Tobias Wilbrand

Der Überraschungssieger bereitet sich auf das neue Amt vor

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Der Überraschungssieger der Bürgermeisterwahl, Tobias Wilbrand (Grüne), bereitet sich auf sein neues Amt vor. Er baut auch auf die Unterstützung seines Vorgängers.

Die Stimme ist noch etwas rau am Telefon, aber der frisch zum Bürgermeister von Egelsbach gekürte Tobias Wilbrand ist topfit. „Ich habe gedacht, ich lasse es heute mal ganz ruhig angehen – aber daran ist nicht zu denken“, sagt der Wahlsieger von Sonntag lachend. Die Feier mit seinen grünen Parteikollegen in der Kulturscheune habe nicht lange gedauert. Alle seien sehr euphorisch gewesen, aber um Mitternacht war die Party vorbei.

„Aber ich konnte nicht schlafen bis um 2 Uhr, und danach war die Nacht auch nicht sonderlich ruhig“, berichtet der immer noch sehr überraschte Sieger. „Ich habe es noch einmal genau betrachtet, so eng war es gar nicht“, so Wilbrand. Das stimmt, denn der Herausforderer hat mehr als 200 Stimmen Vorsprung. Im ersten Wahlgang hatte er noch gut 500 Stimmen zurückgelegen. „Ich finde das unglaublich.“ Jetzt bereitet sich Wilbrand auf sein neues Amt vor. Er hofft, dass Amtsvorgänger Jürgen Sieling (SPD) ihn unterstützt und schon jetzt Einblick gewährt, um den Einstieg am 20. Juni zu erleichtern.

Der selbstständige Personalberater fühlt sich organisatorisch auf sicheren Beinen, in den Verwaltungsfragen wird er sich schlaumachen. „Für Jürgen Sieling tut es mir leid. Aber Egelsbach hat so entschieden“, sagt der 46-Jährige. Jetzt gilt es, alles zu organisieren, und dann soll es über Ostern mit der Familie noch mal richtig in die Ferien gehen.

Die SPD leckt hingegen ihre Wunden. Daniel Görich, Fraktionsvorsitzender, bedauert den Wahlausgang: „Jürgen hat sechs Jahre lang eine sehr gut Arbeit geleistet.“ Sieling habe einen tiefroten Haushalt von Amtsvorgänger Rudi Moritz übernommen und ihn auf solide Beine gestellt, Egelsbach ohne große Verluste durch den Schutzschirm geführt und eine Kinderbetreuung organisiert, die so im ganzen Kreis nicht zu finden sei. „Ich bin überrascht und traurig, dass Jürgen die vielen guten Ideen, die zum Teil schon angestoßen sind, wie die Wohnungsbaugesellschaft oder der Radschnellweg, nicht mehr umsetzen kann.“

CDU-Fraktionschef Thomas Irmler gratuliert: „Es war knapp, aber das Ergebnis ist schon überraschend. Tobias hat die latent vorhandene Unzufriedenheit der Egelsbacher aufgenommen und mit weichen Faktoren wie mehr Bürgerbeteiligung und Kommunikation zwischen den Bürgern und den Parteien gepunktet. Jetzt muss er liefern – aber das trauen wir ihm zu.“ Für den im ersten Wahlgang gescheiterten Axel Vogt (FDP) wird jetzt der „zweitbeste Mann“ Bürgermeister. „Das war eigentlich auch mein Plan. Ich hatte fest an eine Abwahl von Jürgen Sieling geglaubt“, sagt er ein bisschen enttäuscht Vogt wünscht dem neuen Bürgermeister eine gute Hand im Egelsbacher Rathaus: „Aber er muss jetzt vieles einhalten, was er angekündigt hat und muss sich schnell einarbeiten.“

(njo)

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