Die Ortseinfahrt nach Nauheim sieht chaotisch aus. Eine Bürgerinitiative will sich dafür einsetzen, dass der Waldrand aufgeräumt wird. Foto: Rainer Beutel
+
Die Ortseinfahrt nach Nauheim sieht chaotisch aus. Eine Bürgerinitiative will sich dafür einsetzen, dass der Waldrand aufgeräumt wird.

Nach Sturm 

Roland Kappes will am Waldrand  Ordnung schaffen

  • vonRainer Beutel
    schließen

Am Friedhofswald in Nauheim hat ein Sturm Bäume umgeweht. Das stört einen engagierten Bürger. 

Nauheim – Was brennt den Bürgern unter den Nägeln? Liegt womöglich noch mehr im Argen als die von einem Sturm umgewehten Bäume am Friedhofswald? Handwerker Roland Kappes will sich darum kümmern und lädt zu einer Gesprächsrunde ein, in der jeder sagen soll, was ihm auf dem Herzen liegt.

Die Gesprächsrunde beginnt am Donnerstag, 5. März, um 16 Uhr in der Gaststätte "Zum Rosengarten". "Willkommen ist jeder", betont Kappes. Er spendiere Kreppel für alle und stelle eine Spendendose auf, um für weitere Aktionen zu sammeln.

Es sei Zeit, dass was unternommen werde, betont er. Beim Neujahrsempfang habe er sich bestätigt gefühlt. Landfrauenvorsitzende Anne Dammel hatte angeregt, dass ein Trupp Freiwilliger den Waldrand am nördlichen Ortseingang aufräume. Kappes sagt: "Mit ,Wir schaffen das' kommen wir nicht weiter. Besser ist, wir packen es an."

Der Handwerker ist dafür bekannt, dass er hält, was er verspricht. Seinen Worten lässt er Taten folgen. Vor wenigen Jahren hat er mit seinen Mitarbeitern kurzerhand das Hegbachseeufer von Gestrüpp befreit. Einfach so. Ohne jemanden zu fragen und ohne dafür etwas zu verlangen.

Bald darauf kümmerte er sich um einen Zaun am Gottesacker. Er stopfte Lücken und verhinderte, dass Wild weiterhin auf den Friedhof eindringt und Gräber zerstört. Schließlich sorgte der Gerüstbauermeister mit einem Provisorium dafür, dass nach einem Brückenabriss der Schwarzbach noch überquert werden konnte. Dafür erhielt Kappes viel Beifall, aber auch Kritik. Dies vor allem von jenen, die die behördlich vorgeschriebenen Wege eingehalten wissen wollen. Jetzt ist er etwas vorsichtiger. Er sagt, wenn es eine Genehmigung gebe, dass der Wald am Ortseingang aufgeräumt werden dürfe, dann fange er mit seinen Leuten und hoffentlich vielen Freiwilligen sofort an.

Dem Vorhaben steht derzeit ein Parlamentsbeschluss entgegen. Es heißt, alles bleibe so liegen. Der Wald solle sich nach dem Windwurf selbst verjüngen. Dass er dazu gar keine Chance habe, weil Äste, Stämme und Wurzeln einfach zusammengeschoben worden seien, kritisiert Kappes massiv. So wie es dort aussehe, würden Wildschweine geradezu angelockt.

Nauheim: Auflagen erschweren Arbeit

Seine Initiative nennt er "Nauheimer in Nauheim für Nauheim". Schon jetzt fallen ihm weitere "Baustellen" ein. Etwa die fehlenden Kita-Plätze. Für ihn ist es unverständlich, dass die Gemeinde nicht weiter dem Angebot eines Bürgers nachgegangen ist. Dieser habe eine Hofreite für einen Kindergartenbauernhof zur Verfügung stellen wollen. Kinder hätten dort auf besondere Weise betreut werden können. "Aber nein, wenn da mal ein Huhn wäre oder eine Katze vorbei kommt, geht das bei uns nicht wegen der Hygiene", vermutet Kappes einen Grund für die Ablehnung.

Er findet, die Leute sollten sich nicht mehr alles gefallen lassen und selbst die Initiative ergreifen. Alles natürlich innerhalb der gesetzlichen Möglichkeiten. Bisweilen gebe es unüberwindbare Hindernisse, berichtet der Mann, der zu seinem 50. Geburtstag vor einigen Jahren auch schon Sänger Heino in die Musikgemeinde geholt hatte. Mittlerweile habe er Enkel, für die Kita-Plätze benötigt würden. Als er sich erkundigt habe, wie es wäre, selbst für eine Kinderbetreuung zu sorgen, sei er angesichts der unendlich vielen Auflagen gegen eine Wand gelaufen.

Kappes geht davon aus, dass "Nauheimer in Nauheim für Nauheim" noch viel tun und erreichen könnten. Es müssten nur viele an einem Strang ziehen, so wie es die Landfrauenvorsitzende betont habe. Er versichert, an vorderster Stelle mitzuarbeiten. Und um zu erfahren, was alles getan werden müsse, habe er zu der Gesprächsrunde eingeladen. Er hofft, dass sich viele Eltern und Großeltern einbringen. Wie jene, die "nicht einfach nur tatenlos zusehen wollen, wenn nichts passiert".

Von Rainer Beutel

Bürger kritisieren „beschissene Zustände“ in Nauheim (Kreis Groß-Gerau): Illegaler Müll und verdreckte Toiletten sorgen für Ärger.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare