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Die Kochenden Männer haben sich wieder mächtig ins Zeug gelegt und zu ihrem Jubiläum ein hessisches Essen gezaubert, das den Besuchern im Buchschlager Gemeindesaal gut geschmeckt hat. Das Bild zeigt; von links, stehend: Holger Semsroth, Christoph Mathy, Thomas Aliaga, Jörg Dittmar, Reiner Schork, Hans-Peter am Weg, Frank Zetsche, Martin Schneider, Matthias Kufleitner; kniend: Enrico Albisetti, Rolf Kreis und Klaus Laue.

Sozialer Aspekt im Mittelpunkt

Seit 25 Jahren bewirten die Kochenden Männer ihre Gäste

Während sich rund 90 Gäste in der evangelischen Versöhnungsgemeinde in Buchschlag den Handkässalat mit Zwiebeln, Äpfeln und je nach Wunsch mit oder ohne Walnüsse schmecken lassen, herrscht in der Küche noch ein bisschen Stress.

Dreieich – Die Herren in den grünen Shirts bereiten den Hauptgang zu: Es gilt, den Kartoffelstampf nicht zu weich werden zu lassen, die mit Wacholderbeeren und Kümmel gewürzte Sauerkrautportion und das zarte Rippchen heiß zu servieren. Alles klappt auf den Punkt und an den mit Kerzen und Fliedersträußen gedeckten Tischen erleben die Gäste einen kulinarischen Genuss.

Seit 25 Jahren laden die Kochenden Männer die Buchschlager regelmäßig zum Abendessen in den Saal der Gemeinde ein. Die Höhepunkte sind das Grünkohlessen oder die Variationen von Wild, die die Herren auftischen. Da wird es immer recht eng, bis zu 110 Gäste werden maximal bedient. Aber es gibt auch Hausmannskost wie zum hessischen Jubiläumsabend: Rippchen mit Kraut – veredelt mit einem Willkommens-Aperitif und der Vorspeise. Und zum Abschluss servieren die Köche hessisches Tiramisu mit Calvados und Apfelmus.

Schon am Freitagabend geht es in der Küche los. „Wir haben 25 Kilo Kartoffeln für den Stampf geschält, 15 Kilo Zwiebeln für den Handkässalat geschnitten und 30 Kilo Sauerkraut verarbeitet“, berichtet Klaus Laue. Da gibt es Gespräche über die richtige Art der Zubereitung. Das Kochteam, übrigens immer zwischen neun und 16 Männern, wird sich einig. Natürlich ist es viel Arbeit, bis nach Mitternacht haben die Herren geschnippelt, gekocht und gespült, um dann am Samstagnachmittag um 16 Uhr alles für die Gäste vorzubereiten. „Aber es macht viel Spaß. Wir sind eine nette Truppe, wir trinken bei den Vorbereitungen ein Bier, vespern gemeinsam. Außerdem tun wir es ja für die Gemeinschaft und den sozialen Zweck“, so Wolfgang Merk.

Das war vor 25 Jahren die Absicht von Hansjörg Schiebe. Als Vorsitzender des Kirchenvorstands sah er ein Problem auf die Gemeinde zukommen: „Wir brauchten Geld für allerlei Reparaturen. Da mein Mann gerne kochte, hat er die Kochenden Männer ins Leben gerufen“, erzählt Christa Schiebe, deren Mann vor einigen Jahren verstorben ist.

Alle Hände voll zu tun hatten die Kochenden Männer am Samstag bei der Bewirtung der Gäste.

Es ist ein Erfolgsmodell. Die Männer kochen, die Buchschlager kommen und machen den Geldbeutel auf. „Das läuft immer noch gut. Wir sind ein Treffpunkt, bringen die Menschen an einen Tisch. Es gibt keinen offiziellen Preis. Wir nennen unsere Ausgaben und jeder spendet so viel, wie er mag“, erklärt Klaus Laue. Die Kosten tragen sich immer und der Überschuss liegt pro Abend zwischen 600 und 1 200 Euro. Allerdings hat sich das Fenster für die Spenden weit geöffnet. Waren die Köche zu Beginn alles Mitglieder der Kirchengemeinde, hat sich die Gruppe für alle leidenschaftlichen Köche geöffnet und damit auch der Spendenzweck. „Natürlich gibt es immer noch Spenden für die Gemeinde, wenn etwas ansteht“, sagt Hans-Peter am Weg, Gruppenmitglied der ersten Stunde. Er steht übrigens selbst nicht am Herd: „Ich kann nicht kochen. Aber ich decke den Tisch und erledige andere anfallende Arbeiten“, erklärt am Weg.

Die Spenden gehen inzwischen nach ganz Dreieich und auch manchmal darüber hinaus: Zum Jubiläumsessen steht die Rikscha des Hauses Dietrichsroth vor der Tür – die haben die Kochenden Männer mitfinanziert. Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge wurden ebenso bedacht wie der Kindergarten der Gemeinde, das Demenz-Theater der Winkelsmühle oder die Uni-Kinderklinik in Mainz. „Der soziale Aspekt ist mehr und mehr in den Mittelpunkt gerückt“, sagt Frank Zetsche. Und das Spendenziel hat die Gruppe am Samstag wieder erreicht – mit rund 1000 Euro Überschuss. „Ein sehr erfolgreicher Abend“, findet Laue.

Übrigens: Noch kein einziges Mal ist es vorgekommen, dass ein Essen so richtig misslungen ist. „Nie mussten wir sagen, tut uns leid Leute, heute gibt es leider nichts zu essen“, ist am Weg erleichtert, dass auch das Jubiläumsessen reibungslos geklappt hat. Im August planen die Herren ein Paella-Essen, zu Erntedank wird es eine Veranstaltung und im November das begehrte Wildessen geben.

VON NICOLE JOST

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