Dreieichenhain

Bebauungsplan verärgert Anwohner

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Mehr Verkehrslärm und zu viele neue Bürger: Die Dreieichenhainer üben am Bebauungsplan rund um das Gelände der katholischen Kirche Kritik. In einem offenen Brief machen sie ihre Ängste und Forderungen deutlich.

Es liest sich wie ein alltäglicher Verwaltungsvorgang: Ein alter Bebauungsplan in Dreieichenhain hat einen Mangel in der Hauptsatzung und ist damit nicht mehr rechtsgültig. Ein vom Bauamt im Rathaus neu erarbeiteter Plan soll rechtliche Sicherheit für die Zukunft schaffen. So weit so gut. Aber inhaltlich wird sich in dem Geltungsbereich von der Ludwig-Erk-Schule über das Haus Dietrichsroth, das alte BIK-Haus, das Gelände der katholischen Kirche und der Kita Winkelsmühle eben auch so einiges ändern.

Während einer Bürgerinformationsveranstaltung Ende Februar wurde schon deutlich, dass die dort anwesenden rund 100 Nachbarn nicht ganz einverstanden mit den planungsrechtlichen Details sind. Besonders die „Nachverdichtung“ auf dem Gelände des ehemaligen BIK-Hauses und auf dem Areal der katholischen Kirche wirft bei den Nachbarn erhebliche Fragen auf. Noch bis zum 13. April können die Dreieicher bei der Offenlage der Unterlagen die Pläne einsehen und auch Einwände und Stellungnahmen zum Projekt abgeben.

Eine Gruppe von Anwohnern sucht jetzt frühzeitig das Gespräch mit der Politik. Die Dreieichenhainer rund um Manfred Forst, haben einen offenen Brief an die Fraktionsvorsitzenden im Dreieicher Stadtparlament geschickt. „Wir, die betroffenen Bürger in Dreieich, sind nicht einverstanden mit den im Bebauungsplan notierten Details und sehen erhebliche negative Auswirkungen auf unser aller Umfeld“, steht in dem von vier Anwohnern unterzeichneten Brief. Darin bitten sie die Kommunalpolitiker die Fläche im Plan WA4 (das ist das Gebiet um die Kirche) als reines und nicht wie geplant als allgemeines Wohngebiet auszuweisen. Damit wollen die Dreieichenhainer sichergestellt wissen, dass eine Ausweitung der gewerblichen Nutzung nicht möglich ist. Sie fürchten noch mehr Lärmbelästigung als bisher, noch mehr Verkehr aufgrund von An- und Ablieferung und damit verbunden eine noch größere Beeinträchtigung der Lebensqualität im Wohngebiet.

Außerdem wünschen sie sich, dass die maximale Bebauungshöhe im gesamten Bereich des WA2 (das Areal rund um das alte BIK Haus) mit drei Vollgeschossen ohne zusätzliche Staffelgeschosse mit einer maximalen Bebauungshöhe von neun Metern definiert wird. Im Plan ist derzeit eine Höhe von 12,50 Metern vorgesehen. In einem Wohngebiet mit Einfamilienhäusern sei diese Höhe zu mächtig. Überhaupt fragen sich die Nachbarn, wie die Infrastruktur bei etwa 30 Wohnungen auf dem Gelände des BIK-Hauses und rund 32 Wohnungen auf dem Kirchenareal, bei einer durchschnittlichen Belegungszahl mit einer Drei-Personen-Familie pro Wohnung von über 180 neuen Mitbewohnern mit mehr als 60 Kindern ausreichen soll. Schon jetzt ist der Druck auf die Ludwig-Erk-Schule und die Kitas immens.

Eine weitere Forderung ist, dass der Grünstreifen entlang der Ostseite des BIK-Hauses mit einem bindend einzuhaltenden Grenzabstands von mindestens elf Metern zu den bebauten Grundstücken des Mühlwegs und der Hainer Chaussee sichergestellt wird. Außerdem sei die Ausweisung von ausreichenden Parkplatzressourcen für den Hol- und Bringverkehr an der Kita Winkelsmühle, der Ludwig-Erk-Grundschule und des Hortes Hainer Chaussee sowie von Besuchern der Kirche, des Pflegeheims und der neuen Bewohner wichtig.

„Wir haben uns intensiv mit den Veränderungen beschäftigt, und die Pläne sorgen für viele Diskussionen unter uns Anwohnern“, erklärt Manfred Forst. Inzwischen habe sich ein „harter Kern“ von rund 20 Personen zusammengefunden, die sich auch bereits bei einem Anwalt für Verwaltungsrecht Beratung geholt habe. „Uns geht es einfach darum, dass die Rede von einer ,behutsamen Nachverdichtung’ ist, unter Berücksichtigung der Interessen der Anwohner, und das sehen wir in den jüngsten Planungen einfach nicht gegeben.“

Der Bebauungsplan habe so viele Mängel und Unzulänglichkeiten, dass die Anwohner Nachbesserungen fordern. „Ich betone, dass wir auf keinen Fall gegen eine Bereitstellung von Wohnraum, den Zuzug neuer Bürger nach Dreieich oder die Herstellung von sozialem Wohnraum sind. Wir erwarten allerdings als „Bestandsbürger“ die Beachtung und Respektierung auch unserer Anforderungen“, so Manfred Forst weiter. Er und seine Nachbarn seien einfach dagegen, dass jetzt eine Lösung „übers Knie gebrochen“ werde ohne die Konsequenzen zu bedenken.

Der engagierte Dreieichenhainer betont, dass sie alle vernünftig an den Protest herangehen, ohne „Schaum vor dem Mund“ und ohne Aggressivität. „Wir wollen jetzt einfach das Gespräch mit der Politik suchen, dass unsere Wünsche Gehör finden“, hofft Manfred Forst, dass es in der zweiten Woche nach Ostern zu Gesprächen kommen kann. Bis dahin werden die Nachbarn weiter informiert, über eine Mailingliste über eine Dropbox mit Informationen versorgt, und auch die Einsprüche und Stellungsnahmen werden untereinander noch gut abgesprochen, so dass möglichst viele Schreiben das Sprendlinger Rathaus erreichen.

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