Flüchtlingshilfe erhält Rotary-Sozialpreis

Sie bauen Menschen eine Brücke

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Der mit 5000 Euro dotierte Sozialpreis des Rotary Clubs geht an das Netzwerk Flüchtlingshilfe Dreieich. Bei der Preisverleihung wurde deutlich, wie vielfältig die Arbeit der Ehrenamtlichen ist.

Die beiden Rotary Clubs Dreieich-Isenburg und Offenbach- Dreieich haben im Dietzenbacher Kreishaus zum 13. Mal den Rotary-Sozialpreis verliehen. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung erhielten die Ehrenamtlichen des Netzwerks Flüchtlingshilfe Dreieich für ihr überragendes Engagement.

„Es freut mich besonders, dass in diesem Jahr das Netzwerk Flüchtlingshilfe die Auszeichnung erhält. Dort engagieren sich in Vereinen, Verbänden und auch als Einzelpersonen mehr als 40 Männer und Frauen im gesamten Stadtgebiet, um in Dreieich eine Willkommenskultur für Menschen aufzubauen, die aus politischen, religiösen, ethnischen und sozialen Gründen ihre Heimat verlassen mussten“, bedankte sich Dreieichs Bürgermeister Dieter Zimmer bei den Ehrenamtlichen, und bei den Rotariern.

Eva Milbredt-Zeuzem hielt die Laudatio für die Rotary-Clubs und erinnerte daran, dass Flucht nie freiwillig sei und dass es derzeit die höchsten Flüchtlingszahlen seit dem Zweiten Weltkrieg gebe. „Nur ein kleiner Teil von ihnen sucht Schutz in Europa“, betonte sie und verwies darauf, dass der Libanon eine Million Flüchtlinge beherberge. „Das ist, als würden bei uns 20 Millionen Flüchtlinge leben.“ Eva Milbredt-Zeuzem bedankte sich bei den Ehrenamtlichen: „Sie begreifen die Flüchtlinge als Menschen, denen eine Brücke gebaut werden muss, um in unserer Gesellschaft anzukommen. Sie tragen dazu bei, dass sie bei uns einen Platz finden.“

Herzergreifend wurde es, als sechs der Aktiven sich in einer kurzen Vorstellungsrunde präsentierten und erklärten, was sie genau machen. Claus Liewerkus verschafft den Menschen, die nach Dreieich kommen, mit der Fahrradwerkstatt im Forum Sprendlingen Nord mehr Mobilität. Susan Saf ist eine von 21 Helfern, die im Forum Nord die Pakete mit wichtigen Küchenutensilien packen, und Ilona Klein hilft im Lerncafé der Gemeinde St. Laurentius beim Deutsch lernen. Sie fand auch schöne Worte, dass es nicht nur die Menschen sind, die in größter Not ihre Heimat verlassen haben, die von dem Einsatz des Netzwerks profitieren. Auch sie wachse an den neuen Kontakten und den Menschen, die aus ihrer Heimat nach Deutschland gekommen sind.

„Ich kann nur erahnen, wie groß die Not und Verzweiflung sein muss, um alles hinter sich zu lassen, was einem lieb und wichtig ist, und wie tief der Schmerz um alles Verlorene sein muss. Flüchtlinge helfen mir, meine Welt neu zu sehen und nicht hinterfragte Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen“, erzählt sie von ihrer ehrenamtlichen Arbeit mit den Menschen.

Elisabeth Obländer kümmert sich um eine sechsköpfige Familie aus Inguschetien, und Ingeborg Werner nutzt die freie Zeit seit sie Rentnerin ist, um eine junge Frau aus Eritrea zu unterstützen. Neu dazu gekommen ist für sie eine siebenköpfige Familie aus Syrien, die ihre Hilfe vor allem bei den Kontakten mit den Ämtern benötigt. „Es hat etwas Gutes für mich: Ich habe keine Angst mehr vor Formularen, und ich bin Weltmeister im Ordner anlegen“, erklärte Ingeborg Werner schmunzelnd.

Die sechste im Bunde war Muna Yusuf, die vor einigen Jahren selbst als Flüchtling nach Dreieich kam und weiß, wie sie am besten helfen kann. Sie nutzt ihre Sprachkenntnisse, um besonders den neu ankommenden Flüchtlingen mit Dolmetschen zur Seite zu stehen.

Nach der Übergabe des Preises luden die Rotarier zu einem Umtrunk im Kreishaus ein.

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