Der erste Brennstoffzellenbus im Kreis Groß-Gerau wird auf der Linie 42 eingesetzt. Foto: Daniela Hamann
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Der erste Brennstoffzellenbus im Kreis Groß-Gerau wird auf der Linie 42 eingesetzt. Foto: Daniela Hamann

Nahverkehr

Mit Wasserstoff statt Diesel

  • vonDr. Daniela Hamann
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Im Kreis Groß-Gerau fährt jetzt der erste Brennstoffzellenbus. Getankt wird vorerst noch in Höchst.

Groß-Gerau -Von außen und auch im Innern sieht der Solo-Bus wie ein ganz normaler Verbrenner aus. Nur der große Schriftzug auf der Seite verrät, dass es sich hierbei um eine emissionsfreie Technologie handelt: Die Brennstoffzellen-Technologie. Seit gestern ist der erste Brennstoffzellenbus in der Flotte der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft mbH Groß-Gerau (LNVG) in Betrieb. "Wir hätten den ersten emissionsfreien Bus gerne schon früher in Betrieb genommen. Doch durch Probleme am Markt und aufgrund der Corona-Krise hat es nun doch etwas länger gedauert", stellt Landrat Thomas Will (SPD) bei der gestrigen Vorstellung des neuen, auf der Wasserstofftechnologie basierenden Solo-Busses, auf dem Parkplatz des Landratsamts fest.

Mit der Aufnahme des Busses in den öffentlichen Nahverkehr des Kreises möchte das Landratsamt einen "großen Schritt nach vorn" gehen. "Wir haben trotz Corona an dieser Technologie festgehalten", bemerkt auch Walter Astheimer (Grüne), Erster Kreisbeigeordnete.

Bis 2028 komplett umstellen

Denn bereits vor zwei Jahren hat der Aufsichtsrat der LNVG den Beschluss gefasst, den öffentlichen Personennahverkehr im Kreis nach und nach emissionsfrei zu machen und so die gesteckten Klimaziele zu erreichen. "Das Ziel ist, dass bis 2028 nur noch Brennstoffzellenbusse auf den Straßen des Kreises unterwegs sind", so Will. Doch bis dahin sei es aus verschiedenen Gründen noch ein weiter Weg, wie auch Christian Sommer, Geschäftsführer der LNVG klarstellt. Denn nach wie vor warte man im Landratsamt auf einen neue Förderlinie des Bundes, die bereits in Aussicht gestellt wurde.

Ein Bus mit Brennstoffzellentechnologie kostet etwa das dreifache eines herkömmlichen Dieselbusses. Der Neupreis eines Solo-Busses beläuft sich auf etwa 650 000 Euro. Ein Gelenkbus schlägt sogar mit noch einmal 200 000 Euro mehr zu Buche. Mit dem in Aussicht gestellten Fördergeld würden jedoch 80 Prozent der Mehrkosten vom Bund getragen. So hat der Kreis jetzt den ersten Brennstoffzellenbus gebraucht erworben. Der Bus wurde 2012 gebaut und war zuvor in einer anderen Kommune in Betrieb. Seit gestern, 6.30 Uhr, wird der Bus auf der Linie 42 eingesetzt und fährt die Strecke Groß-Gerau, Dornheim, Wolfskehlen, Griesheim und wieder zurück nach Groß-Gerau.

"Wir sind gespannt, wie die Fahrgäste das neue Fahrzeug annehmen werden", meint Christian Sommer. Langfristig sei die Anschaffung von insgesamt 24 Brennstoffzellenbussen im Wert von rund 15 Millionen Euro geplant.

Technologie ist serienreif

Weitere emissionsfreie Busse dieser Technologie zu beschaffen, sei aktuell jedoch nicht so einfach. "Die Produktion und Entwicklung in diesem Bereich stagniert zurzeit etwas. Wir hoffen jedoch, dass es mit der fortschreitenden Verkehrswende einen weiteren Schub gibt", so Sommer weiter. Denn grundsätzlich sei die Brennstoffzellen-Technologie serienreif und zuverlässig.

Mit dem Erwerb des gebrauchten Brennstoffzellenbusses haben LNVG und Landratsamt ein neues partnerschaftliches Netzwerk aufgebaut. "Eine neue Technologie verlangt auch nach einer anderen Form der Wartung als bisher. Dieses Umfeld werden wir schaffen. Bis 2022/23 wollen wir in Groß-Gerau am Betriebshof eine Wasserstofftankstelle bauen und in Betrieb nehmen", verkündet Christian Sommer. Bis dahin werde der Bus in Höchst betankt, sagt Christian Winzenhöler von der Firma Hy2serv, die den Bus für den Kreis beschafft hat. Mit einer Tankfüllung hat der Bus eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern. Dies sei ein immenser Vorteil gegenüber reinen Elektrobussen, deren Akkus viel zu häufig und lange aufgeladen werden müssen, was den laufenden Betrieb massiv störe, so Winzenhöler.

Das Betanken eines mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeugs dauere dagegen genauso lange wie das Betanken eines Verbrenners. Doch im Gegensatz dazu ist das Abfallprodukt eines Busses mit Brennstoffzellentechnologie reines Wasser und keine umwelt- und gesundheitsschädlichen Abgase. Daniela Hamann

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