es gar nicht mehr gebe, das sei einfach nur beängstigend. Für die Zukunft wünsche er sich, dass es in irgendeiner Form weitergehe und "die jungen Leute einen sicheren Arbeitsplatz haben".

"Ich restauriere nicht, ich pflege nur"

Doch zurück zu den Fahrrädern. Die sind echte Oldtimer, das Herrenrad ist Baujahr 1933 und das Damenrad sogar noch ein Jahr älter. Leider habe der vorheriger Besitzer das Damenrad überlackiert. Das Herrenrad hingegen sei noch im Originalzustand. "Ich restauriere nicht, ich pflege nur", betont Zentgraf. Ein hübsches Detail und ein Stück Firmengeschichte, ist das kleine, rote Schild mit der Fahrradnummer. "Wenn man so eine Nummer hatte, konnte man sein Rad während der Arbeit auf dem Werksgelände auf einem bewachten Parkplatz abstellen", weiß er.

Heiß begehrt seien heute die kleinen Zeppeline auf den vorderen Schutzblechen. Das sei das Erkennungszeichen der Opel-Räder gewesen, "auf die muss man gut aufpassen". Auch die großen Scheinwerfer vorne sind noch Originalausstattung und voll funktionstüchtig. Beim Herrenrad ist noch der ursprüngliche Sattel vorhanden, nur das Leder habe er einmal selbst ausgewechselt, erklärt Zentgraf. Vielleicht sollte sich Rüsselsheim den radelnden Opel-Senior aus Trebur zum Vorbild dafür nehmen, dass sich eine fahrradfreundlichere Stadt und die Anerkennung der Bedeutung Opels für Rüsselsheim nicht gegenseitig ausschließen. Maraike Stich

Dieses alte Foto zeigt Hans-Dieter Zentgraf bei seiner Arbeit im Bereich Fahrzeugsicherheit.
Wer eine solche Nummer am Rad hatte, konnte es während der Arbeit auf einem bewachten Platz abstellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare