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In den Wimmelbildern der Cartoonistin Uschi Heusel (li.) entdecken die Dietzenbacher Kinder nun ihre Stadt.

Dietzenbach

Dietzenbach: Pädagogische Arbeit mit Wimmelbildern

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Die Dietzenbacher Cartoonistin Uschi Heusel hat die Sicht von 150 Kindern auf ihre Stadt in bunten Bildern illustriert, die als Wanderausstellung Mehrwert schaffen.

Heimatkundeunterricht mal ganz anders: Mit Wimmelbildern entdecken Dietzenbacher Kinder künftig ihre Stadt. Die überregional bekannte Cartoonistin und Karikaturistin Uschi Heusel hat sie gezeichnet, den Input dazu hat sie von 150 Jungen und Mädchen im Alter von drei bis zehn Jahren erhalten. Ideengeber Tim Kath, PR-Referent in der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, hatte die Kleinen in Workshops befragt, wo sie denn in Dietzenbach am liebsten seien und was sie mögen.

Die Begriffe, die ihm die beteiligten Kinder in den Kita- und Hort-Gruppen nannten, schrieb Kath auf Karteikarten. Ein Riesenstapel dieser Karten wanderte dann zu Heusel, die die Antworten zeichnerisch zu Papier brachte. „Ich musste mir erst ein Konzept erarbeiten“, sagt die Künstlerin, die die Comic-Ratte Ludwig erschaffen hat, die deutschlandweit als umstrittene Bronzefigur auf einem Dietzenbacher Verkehrskreisel Furore machte.

Ab Februar habe sie erst die Landschaften mit Tusche und Aquarell entstehen lassen, erklärt Heusel, und dann die Figuren hineingesetzt. Entstanden sind so insgesamt sieben bunte Wimmelbilder, die auf Roll-ups gedruckt wurden und nun als Wanderausstellung in Kitas, Schulen, der Bücherei und im Rathauscenter gezeigt werden. Die Feuerwache, das Waldschwimmbad, der Bauhof, die Stadtbücherei, das Einkaufszentrum und die Natur um die Stadt herum. Institutionen wie die Feuerwehr, die in vielen Städten mit Nachwuchsproblemen kämpft, werden so spielerisch in Szene gesetzt. Und auch die Stadtbücherei und damit das Lesen rückt bei den Kleinen auf diese Weise in den Fokus.

Heusel hat in jedes Bild zwei Hauptakteure gesetzt, die das Geschehen aus der Beobachterperspektive betrachten: Den Jungen Anton und das Mädchen Mayla, das unverkennbar Migrationshintergrund hat. Dem Initiator und zweifachen Familienvater Kath, der das Projekt vor einem Jahr begann, war das ein Anliegen – genauso wie die Kopftuchträgerin und die Moschee auf den Wimmelbildern. Damit sich die Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben in den Motiven widerspiegelt, habe er die Frauenbeauftragte, die Stabsstelle Integration und die Schwerbeschädigtenvertretung konsultiert, erzählt Kath. Wer genau hinsieht, entdeckt auch ein paar Details, die Heusel augenzwinkernd eingearbeitet hat – wie die Ratte Ludwig als Feuerwehrmann oder ein Schneemann im Schwimmbad.

Knapp über 7000 Euro haben die Wimmelbilder insgesamt gekostet, sagt Kath – wobei allein schon die Druckkosten mit 1000 Euro zu Buche schlugen. Der Förderverein Stadtbücherei hatte beim Bundesfamilienministerium einen Antrag auf Geld aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“ gestellt – und so wurden die Wimmelbilder als eines von 68 Projekten in ganz Deutschland in diesem Jahr gefördert.

Bis Mitte November sind die Roll-ups mit den Wimmelbildern im Rathaus zu sehen, dann wandern sie. Auch ein Pappbuch ist schon angedacht – für die pädagogische Arbeit in den Kitas.

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