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Erst würgt ein Mann in Dietzenbach die Ehefrau bis zur Ohnmacht, dann rast er mit 100 Sachen in ein Polizeiauto. (Symbolbild)

Versuchter Totschlag

Mann würgt Ehefrau und rast in Polizeiauto - jetzt bekommt er die Konsequenzen dafür

Erst würgt ein Mann in Dietzenbach die Ehefrau bis zur Ohnmacht, dann rast er mit 100 Sachen in ein Polizeiauto. Nun muss er ins Gefängnis.

Dietzenbach - Versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr – da lohnt sich das Ergebnis gleich doppelt und dreifach: Achteinhalb Jahre Gefängnis.

Das urteilte am Montag die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Darmstadt über den 53-jährigen G. aus Dietzenbach. Er hatte seine dritte Ehefrau bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt, sich anschließend eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert und zum krönenden Abschluss in der 30er-Zone auf der Waldstraße mit über 100 Sachen einen Streifenwagen 70 Meter weit an eine Gartenmauer katapultiert.

Dietzenbach: Mann würgt Frau und rast in Streifenwagen

„Es tut mir leid, was ich getan habe. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte.“ Das sind die letzten Worte des Automobil-Lifestyle-Managers. Dass es keine Entschuldigung für sein Ausrasten am 2. Oktober 2018 gibt, weiß er selbst. Die Sache mit der Ehefrau hatte sich im Streit hochgeschaukelt, es war nicht die erste Handgreiflichkeit. Fürs Auffahren auf den Streifenwagen, aus dem Sekunden vorher drei Beamte gesprungen waren, hat er keine Erklärung: „Ich überlege seit Wochen, warum ich in das Auto gerast bin.“

Die Quittung ist für Staatsanwältin Natascha Monza nicht hoch genug. Sie hatte elf Jahre gefordert, überlegt nun, in Revision zu gehen. Was auch die Verteidigung tut. Sie wollte wegen vermeintlich fehlender Tötungsabsichten weniger als fünf Jahre erreichen.

Dietzenbach: Ehefrau nach Misshandlung traumatisiert

Neben der Haft, von der G. bereits zehn Monate in Weiterstadt abgesessen hat, soll er noch weitere Konsequenzen tragen. Mit fünf Prozent verzinste 7500 Euro Schmerzensgeld an die traumatisierte 49-jährige Ehefrau, Übernahme ihrer Therapiekosten, der Prozesskosten und die der Nebenklage, dazu die Einziehung seiner Fahrerlaubnis für mindestens vier Jahre.

„Der Umgang des Angeklagten mit seinen Frauen ist derart, dass er nach einer Zeit der Liebe seinen eigenen, egoistischen Weg geht, zu dem die Affinität zu anderen Frauen gehört“, sagte der Vorsitzende Richter Volker Wagner in seiner Urteilsbegründung. Dass es dann zu Schwierigkeiten komme, sei vorprogrammiert. 

Besonders auffallend sei die Ähnlichkeit der beiden Zeugenaussagen von Ehefrau Nummer zwei und Ehefrau Nummer drei. Beide bescheinigten vor Gericht seinen Hang zur Gewalt, seine manipulative und herrische Art. Lief etwas nicht nach seiner Vorstellung, wurde auf die Tränendrüse gedrückt oder auf perfide Art mit Selbstmord gedroht. „Jedes Mal, wenn ich mich trennen wollte, ging es schief. Ich wollte nicht daran schuld sein, dass er sich das Leben nimmt“, erklärte die Nebenklägerin unter Tränen bei der Videovernehmung.

Dietzenbach: Frau wollte Kamera sabotieren

Auslöser der häuslichen Tragödie war die Videoklingel. An dem Tag, als die Angestellte beim Amtsgericht die Wegweisung des Ehemanns nach dem Gewaltschutzgesetz beantragt hatte, versuchte sie, die Kamera zu sabotieren, damit der noch im gemeinsamen Haus wohnende Ehemann sie nicht über eine App beim Ein- und Ausgehen kontrollieren konnte. Der bekam es mit, versuchte sie daran zu hindern, nahm sie in den Schwitzkasten und schleifte sie ins Wohnzimmer. Dort setzt er sich auf sie und drückt beide Hände auf den Kehlkopf. Lässt sich auch nicht durch die zur Hilfe eilende Freundin des Sohnes aufhalten. 

Als die Ehefrau aus der Ohnmacht erwachte, bedrohte G. sie erneut. Am Ende gelang es der Bedrängten, zu einem Nachbarn zu fliehen und die Polizei zu verständigen. Auf der Flucht vor der Staatsgewalt jagte der Autoliebhaber dann mit seinem BMW durch Dietzenbach. In der Waldstraße kam ihm der Streifenwagen entgegen, auf den er zuraste. Sofort hielten die Beamten zwischen zwei Betonpollern an und stürzten aus dem Wagen.

VON SILKE GELHAUSEN

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