Wohnprojekt ist eine Erfolgsstory

2013 startete in Ginsheim das Projekt Mehrgenerationenwohnen des Vereins „LebensAlter“ Fünf Jahre später ziehen die Verantwortlichen ein durchweg positives Fazit.

Vor gut einem Jahr gab es im Leben von Heino Oertel Veränderungen. Für den heute 68 Jahre alten Rheinländer stand ein Umzug an. „Meine Partnerin und ich wollten in ein Mehrgenerationenhaus ziehen“, erinnert sich Oertel. Über das Internet fand er das Projekt des Vereins „LebensAlter“. Er nahm Verbindung auf und bekam den Zuschlag. Seit einem Jahr lebt Heino Oertel in dem Mehrfamilienhaus gegenüber der katholischen Kirche von Ginsheim. „Wir haben die Entscheidung nie bereut. Hier passt alles.“

Von außen unterscheidet sich dieses Haus überhaupt nicht von Mehrfamilienhäusern, wie sie in jeder Kommune stehen. Auch der Laie sieht, dass es erst ein paar Jahre alt ist, genau gesagt: fünf Jahre. Denn 2013 startete in Ginsheim das Projekt Mehrgenerationenwohnen des Vereins „LebensAlter“. Die insgesamt drei, von der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Mainspitze für 3,6 Millionen Euro gebauten Häuser bieten 19 barrierefreie Wohnungen mit Größen zwischen 48 und 116 Quadratmetern.

Der Grundgedanke damals: Drei Generationen wohnen unter einem Dach. Und: Sie wohnen nicht zufällig unter einem Dach. Vielmehr leben sie miteinander und für einander. Dazu haben die Baugenossenschaft und der 1996 gegründete Verein eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Nicht unwichtig: Wer hier wohnen möchte, muss Mitglied im Verein sein. Der Vorstand entscheidet zudem, wer einziehen darf.

Knapp fünf Jahre nach dem Bezug der Wohnungen zieht Georg Pape, Vorsitzender des Vereins, ein durchweg positives Fazit. „Die Idee von damals ist aufgegangen.“ Nach seinen Auskünften leben in den 19 Wohnungen 28 Menschen. Der jüngste Bewohner ist ein Baby von drei Monaten. Die Altersspanne reicht bis weit über 70. Die einzige Einschränkung, die Pape macht: „Der sogenannte Mittelbau fehlt, also die Altersspanne von 35 bis 50 Jahre.“

Neben den Geburten von zwei Babys habe die Gemeinschaft auch einen Todesfall erlebt. Ein Bewohner sei von sich aus ausgezogen. „Insgesamt gesehen haben wir in den vergangenen Jahren also nur eine sehr geringe Fluktuation gehabt“, so Pape weiter.

Zum Miteinander der Gemeinschaft gehört, dass man einmal im Monat zu einem gemeinsamen Frühstück sowie zur Besprechung im Gemeinschaftsraum des Haupthauses zusammenkommt. Regelmäßige Filmabende sorgen ebenfalls für Abwechslung. Sich gegenseitig im Alltag zu helfen, sei eine Selbstverständlichkeit.

Seit dem Sommer 2016 pflegt der Verein einen Gemeinschaftsgarten mit insgesamt 20 Parzellen. Da sich dabei auch Flüchtlinge engagieren, trägt dieses Projekt nicht unwesentlich zur Integration bei. Überhaupt engagieren sich Bewohner und Vereinsmitglieder in vielerlei Hinsicht für Flüchtlinge, beispielsweise mit Deutschunterricht und Patenschaften. Dafür bekam der Verein 2016 den „Come together“-Preis des Landkreises.

Mit Lesungen und Diskussionen öffnet sich das Ginsheimer Mehrgenerationenhaus regelmäßig einer breiten Öffentlichkeit. Unter dem Arbeitstitel „Zuhause in Ginsheim“ ist in diesem Jahr eine neue Veranstaltungsreihe geplant. Und auch im kommenden Advent ist der Stand des Vereins beim Ginsheimer Weihnachtsmarkt wieder fest eingeplant. Dann wird wieder Grünkohl mit Wurst serviert.

Inzwischen ist das Ginsheimer Projekt weit über die Grenzen der Doppelstadt und des Rhein-Main-Gebiets bekannt geworden. Eine Geografiestudentin hat das Mehrgenerationenwohnen in Ginsheim zum Thema ihrer Bachelorarbeit gemacht. „Wir bekommen immer wieder Anfragen von möglichen Initiatoren und geben unsere Erfahrungen gerne weiter“, unterstreicht Georg Pape. Nur in einem Punkt winkt er ab. „Ein weiteres Projekt werden wir nicht realisieren. Das müssen dann andere tun.“

Weitere Infos zum Verein und zum Wohnprojekt gibt es unter .

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare