Anwohner klagen gegen „Neue Mitte“

  • schließen

Gegen den Bebauungsplan „Neue Mitte“ in Sprendlingen liegen beim VGH in Kassel zwei Normenkontollanträge vor. Die Stadt bleibt dennoch gelassen.

Die „Neue Mitte“ von Sprendlingen ist von der Stadt Dreieich mit langem Atem geplant. Die Entwürfe des Eigentümers Schoofs Immobilien GmbH sehen auf dem Areal Hauptstraße 22–38a einen Lebensmittelvollversorger mit 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche, fünf Häuser mit insgesamt 60 Wohnungen sowie Flächen für Gastronomie und Einzelhandel vor. Als der Aufstellungsbeschluss 2013 gefasst wurde, hoffte der Eigentümer auf eine Eröffnung des Supermarkts im Jahr 2016.

Zwei Offenlagen mit Bürgerforen später, mit Kompromissen in der Planung und immer wieder Kritik an der Dimension des Projekts, wurde im Dreieicher Stadtparlament im Februar dieses Jahres der Bebauungsplan mit großer Mehrheit beschlossen. Schon das Stadtfest am 3. Oktober wurde räumlich etwas nach hinten verschoben, weil die Verwaltung bei der Planung davon ausgegangen ist, dass dann auf der Hauptstraße schon gebaut werden könnte.

Gestern teilten Bürgermeister Dieter Zimmer und Erster Stadtrat Martin Burlon mit, dass der Stadt Nachrichten von zwei Normenkontrollanträgen gegen den Bebauungsplan „Neue Mitte“ am Verwaltungsgerichtshof (VGH) Kassel vorlägen. „Die Antragsteller sind Eigentümer im Umfeld des geplanten Vorhabens. Sie haben schon im Laufe der Aufstellung des Bebauungsplans Bedenken gegenüber dem Projekt vorgetragen“, erklärte Burlon. Es geht dabei um die Nähe zu den anderen Grundstücken, aber auch um die Lärm- und Verkehrsbelastung in der Sprendlinger Innenstadt durch eine solche tiefgreifende Veränderung. Ein Normenkontrollverfahren prüft die rechtliche Wirksamkeit eines Bebauungsplans. Die Stadt und der Eigentümer Schoofs Immobilien haben sich jeweils einen Anwalt genommen. Antragsgegner in dem Verfahren ist ausschließlich die Stadt. Der Eigentümer habe sich als Verfahrensbeteiligter, dessen rechtliche Interessen berührt sind, auch rechtlich absichern wollen.

Burlon rechnet in diesem Jahr nicht mehr mit einer Verhandlung. Die Verwaltungsgerichte seien zu belastet. „Wir sind aber auch nicht weiter besorgt. Die Baugenehmigung für die ,Neue Mitte‘ bleibt weiter in Bearbeitung“, betont der Erste Stadtrat. Die Unterlagen liegen derzeit beim Kreis Offenbach zur Überprüfung. Erfahrungen mit Normenkontrollverfahren habe die Stadt bei zwei großen Baugebieten in der Vergangenheit ja bereits gemacht. Im Heckenborn in Sprendlingen und in der Albert-Schweitzer-Straße in Götzenhain hatten Nachbarn diese rechtliche Möglichkeit ausgeschöpft. „Solche Normenkontrollanträge haben keine aufschiebende Wirkung. Das bedeutet, wenn der Bauantrag beim Kreis durch ist, könnte mit dem Bau begonnen werden“, so Burlon. Auch im Heckenborn und bei den Bauarbeiten in Götzenhain sind trotz laufenden Normenkontrollverfahren die Bagger schon gerollt.

Die Vorarbeit für die Neuordnung des 7600 Quadratmeter großen Areals mitten in der Sprendlinger Innenstadt war langwierig und komplex. „Es mussten die einzelnen Grundstücke in einen Besitz gebracht werden, die Architekten haben auf die Ergebnisse des Bürgerforums reagiert, die Ausrichtung des Supermarktes sogar noch einmal komplett verändert“, erklärt Burlon. All das habe viel Zeit gekostet. „Aber wir haben an dem Projekt immer festgehalten. Wir glauben an die ,Neue Mitte‘ und sind sehr optimistisch, dass wir sie realisieren können.“ Wann die Bauarbeiten zwischen der Hauptstraße 22 und 38 beginnen können, hänge eher an der Baugenehmigung als an den noch schwebenden Normenkontrollanträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare