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Fans filmen fleißig Rapper Mero (hinten Mitte) beim Konzert in Wiesbaden am Mittwochabend.

Konzert in Wiesbaden

Dieser 18-jährige Rüsselsheimer erobert gerade die Rap-Szene

Finale in Wiesbaden: Zusammen mit Eno ist der Rüsselsheimer Shooting-Star Mero im ausverkauften Schlachthof zum letzten Tourtermin aufgetreten. Unsere Reporterin war mittendrin.

Wiesbaden - Jogginghose oder bunte, auffällige Klamotten wie immer? Bisher war ich nur auf rockigeren Konzerten gewesen, auch wenn ich beim Autofahren oder beim Duschen gerne Deutschrap höre, hatte ich Vorurteile gegenüber der Szene und vermied solche Veranstaltungen. Heute überzeuge ich, 19 Jahre alt, mich selbst und gehe auf das Konzert von Rapper Eno, wo auch Mero als Support-Act auftritt. Die Entscheidung fällt auf einen weißen Rollkragenpullover und eine schwarze Hose, einfach schlicht.

Als ich in der Bahn auf dem Weg zum Konzert sitze, höre ich mir als mentalen Warm-up die beliebtesten Songs der Künstler an. Neben mir sitzen Leute, die ich kenne, was meine Vermutung bestätigt: Viele Rüsselsheimer werden kommen.

Vorurteile bestätigt

Die Schlange zur Kasse scheint endlos, obwohl der Einlass angefangen hat. Da ich auf der Gästeliste stehe, muss ich mich nicht anstellen. Was wie eine Erleichterung scheint. Doch im nächsten Moment schießt mir durch den Kopf: Bestimmt pöbelt mich jemand an, weil ich mich vordränge. Wie reagiere ich, wenn mich jemand schubst?

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Mir fällt ein kleiner Stein vom Herzen, als keines der Horror-Szenarien eintrifft. Mir fällt auf, dass auch Teenies in Begleitung von Mama oder Papa am Konzert teilnehmen. Inmitten der Menschenmenge beschleicht mich ein mulmiges Gefühl. So alleine in einer Halle, ohne Internet, da fühlt man sich ein wenig fehl am Platz. Die Gespräche um mich herum bestärken mein Bauchgefühl „Hier gibt es ja gar keine Chayas“, sagt jemand hinter mir, was so viel bedeutet wie: Er findet die Mädchen hier unattraktiv. Total oberflächlich. Die Gemeinschaft unter den Fans ist traurig. Es wird rücksichtslos gedrängelt und gelästert, auf deutsch und türkisch. Das Mädchen vor mir scheitert zum dritten Mal beim Versuch, sich einen Zopf zu machen und klatscht mir ihre langen Haare erneut ins Gesicht. Sobald das Licht gedimmt wird und Mero die Bühne betritt, verfliegt die schlechte Stimmung.

Gute Laune

Die Menge tobt und rappt – zu meinem Erstaunen – textsicher mit, selbst die super-schnellen Parts. Die Bühne leuchtet mal dunkelrot, mal giftgrün. Die Lichteffekte und der bebende Bass unterstreichen das selbstbewusste Auftreten des Newcomers. Die Fans kreischen und jubeln, ihre gute Laune ist ansteckend und auch ich kann es mir nicht verkneifen, singe stellenweise mit. Irgendjemand raucht Gras im Saal, jedenfalls riecht es so.

Dem asozialen Gangster-Image wird jedoch keiner der Rapper voll und ganz gerecht. Ihre Fans behandeln sie respektvoll und zeigen, wie dankbar sie für die loyale Unterstützung sind, indem sie zwischen den Songs kurze Danksagungen halten und T-Shirts verschenken.

Mit silbernem Konfetti in den Haaren, das am Ende von der Decke schneite, mache ich mich auf den Weg nach Hause und unterhalte mich mit Fans, die sogar den weiten Weg aus Fulda aufnahmen. Die Erfahrung war es allemal wert, auch wenn ich vorerst lautstarken Deutschrap mit Freunden im Auto oder alleine unter der Dusche bevorzuge.

von Melis Ntente

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