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Yong Deng-Klückmann ist Heilpraktikerin der Traditionellen Chinesischen Medizin

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Die Chinesin Yong Deng-Klückmann ist mit einem deutschen Ingenieur verheiratet, lebt seit 2008 in Deutschland und arbeitet als Heilpraktikerin im Bereich der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). In ihrer Wahlheimat Königstädten fühlt sie sich wohl. Doch starke kulturelle Unterschiede und sprachliche Hürden in der Anfangszeit erschwerten ihre Integration.

Für eine Frau, die in Mianyang, einer Stadt mit fünf Millionen Einwohnern in der Provinz Sichuan geboren und aufgewachsen ist, ist es schwierig, sich an einem Ort mit gerade einmal 60 000 Einwohnern wie Rüsselsheim einzuleben. Und Königstädten, wo sie mit ihrem Mann lebt, ist ein eher gemütlicher Ortsteil, wo jeder jeden kennt. „Ich genieße mein Leben in Königstädten“, sagt Yong Deng-Klückmann fröhlich. Doch am Anfang sei es ein Kulturschock für die Chinesin gewesen, den sie erst einmal überwinden musste. Da hätte es für sie viel zu lernen gegeben.

Mit ihrer aufgeschlossenen Art, direkt auf Menschen zuzugehen, verwunderte sie ihr Umfeld oftmals und führte zu Irritationen. „Vor der Herzlichkeit und der Akzeptanz steht das Kennenlernen“, erkannte sie bald. Viele Fragen seien ihr gestellt worden. Über ihr Land und auch, warum sie nach Deutschland kam. Bei der Volkshochschule belegte sie einen Deutschkurs. Doch der sei nur die Basis gewesen. Denn für sie stand fest, dass sie auch beruflich tätig sein wollte.

Ihr Mann machte den Vorschlag, sich als Heilpraktikerin ausbilden zu lassen. Ein Beruf, der ihr bislang völlig unbekannt war. „In China gibt es sowas nicht.“ Sie recherchierte ausgiebig über den Beruf und stellte fest, dass er vieles mit der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gemeinsam hat. Kräuterhexen kannte sie nur aus deutschen Märchen, wo diese meist böse waren. Doch Kräutertherapien sind auch Teil der chinesischen Medizin. Die Parallelen waren da. Hinzu kam noch die eigene Familie. „Fast alle in meiner Familie sind Ärzte. Schon als Kind wusste ich, wozu Akupunktur verwendet wird und welche Kräuter im Bereich der Medizin genutzt werden."

Tai Chi ist populär

Auch Tai Chi, in China ein weit verbreiteter Volkssport, praktiziert sie seit frühester Kindheit. „Deutsche fahren Fahrrad oder gehen joggen. Tai Chi ist in China populär. An jeder Ecke, in Gärten und auf Grünflächen treffen sich spontan Gruppen aller Altersgruppen, um gemeinsam Tai Chi zu machen.“ TCM und die westliche Schulmedizin trennen Welten, erklärt sie. In ihrer Kindheit war Deng-Klückmann dabei, wenn ihre Mutter Patienten untersuchte, da das öffentlich war und andere Patienten sich im gleichen Raum aufhielten. In Deutschland ist ein Patient allein mit seinem Arzt, wenn dieser ihn untersucht. Die Untersuchung selbst funktioniert auch ganz anders als bei der Schulmedizin. Yong Deng-Klückmann nimmt den Puls eines Patienten am Handgelenk und sieht sich seine Zunge an, um eine Diagnose zu stellen.

„Ich dachte, ich würde nie als Medizinerin arbeiten“, sagt die 49-jährige. Denn in Shanghai, wo sie 18 Jahre lang lebte und auch ihren Mann kennenlernte, war sie als Businessfrau im Dienstleistungsbereich tätig, richtete Büros für Firmen ein und war ständig unterwegs.

Die Entscheidung, in der traditionellen Chinesischen Medizin zu arbeiten war für sie eine naheliegende Entscheidung. „Das lag mir schon immer im Blut. Nur war es mir nicht bewusst.“

Als die Entscheidung gefallen war, begann sie ihre dreijährige Vollzeitausbildun g und verbrachte auch einige Monate in China, um noch mehr über Akupunkturtechniken und Kräutertherapien zu lernen.

Individuelle Rezepte

Neben Akupunktur als Schmerztherapie praktiziert sie in ihrer Praxis auch die „Moxa-Therapie“, die die Selbstheilung und die Regulationsfähigkeit des Körpers anregt. Als Fachfrau für Kräutertherapie erstellt sie individuelle Rezepte für ihre Patienten und ihre spezifischen Beschwerden.

Für viele Patienten, die zu ihr kommen, ist die Behandlungsmethode mit Hilfe des Pulses und der Zunge ungewohnt, weiß die Heilpraktikerin. Auch die Erwartungen seien sehr hoch. „Viele gehen davon aus, dass eine Krankheit, die sie seit langer Zeit haben, in zwei Stunden geheilt ist.“

Die TCM dient dazu, das Ungleichgewicht im Körper zuzuordnen und zu behandeln. „Den Punkt zu finden, wo die Krankheit ihre Wurzeln, ihren Ursprung hat.“ So können Schmerzen in einem Körperteil ihren Ursprung ganz anderswo im Körper haben. Und auch die Behandlung durch TCM braucht ihre Zeit, bis sich Erfolge zeigen, weiß die Heilpraktikerin.

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