Wenn der Kirchturm Lebensraum bietet

Im Kirchturm der evangelischen Stadtkirche in Groß-Gerau lebt jetzt das Wanderfalken-Paar Helga und Karlheinz. Sie können live über eine Web-Kamera im Internet verfolgt werden.

Helga und Karlheinz kreisen anmutig um den Kirchturm der evangelischen Stadtkirche. Seit 2009 hat das Wanderfalken-Paar in Groß-Gerau wieder ein Zuhause. Der Naturschutzbund (Nabu) und die evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) werben mit der Aktion „Lebensraum Kirchturm“, damit das Beispiel Groß-Gerau bald viele Nachahmer findet.

Kirchtürme mit ihrem freien Anflug bieten ideale Nistplätze für bedrohte Vogelarten wie Falken und Eulen. Grund genug für ein Fernsehteam vom ZDF, die Falken in Groß-Gerau am Donnerstag zu filmen, um demnächst in ihrer Sendung „Drehscheibe“ am Beispiel Groß-Gerau über die erfolgreiche Kooperation von Kirche und Naturschutz zu berichten.

„Die Dächer hierzulande werden immer perfekter gebaut, ohne Höhlen und ohne Nischen. Daher wird es für Schleiereulen, Turmfalken, Mauersegler und Wanderfalken immer schwieriger, Brutplätze zu finden“, sagt Bernd Petri, Kreisvorsitzender des Nabu. Er hofft, dass sich viele Kirchen an der Aktion beteiligen, „damit für die bedrohten Arten ein Lebenstraum Wirklichkeit wird.“

Helmut Bernhard, Pfarrer der Stadtkirchengemeinde, lobt die Zusammenarbeit mit dem Nabu und vielen Ehrenamtlichen, wie Hans Mundschenk, der die Nist- und Brutkästen der Stadtkirche gebaut hat und immer wieder säubert. Mit Blick auf den anmutigen Anflug der Wanderfalken sagt er: „Hier sehen wir, wie toll Gottes Schöpfung ist. Sie gilt es zu bewahren. Ich freue mich, dass wir jetzt wieder ein Gespür dafür haben, dass unsere Kirchtürme Lebensraum bieten.“

Georg Balzhäuser hat eine Web-Kamera im Kirchturm installiert, so dass Interessierte die Falken auch jederzeit live über die Internetseite der Stadtkirchengemeinde unter beobachtet werden können. Die Agraringenieurin Maren Heincke vom evangelischen Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN begleitet als Ansprechpartnerin die Aktion „Lebensraum Kirchturm“, denn „dies ist ein Symbol für die Lebendigkeit, die mit den Tieren auch in die Kirchtürme einzieht“. Sie berät Kirchengemeinden, die sich an der Aktion beteiligen möchten. Sie ist telefonisch unter (0 61 31) 2 87 44-47 oder per E-Mail an m.heincke@zgv.info zu erreichen.

Kirchen, die sich besonders für den Artenschutz einsetzen, werden mit einer Urkunde ausgezeichnet und erhalten eine Plakette, die sie an ihrer Kirche anbringen können. In Hessen wurden bislang 61 Kirchen ausgezeichnet.

(fnp)

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