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Zwischen diesen Bildern liegen nur ein paar Wochen. Vor wenigen Tagen wurde das Haus in Sprendlingen, in dem mal Gold angekauft wurde, abgerissen. Links ist das Fachwerkhaus von Michael Janocha zu sehen.

"Neue Mitte"

Nächster entscheidender Schritt: Der Investor hat ein weiteres Haus abgerissen

Nicht in einer Nacht- und Nebel-Aktion, wie spekuliert wurde, sondern mit Genehmigung der Bauaufsicht des Kreises: Ein weiteres Haus wurde für die „Neue Mitte“ plattgemacht.

Der Bagger hat ganze Arbeit geleistet. In der Sprendlinger Hauptstraße vis-à-vis des alten Rathauses ist in diesen Tagen ein weiteres Haus von der Bildfläche verschwunden. Damit ist die Schoofs Immobilien GmbH ihrem Ziel auf dem Weg zur „Neuen Mitte“ wieder ein kleines Stück näher gekommen. Das Projekt, bestehend aus einem großen Supermarkt, Wohnungen, Läden und Gastronomie, soll der Innenstadt Sprendlingens einen Schub verleihen.

Spekulationen, der Abriss des Hauses sei in einer Art Nacht-und-Nebel-Aktion erfolgt, widerspricht Mohamed Younis. Die Bauaufsicht des Kreises Offenbach habe grünes Licht gegeben, sagt der Geschäftsführer der Firma Schoofs. Erst vor ein paar Wochen hatte diese Zeitung über die Sorgen berichtet, die Michael Janocha umtreiben. Ihm gehört das mehr als 200 Jahre alte und liebevoll restaurierte Fachwerkhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Gebäude, das jetzt unter den Bagger gekommen ist.

Gegen Projekt geklagt

Janocha fürchtet Schäden für das Fundament, denn die Tiefgarage reicht in den Plänen für die Neue Mitte fast bis an sein Haus ran. Und: Das 7600 Quadratmeter große Areal wird über eine Zu- und Abfahrt erschlossen, die direkt an Janochas Immobilie vorbeiführt.

Der Architekt und Ingenieur hat nicht nur gegen den Bebauungsplan und die Baugenehmigung für das aus seiner Sicht überdimensionierte Innenstadt-Projekt geklagt, sondern er hatte auch Widerspruch gegen die Abrissgenehmigung für das Nachbarhaus eingelegt. Diesen wies die Bauaufsicht des Kreises Offenbach Anfang Dezember ab.

Janocha nahm die Ablehnung nicht klaglos hin, legte sein Veto ein. Vergeblich. Nachdem die Schoofs Immobilien GmbH ein Gutachten mit einem sogenannten Standsicherheitsnachweis für Janochas Haus eingereicht hatte, setzte die Bauaufsicht am 8. Februar den Sofortvollzug in Kraft. Diesen von Younis geschilderten Ablauf bestätigt Kreissprecherin Ursula Luh auf Anfrage.

Eilantrag ans Gericht

Klar, dass der Geschäftsführer nicht lange fackelte und ein Abbruchkommando schickte. Auch Janocha blieb nicht untätig, er wandte sich mit einem Eilantrag an das Verwaltungsgericht in Darmstadt, um einen Abrissstopp zu erwirken. Der Richter gab dem Antrag am Mittwochabend auch statt, aber da lag das Haus schon in Trümmern. An die richterliche Anordnung habe man sich auch gehalten und nur noch ein paar Arbeiten erledigt, um das Gelände zu sichern, sagt Younis. Er verweist darauf, dass es für das gesamte Projekt vier verschiedene Abrissgenehmigungen gibt und nur eine „kassiert“ wurde: Auf den anderen Flächen des Grundstücks, das Schoofs in Gänze aufgekauft hat, können die Arbeiten fortgesetzt werden. Im vorderen Bereich der Hauptstraße ist den Plänen jetzt nur noch der Gebäudekomplex im Weg, in dem eine Pizzeria und der Tedi-Markt untergebracht sind.

Nach den Worten von Mohamed Younis ist es gelungen, für die Pizzeria einen Übergangs-Standort in der Offenbacher Straße zu finden. Der Inhaber hat wohl Interesse an einer Rückkehr signalisiert, wenn mal alles fertig ist. Mit dem Betreiber des Marktes sei man noch in Verhandlungen, so der Geschäftsführer.

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