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Großzügig versorgt Wanderführer Gerhard Linner seine Schäfchen mit Hochprozentigem zum Aufwärmen.

Wandern

Bei der Winterwanderung der Natur- und Vogelschutzgruppe zeigt sich gelegentlich auch das Federvieh

Eine Wanderung in heimischen Gefilden. Die bietet die Natur- und Vogelschutzgruppe Geinsheim immer zwischen den Jahren an. Bei dieser Gelegenheit sind neben traditionellen auch modernste Aufzeichnungstechniken im Einsatz.

Wer gestern zur Wanderung zu spät kommt, kann das nicht vertuschen. Unüberhörbar erschallt vom Glockenturm der evangelischen Kirche das ZehnUhr-Geläut. Vor deren Hauptportal ist der Treffpunkt zur Winterwanderung der Natur- und Vogelschutzgruppe Geinsheim.

„Wir machen das jedes Jahr“, berichtet Gerhard Linner, der zweite Vorsitzende des Vereins. Heute ist das Ziel der Wanderung das Restaurant La Terrazza in Wallerstädten, das auf dem Gelände des ehemaligen Safari-Parks liegt. Die Älteren werden sich noch an das große eingezäunte Gelände mit Löwen, Giraffen und anderen exotischen Tieren erinnern, durch das die Besucher in den 1970er Jahren mit ihren Autos hindurch fahren konnten. Heute rechnen die Umweltschützer eher mit der Sichtung von allerhand Federvieh. Am Moorloch könnten zum Beispiel Blässhühner, Schwäne und Stockenten den Weg kreuzen, berichtet Linner.

Ein Silberreiher zeigt sich

Nach einer knappen Begrüßung setzt sich die Gruppe in Bewegung. Kurz darauf ergibt sich auch schon die erste interessante Begegnung. In einem Wassergraben hat sich ein Silberreiher niedergelassen. Der sei in diesen Gefilden längst nicht so oft anzutreffen, wie sein Artgenosse, der Graureiher, freut sich Linner.

Da ist Dieter Seibel gleich zur Stelle und verewigt den eleganten Vogel mit seiner Digitalkamera ein. Der Rüsselsheimer ist dieses Jahr zum elften Mal in Folge bei der Winterwanderung dabei. „Weil es Spaß macht“, erklärt er. Seibel hält die Wanderung nicht nur fotografisch fest. Mit seinem Handy, das mit einer Halterung auf der Kamera befestigt ist, zeichnet er auch den Weg auf. „Später können alle unsere Wanderung im Internet auf Komoot.de nachverfolgen“, sagt Seibel.

Das letzte Jahr sei ein sehr erfreuliches gewesen, verrät Linner. Sechs junge Leute seien dem Verein beigetreten. Dabei sei der Anlass kein so erfreulicher gewesen. Mehrere Apfelbäume des Vereins mussten wegen der Pilzkrankheit Feuerbrand komplett ausgegraben und verbrannt werden. „Das war nicht einfach, die Erde war diesen Sommer hart wie Stein“, erinnert sich Linner. Doch Dank der Hilfe sechs junger Geinsheimer, alle Anfang dreißig, sei das Unternehmen gelungen. „Die haben auch noch gleich beim Heckenschnitt geholfen und sind dann dem Verein beigetreten“, berichtet Linner mit einem strahlenden Lächeln. Natürlich habe der Verein auch wieder neue Apfelbäume gepflanzt, ergänzt er noch.

Rast mit Stärkung

Jetzt ist es Zeit für eine erste Pause. Die Wanderer versammeln sich an einer Wegkreuzung und nehmen die kleinen Schnapsbecher aus Händen ihres Wanderführers entgegen. Der hat gleich drei Sorten Hochprozentiges in seinem Rucksack dabei. Ein Klarer, ein Doppelkorn mit geheimer Zutat und ein Likör stehen zur Auswahl. Nach dem gemeinsamen Anstoßen setzt sich die Gruppe wieder in Bewegung, der Großteil der Strecke liegt noch vor ihnen.

von MARAIKE STICH

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