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Lärmgeplagt: Gunter Garske, Antje Schrom, Holger Winkel, Elisabeth Keller, Ulrike Keller und André Krebs (von links) sind Anwohner des Dreieichenhainer Bahnhofs und von der Lautstärke der neuen Züge genervt. Sie haben in der Nachbarschaft eine Unterschriftenaktion initiiert.

Beschwerden

Bahnhofs-Anrainer sind genervt vom Lärm neuer Züge der Dreieichbahn

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Leute, die in Bahnhofsnähe leben, sind regelrecht angefressen vom Lärm der neuen Züge der Dreieichbahn. Beschwerden liegen bereits beim Bürgermeister auf dem Tisch.

Dreieich - Mit den neuen Dieselzügen des polnischen Herstellers Pesa sollte alles besser werden auf der Strecke der Dreieichbahn. Seit Anfang Februar sind zwei von insgesamt zehn der bestellten Züge zwischen Dieburg und Frankfurt unterwegs – und schon gibt es Ärger. Anwohner von Bahnhöfen in Dreieich beschweren sich über den Lärm, den die Triebwagen verursachen.

Bei den Kunden fällt das Echo bislang gemischt aus. Gelobt werden zum Beispiel das komfortable Fahrverhalten, die Luftfederung, die Beschleunigung, das Platzangebot und gut lesbare Displays. Klagen gibt es über die laute Lüftung, Steckdosen ohne Kindersicherung und „verschenkte“ Zeit an den Haltestellen, weil das Öffnen der Türen und das Ausfahren der Rampen zur Überbrückung der Lücke zum Bahnsteig nicht gleichzeitig erfolgt.

Richtig angefressen sind etliche Leute, die in Bahnhofsnähe leben. „Wir können einen deutlichen Unterschied feststellen zwischen den neuen und den alten Zügen. Wenn ein neuer in den Bahnhof einfährt, fallen wir fast vom Sofa“, sagt Antje Schrom, die in der Dreieichenhainer Bahnstraße direkt an der Strecke wohnt. „Und jetzt sind noch die Fenster zu. Wie wird das erst im Sommer?“

André Krebs ist ebenfalls genervt. „Es ist das Geräusch beim Heranfahren an den Bahnhof, wenn der Zug runterbremst“, berichtet der Bahn-Anrainer. Waren es bislang manchmal quietschende Bremsen, die die Ruhe störten, sind es jetzt scheinbar laute Aggregate. Die polnischen Triebwagen erzeugen ein heulendes Geräusch. Während die alten Züge oben komplett geschlossen sind, haben die neuen eine Öffnung, aus der sich die ungewohnt lauten Geräusche entwickeln.

Überlaute Durchsagen

Eine Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden will, berichtet, dass sie einen sehr guten Schlaf habe, aber jetzt immer wieder morgens um 5.10 Uhr von der ersten Bahn geweckt werde. „Mir fällt es auch beim Gassi gehen im Feld auf, dass einzelne einfahrende Züge deutlich mehr Lärm verursachen als andere“, sagt die Frau.

André Krebs ist fassungslos, dass bei der Anschaffung der neuen Bahnen das Thema Lärmschutz offenbar nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Der Dreieichenhainer nimmt diese Verschlechterung nicht tatenlos hin. Er hat sich an die Stadt gewandt, an die Stadtwerke, an den RMV und ans Bundesamt für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Von allen bekam er nur die Rückmeldung, dass sie nicht zuständig seien.

„Es gibt offensichtlich keine Instanz, die sich verantwortlich fühlt“, meint Krebs verärgert. Neben dem Zuglärm stören sich die Anwohner übrigens auch schon lange an den überlauten Durchsagen, die die zahlreichen Verspätungen am Bahnhof durchgeben – die schrille Stimme vom Band sei bis in die Altstadt zu hören.

Neu-Bürgermeister Martin Burlon hat inzwischen zwei Beschwerden zur neuen Dreieichbahn auf seinem Schreibtisch. Neben André Krebs hat sich auch ein Anwohner des Offenthaler Bahnhofs an die Stadt gewandt. Auch in Rödermark gibt es bereits Unmut über die neuen „Dreieich-Panzer“, wie ein Leserbriefschreiber die neuen Modelle nennt.

Uhrzeiten notieren

„Wir können unmittelbar nichts gegen die Geräuschkulisse tun, wir sind ja nicht Betreiber der Bahn“, sagt Burlon. Er nehme die Beschwerden aber sehr ernst. „Wir haben einen Kontakt zu DB Regio, an den werden wir uns wenden.“ Der Rathauschef bedauert, dass die neuen Züge, die für mehr Pünktlichkeit und Komfort sorgen sollen, durch Lärmbelästigung auffallen. „Es gibt noch einen offiziellen Termin zur Besichtigung der neuen Bahnen. Dort werde ich dieses Problem auf jeden Fall zur Sprache bringen“, verspricht Burlon.

„Wir haben noch keine Rückmeldungen aus den Fachdiensten oder von den Lokführern, dass es Probleme mit den neuen Zügen gibt“, sagt Thomas Bischoff, Sprecher der Deutschen Bahn, auf Anfrage dieser Zeitung. Derzeit seien erst zwei neue Bahnen auf der Strecke unterwegs. Dass die Züge als lauter empfunden werden, könne auch eine subjektive Wahrnehmung sein, meint Bischoff. Es könne das neue Geräuschverhalten der Züge sein, das den Anwohnern auffalle. „Aber ich will auch nicht in Abrede stellen, dass die Menschen sich davon gestört fühlen“, sagt der Bahnsprecher. Er rät den Anwohnern, ihre Wahrnehmungen direkt dem Zugpersonal mitzuteilen. Die Mitarbeiter würden die Informationen weitergeben. Wichtig sei, sich die Uhrzeiten zu notieren, damit man prüfen könne, um welche Züge es sich genau handelt.

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